Herbe Auftaktniederlage als Meilenstein zur Meisterschaft

Berchtens Neuaufbau

Freuen sich über den unerwarteten Triumph: SG-Trainer Markus Berchten (l.) und seine Spielmacherin Sharelle Maarse. Foto: Kasiewicz

Kirchhof. Markus Berchten hat in Sachen Handball schon fast alles gemacht. Selbst gespielt (als Torwart), trainiert und als Referent der schweizer Sportschule in Magglingen auch gelehrt.

Sollte es demnächst mal ein Seminar zum Thema „erfolgreicher Neuaufbau einer Mannschaft“ geben, müsste sich der 52-Jährige wohl nicht groß vorbereiten. Der Schweizer bräuchte einfach nur aus dem Nähkästchen zu plaudern, beschreiben, was er beim Handball-Drittligisten Kirchhof gemacht hat.

Eine Aufbauarbeit, die als Paradebeispiel durchgeht und mit dem Wiederaufstieg der SG 09 in die 2. Liga gekrönt wurde - ein Erfolg, mit dem selbst der Macher nicht gerechnet hat: „Unser Ziel war ein Platz im vorderen Mittelfeld.“

Diese Zurückhaltung ergab sich aus der Ausgangsposition. Vier Spielerinnen waren aus dem Abstiegsteam übrig geblieben, dazu kamen neun Neuzugänge, von denen der neue Trainer nur eine kannte: Cristina Mihai. Mit dem kompletten Kader konnte er das erste Mal vor dem ersten Spiel trainieren. Das mit 20:30 verloren ging. Und genau deshalb zum Meilenstein des folgenden Durchmarsches mutierte.

Auf mentale Stärke gebaut

„Eine äußerst lehrreiche Erfahrung“, blickt der SG-Coach zurück. Zum einen stand nach Studium der Stärken und Schwächen der einzelnen Spielerinnen das Grundgerüst der Mannschaft, die hinten auf eine 6:0-Deckung und vorne auf die individuellen Vorzüge der Spielerinnen setzte. Schließlich konnte sie gegen den HSV Marienberg, einem eingespielten Aufstiegsfavoriten, trotz der Schlappe 45 Minuten lang mithalten. Brach aber ein, als dieser seine Cleverness ausspielte. Ein „Schiffbruch“ (Berchten), der bei der Nachbetrachtung ein kleines Erdbeben auslöste. Auch beim Trainer: „Ich habe alles hinterfragt, auch mich selbst.“

Die Konsequenz: weniger taktische Vorgaben. Und: „Wir haben fortan viel mehr Wert auf mentale Stärken gelegt.“ Auf Wettkampfhärte und Durchsetzungsvermögen frei nach des Trainers Motto, „dass eine Spielerin, der sich eine Chance zum Abschluss bietet, auch gehen muss.“ Das sollte auch der Entlastung des Rückraum-Duos Mihai/Blase dienen, auf dessen herausragende Rolle sich die Konkurrenz mittlerweile eingestellt hatte. Das gelang ausgerechnet bei der 26:20-Revanche in Marienberg am besten. Und offenbarte Berchten, „dass die Mannschaft, wenn sie musste, immer in der Lage war, eine Topleistung abzuliefern.“

Grundlage dieser rasanten Entwicklung: ein harmonisches Arbeitsklima, eine Chemie, die stimmte. Zwischen den Spielerinnen sowie zwischen Mannschaft und Trainer. Der lässt dann auch schon mal durchblicken, dass ihm dieses Team ans Herz gewachsen sei. Und ihm zu einen eigenen Lernschritt verholfen hat: „Vor zehn Jahren hätte ich wohl nicht die Geduld zu einem solchen Neuaufbau gehabt und zwischendurch mehr Druck gemacht.“ Auch diese (persönliche) Schlussfolgerung dürfte in dem Seminar nicht fehlen.

Von Ralf Ohm

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