Derby: Marquardts Mut belohnt - Kirchhof feiert das Remis - Blases lange Anreise

Punkt für beide Gold wert

Hängte sich voll rein: Rafhaela Priolli (SG), die hier von der Fritzlarerin Melina Horn (l.) am Torwurf gehindert wird. Fotos: Hahn

Fritzlar. Nein, das war noch nicht die Meisterschaft. Meisterlich mutete dagegen, zumindest für Momente, schon der Jubel an.

Die gesperrte Cristina Mihai rennt von der Tribüne aufs Feld und fällt Marieke Blase in die Arme, Rafhaela Priolli hebt Torfrau Morf in die Höhe und alle Kirchhoferinnen zusammen legen danach im Kreis ein kurzes, ausgelassenes Tänzchen aufs Parkett.

„Diesen Punkt wollten wir unbedingt und jetzt haben wir ihn“, jubelte SG-Linksaußen Christin Kühlborn über das 24:24-Remis im Derby der 3. Handball-Bundesliga bei dem SV Germania Fritzlar. „Dieser Punkt“ bedeutete nämlich nach den jüngsten Rückschlägen, dass der Tabellenführer im kommenden Heimspiel gegen die HSG Osterode/Harz (Sa. 19.30 Uhr Stadtsporthalle Melsungen) den Aufstieg vorzeitig perfekt machen kann.

„Dieser Punkt“ war aber auch für die Gastgeberinnen Gold wert. Belohnte er doch den unwiderstehlichen Schlussspurt der Mannschaft vom 21:24 zum 24:24. „Wir haben alles aus uns heraus geholt“, erklärte die strahlende Laura Denecke.

Bei ihrer Mannschaftskameradin Esther Meyfarth flossen erstmal die Tränen, als die ungeheure Anspannung nach dem Schlusspfiff nachließ. Etwas später war auch ihr trotz zwei verworfener Siebenmeter ein Lächeln zu entlocken: „Wir können stolz auf unsere Moral sein.“

Dazu gesellte sich der Mut ihrer Trainerin Viktoria Marquardt, in der Schlussphase mit einer 4:2-Deckung alles auf eine Karte zu setzen, „obwohl wir das fast noch nie gespielt haben.“ Sie verfehlte ihre Wirkung nicht, wobei die Kirchhoferinnen zuvor den Ausfall ihrer Torjägerin Mihai eigentlich ganz gut kompensiert hatten. „Wir haben für Cristina gekämpft“, beschrieb Marieke Blase die ungeheure Motivation ihrer Mannschaft, die durchaus noch Kräfte frei zu machen schien.

Gerade bei der Rückraumspielerin selbst, die tags zuvor noch mit dem Thüringer HC in der Champions-League beim norwegischen Vertreter Larvik im Einsatz war und ihr erstes Tor in diesem Wettbewerb erzielte. Es folgte eine Rückreise im Morgengrauen, um am Abend im Derby allen Strapazen zum Trotz dabei zu sein.

Ja, dieses Nachbarduell elektrisiert. Spieler und Fans, die für eine prächtige Kulisse in der Sporthalle der König-Heinrich-Schule sorgten. Und wenn dann noch, wie SG-Coach Markus Berchten schwärmte, „beste Werbung für den Frauenhandball“ dabei heraus kommt, dürfen sich wirklich alle Beteiligten nach einem Remis als Sieger fühlen. Ob sie danach nun jubeln oder weinen.

Von Ralf Ohm

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