Jessica Kleinmann feierte mit Kirchhof und Bad Wildungen fünf Aufstiege – Schönes Ende in Fritzlar

Sie hat fast alle Ziele erreicht

Verabschiedet: Nach dem Heimspiel gegen die HSG Blomberg-Lippe II bedankte sich Germania Fritzlar bei (von links) Physiotherapeutin Edeltraud Mentken, Sabine Kirmse, Maria Pirvan, Jana Kurzbuch, Jessica Kleinmann und Betreuer Harald Schnitzer. Foto: Hahn

Felsberg. Es ist nicht überliefert, ob Rumpel vor Freude einen Salto gemacht, sich einen Ball zum spielen geschnappt oder einfach nur ausgiebig mit Frauchen geschmust hat. Sicher ist hingegen, dass die siebenjährige Bulldogge heilfroh ist, dass sich Jessica Kleinmann nun mehr Zeit für den Vierbeiner nimmt. Denn die 31-Jährige hat ihre Laufbahn als Handballerin beendet.

„Ich brauche mehr Freizeit, möchte neue Impulse in meinem Leben setzen, Yoga lernen“, sagt die Felsbergerin und ergänzt: „Meine Karriere war ein einziger Erfolg.“ Klar, wer fünf Mal auf-, aber nie absteigt. Wer nie verletzt fehlte und stets von Mitspielerinnen und Fans geschätzt wurde, kann nicht viel falsch gemacht haben. „Jessi war ein absoluter Vollprofi und hat besonders die jüngeren Mädels stets an die Hand genommen. Sie war die fitteste Spielerin, die ich je bei uns gesehen habe“, lobt Fritzlars Abteiltungsleiter Steffen Schmude.

Das ist das Resultat von unbändigem Ehrgeiz. Während andere im Sommer Urlaub machten, flitzte Kleinmann über die Feldwege um Felsberg und machte Extra-Einheiten Sprints. Leichtathletik war auch der Sport, den ihr ihr Vater ans Herz gelegt hatte. Wenn die Eltern in Duisburg wohnen geblieben wäre, hätte sie allerdings wohl die Liebe zum Rollkunstlauf entdeckt, denn dabei waren Papa Detlef und Mama Simone Anfang der 70er Jahre deutsche Meister im Paarlauf.

Doch eine Schulfreundin nahm Jessi im Alter von zwölf Jahren mit ins Handball-Training zur HSG Gensungen/Felsberg. Ein Kulturschock, denn dort spielten viele seit den Minis und in der Kreisauswahl. Der Anfang war kein Zuckerschlecken für Jessi, die sich als Kreisläuferin versuchte. Trotzig notierte sie in ihrem Tagebuch: Denen zeige ich es und werde später 1. Liga spielen.

Das gelang 2011 mit der HSG Bad Wildungen, mit der sie von der Landesliga durchmarschiert war und vier Aufstiege feierte - als torgefährliche Rechtshänderin auf Rechtsaußen. Auch mit ihrem vorigen Verein, der SG 09 Kirchhof, bejubelte sie den Sprung in die 1. Liga (2004). Damals noch mit dem Status Talent versehen.

Lernwillig ist sie geblieben und wurde bei Germania Fritzlar in den vergangenen zwei Jahren als Linksaußen eingesetzt. Wirksam, denn hinter Laura Denecke (108) war die Tempogegenstoßspezialistin die zweitbeste Torschützin (94) beim Vizemeister der 3. Liga Ost. Ein schöner Erfolg zum Abschluss. Ob sie wirklich alles erreicht hat? „Ich wollte immer 1,70 Meter groß werden, bin aber nicht mal 1,60 Meter geworden“, sagt sie und lacht. Für Bulldogge Rumpel ist Jessica Kleinmann ganz sicher die Größte, seitdem sie nicht mehr täglich die Sporttasche packt.

Von Sebastian Schmidt

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