SVG-Trainerin Viktoria Marquardt zieht im HNA-Interview positive Saisonbilanz ihrer Doppelbelastung

Vize-Meisterschaft schöner Erfolg

Ihre Ansage hatte Gewicht: Viktoria Marquardt, die gleich die erste und die zweite Mannschaft von Germania Fritzlar unter ihren Fittichen hatte. Im Hintergrund Bibiana Huck. Foto: Kasiewsicz

fritzlar. Ende gut, alles gut. Der SV Germania Fritzlar hat die Saison in der 3. Handball-liga Ost als Vize-Meister beendet und feiert das als „schönen Erfolg“. Das und einiges mehr offenbart Trainerin Viktoria Marquardt im HNA-Interview. Die ehemalige Bundesliga-Spielerin wurde nach dem überraschenden Rücktritt ihres Vorgängers ins kalte Wasser geworfen und schwamm sich frei.

Viktoria Marquardt, darf ich Ihnen zur Vize-Meisterschaft in der 3. Liga Ost gratulieren?

Viktoria Marquardt: Natürlich, das ist ein schöner Erfolg.

Es gibt auch Mannschaften, die würden mit einem zweiten Platz und dem verpassten Titel hadern.

Marquardt: Wir nicht, denn wir können mit dem zweiten Platz sehr gut leben. Zumal die Bedingungen nicht einfach waren. Es gab viel Unruhe von außerhalb und zu Beginn der Saison viele Verletzungen.

War nicht vielleicht doch etwas mehr drin?

Marquardt: Wenn man uns unsere Arbeit hätte machen lassen, ohne ständig die Leistungen der Mannschaft zu kommentieren, wäre der ein oder andere Punkt mehr drin gewesen. Doch insgesamt war Meister Kirchhof das konstantere Team und hatte mit Cristina Mihai und Marieke Blase die alles überragenden Spielerinnen.

Die Mannschaft ist frühzeitig informiert worden, dass der Aufstieg für den Verein nicht zu stemmen ist. Trotzdem hat‘s bei ihr keinen Motivationsknick gegeben. Warum?

Marquardt: Weil der Vorstand von Anfang an offen und ehrlich war. So wurde keine Spielerin unter der Prämisse geholt, dass wir aufsteigen wollen. Fakt ist, dass dafür kein Geld da ist und das wusste jeder. Weiterhin verfügt die Mannschaft über eine erstaunliche Moral. Und die Spielerinnen konnten sich ohne Druck persönlich weiter entwickeln.

Was haben Sie dazu beigetragen?

Marquardt: Ich hab‘ versucht, meine Erfahrungen als Erst- und Zweitliga-Spielerin einzubringen. Weiterhin war es mir wichtig, zu jeder Spielerin ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, also bei schlechten Spielen nicht gleich drauf zu hauen sondern erstmal zu fragen, was möglicherweise dahinter steckte. Ich denke, meine offene und emotionale Art wurde gut aufgenommen.

Auffällig war mal wieder die Abwehrstärke des Teams. Worauf führen Sie die zurück?

Marquardt: Abwehr ist Willenssache und die Mädels haben diesen Willen. Und mit Esther Meyfarth eine überragende Abwehrchefin. Dazu kommt mit Maier/Auel das meiner Meinung nach beste Torhüter-Duo der Liga.

Wie fällt Ihr persönliches Fazit einer Saison aus, in er Sie plötzlich zur Trainerin der ersten Mannschaft befördert wurden?

Marquardt: Das habe ich in der Tat nicht erwartet, ich wollte erst als Co-Trainerin in diese Rolle reinwachsen. So habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt, schöne und weniger schöne.

Nämlich?

Marquardt: Schön war etwa die Unterstützung durch unseren Vorstand, aber auch dass mir die Mannschaft mein Vertrauen in sie zurück gezahlt hat. Weniger schön fand ich die öffentliche Kritik, mit der ich erst fertig werden musste.

Sie hatten ja mit einigen Ihrer Spielerinnen wie etwa Sabine Kirmse noch zusammen gespielt. Gab‘s da keine Autoritätsprobleme?

Marquardt: Nein. Die Mannschaft hat mich ja selbst als Trainerlösung vorgeschlagen.

Wie oft waren Sie in der Woche als Trainerin der ersten und der zweiten Mannschaft in der Halle?

Marquardt: Viermal, wobei ich an zwei Tagen beide Teams trainiert habe.

Wie haben Sie diese Doppelbelastung gemeistert?

Marquardt: Anscheinend ganz gut. Wir sind mit der ersten Mannschaft Zweiter geworden und mit der zweiten können wir das in der Landesliga auch noch schaffen. Da Handball mein Leben ist, habe ich das mit Liebe und Leidenschaft durchgezogen.

Sie machen gerade Ihren Trainerschein. Was nehmen Sie aus den Erfahrungen der letzten Saison mit für Ihre künftige Trainerkarriere?

Marquardt: Dass man als Drittliga-Trainer zeitlich arg gefordert ist. Videoanalyse, detaillierte Trainingsvorbereitung, Einstellung auf den Gegner - da kommt mehr auf einen zu, als das Training zu leiten. Das hatte ich unterschätzt. Doch nun weiß ich, wie groß der Zeitaufwand ist und das habe ich anderen zu Beginn ihrer Trainerausbildung voraus.

Von Ralf Ohm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.