Mannschaft sprach sich schon im März gegen den Erfolgstrainer aus – Spielerinnen würden gerne aufsteigen

Mai gelingt sein Meisterstück

Meister der 3. Liga Ost: Betreuer Harald Schnitzer (stehend von oben von links), Trainer Frank Mai, Angela Cioca, Xenia Ahrend, Janina Dreyer, Laura Denecke, Physiotherapeut Torsten Christ, Lea Gürbig, Vanessa Maier, Co-Trainerin Victoria Marquardt, Danja Auel, Johanna Fischer und Vorsitzender Heinz Huth. Bibiana Huck (knieend von links), Esther Meyfarth, Melina Horn, Hannah Puntschuh, Lena Kerwin und Lena Dietrich. Fotos: Hahn

Fritzlar. In den Minuten des Triumphs sucht Frank Mai die Abgeschiedenheit. 24:14 (13:6) hatte die Mannschaft vom Handball-Lehrer gerade gegen Leipzig II gewonnen, machte damit die Meisterschaft in der 3. Liga Ost perfekt.

Die Spielerinnen bilden einen Kreis, schreien, jubeln: „So geht Meisterschaft“. So geht Meisterschaft. Frank Mai hat es ihnen gezeigt. Der Trainer steht noch in der Nähe der Ersatzbank, hält die Arme über den Kopf, als würde er auf eine Erlösung warten. Sein Blick gen Hallendecke offenbart, dass die Anspannung einer nicht leichten Saison ganz langsam entweicht. Es ist Harald Schnitzer, der treue Paladin so vieler Fritzlarer Trainer, der dem 51-Jährigen als Erster gratuliert. Da kommt auch schon Ehefrau Denise Kricheldorf-Mai mit Sohn Yorick (acht Monate) durch eine Hallentür, herzt ihren Mann.

Die Mannschaft feiert weiter. Rechtsaußen Bibiana Huck, die vielleicht sicherste Siebenmeterschützin der Liga stimmt die unvermeidliche Humba an. Die frühere Bundesliga-Spielerin und Eckpfeiler der Fritzlarer Meisterschaft, Esther Meyfarth, sucht Mai, findet ihn, umarmt ihn kurz. Danach ist das Team aufgereiht, die Verabschiedungen stehen an. Mai steht im Mittelkreis etwas verloren herum, eine Bierflasche in der Hand. Es dauert etwas, bis eine Spielerin (Laura Denecke) mit ihm anstößt. Kurz danach wissen auch die 430 Zuschauer Bescheid. Der Meistertrainer verlässt den Verein. Aus freien Stücken? „Ich wäre gern geblieben“, sagte er, nachdem sich der Trubel gelegt hat.

Anfang März bekam der Hattorfer vom Verein mitgeteilt, dass es mit ihm nicht weitergehe. „Da war ich schon überrascht“, so der A-Lizenz-Inhaber. Sein größtes Talent im Kader, Xenia Ahrend, will nur soviel sagen: „Damals war die Meisterschaft noch nicht absehbar. Die Entscheidung gegen Frank fiel einstimmig innerhalb der Mannschaft.“ Auch Kapitänin Melina Horn (siehe Interview) kann nicht viel Negatives über den scheidenden Meistercoach sagen: „Das Training war gut. Wir sind aber eine Mannschaft, die oft mal einen Arschtritt braucht. Der hat manchmal gefehlt.“

Mai ist nach Detlef Kleinmann der zweite Trainer innerhalb recht kurzer Zeit, der seine Zelte in Fritzlar abbrechen muss – obwohl er auf dem ersten Tabellenplatz steht. Oder war Frank Mai vielleicht zu ehrgeizig, was den Aufstieg angeht?

„Die Mannschaft hat den Wunsch, in der 2. Liga zu spielen“, sagt Mai dazu. Ähnlich klingt das bei Ahrend. „Ich freue mich riesig über die Meisterschaft. Aber irgendwas fehlt dann eben doch“, sagt die Rückraumspielerin. Ins gleiche Horn stößt die erfahrene Meyfarth: „Wir haben Verständnis für die wirtschaftliche Situation des Vereins. Als Sportler haben wir aber natürlich den Ehrgeiz, in der möglichst höchsten Liga zu spielen.“

Übernimmt Marquardt?

Wie geht es jetzt weiter? Wer neuer Trainer wird, steht noch nicht fest. Abteilungsleiter Steffen Schmude spricht von einem Plan B, den der Verein habe. Ob dieser Plan die bisherige Co-Trainerin Vic Marquardt als Nachfolgerin von Mai vorsieht? Abwarten. Es wird auf jeden Fall eine schwer zu steigernde Saison. 

Von Daniel Schneider

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