Abstiegsplatz zur Winterpause

Analyse: Nur ein Quartett ist bei der SG 09 Kirchhof konstant gut

V.l Christian Denk und Greta Kavaliauskaite SG 09 Kirchhof. 8.Heinrich Horn Gedächtnisturnier am 10.08.2019 . Spiel VFL Oldenburg gegen SG 09 Kirchhof. Foto: Richard Kasiewicz
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Vor richtungsweisenden Wochen: Kirchhofs Trainer Christian Denk und Greta Kavaliaukaite.

Der Umbruch stockt gewaltig. Nach zwei fünften Plätzen in Verbindung mit einer enormen Entwicklung des Traditionsvereins auch neben der Platte überwintert die SG 09 Kirchhof in der 2. Handball-Bundesliga auf einem Abstiegsplatz.

Eine Analyse.

Die Bestandsaufnahme

Gleich sieben wichtige Spielerinnen verließen die SG 09 im Sommer. Mit Christin Kühlborn (HSG Bensheim/Auerbach), Kim Mai und Laura Nolte (beide Pause) drei Vorzeige-Eigengewächse. Mit Dionne Visser (Bensheim/Auerbach), Danique Boonkamp (SV Union Halle-Neustadt), Leona Svirakova (Füchse Berlin) und Katarzyna Demianczuk (1. FSV Mainz 05) vier weitere bewährte Kräfte. Dennoch hätte die Zwischenbilanz für deren Nachfolgerinnen kaum schlechter ausfallen können. Auswärts hat das Team von Trainer Christian Denk noch gar nicht gepunktet. Die Ausbeute gegen die ersten Elf der Liga? Neun Spiele, neun Niederlagen. Acht davon mit mindestens drei Toren Differenz. Knapp war es nur beim schicksalhaften 21:22 gegen den TVB Wuppertal, als sich Sina Ritter einen Fingerbruch zuzog.

Die Rückschläge

Mit den Neuzugängen Ritter und Mariel Beugels sowie Michelle Urbicht waren drei Spielerinnen für die Rolle der Regisseurin sowie spielstark auf Linksaußen eingeplant. Noch in der Vorbereitung kam für Urbicht das halbjährige Aus wegen einer Schulterverletzung, dann folgte Top-Verpflichtung Ritter am dritten Spieltag. „Das hatte eine enorme Verunsicherung zur Folge. Mariel braucht Unterstützung“, betont Denk.

Die Konstanten

Nur die Kapitäninnen Ritter und Diana Sabljak, Torfrau Frederikke Siggaard sowie Kreisläuferin Jana Schaffrick wussten mit konstant guten Leistungen zu überzeugen. Ritter, auch während ihrer Verletzungspause von außen, Torschützenkönigin Sabljak, selbst angeschlagen über Wochen mit einer Innenbanddehnung im Knie, und Siggaard, die dänische Frohnatur, gehen als Führungskräfte voran. Der Rest des Teams war hauptsächlich damit beschäftigt, nach einer Verletzung, in einer neuen Liga oder gar in einem neuen Land Fuß zu fassen. 

Lichtblick: Jana Schaffrick hat als neue Kreisläuferin voll eingeschlagen.  

Löbliche Ausnahme ist Schaffrick als jüngste Neue, die sich als „Terrier“ (Zitat Christian Denk) verdient macht. Mit geschickten Sperren, unermüdlichem Einsatz und Torgefahr durchaus erfolgreich der Herkulesaufgabe stellt, Visser und Mai allein zu ersetzen.

Die weiteren Neuen

Anouk van de Wiel kehrte nach ihrer langen Pause früher als erwartet auf die Platte zurück. In der Abwehr schickt sie sich an, eine Stütze zu werden. Im Angriff fehlt noch Mut. Mariel Beugels muss ebenso Scheu ablegen und am Timing arbeiten, damit Kirchhof von ihrer feinen technischen Ausbildung profitieren kann. Nela Zuzic konnte in den Punktspielen nicht ihre Paraderolle aus der Vorbereitung bestätigen und hielt keine Zähler fest. Greta Kavaliauskaite möchte vorangehen – und macht wohl deshalb Fehler. Die Kapitänin der litauischen Nationalmannschaft kassiert die meisten Zeitstrafen und Karten.

Die Zeichen der Krise

Tore aus dem Tempogegenstoß gibt’s nicht mehr. Erste Welle, zweite Welle – der SG 09 geht die Leichtigkeit ab. Symptomatisch, dass beim jüngsten 23:27 gegen den HC Leipzig selbst in Überzahl als Konsequenz falscher Entscheidungen nichts gelingen wollte. Wie gelähmt waren die Löwinnen phasenweise, produzierten ungewöhnlich viele technische Fehler und Fehlwürfe. „Uns fehlen die einfachen Tore. Wir müssen uns jeden Treffer hart erarbeiten“, weiß Coach Denk. Außen vor waren die Flügelflitzerinnen, wo einzig Sina Ritter ihre Tauglichkeit (und sogar mehr) bewies. Eine gute Entwicklung kann Denk nur Linksaußen Lea Immelnkämper bescheinigen, die sich über das Juniorteam für höhere Aufgaben empfahl.

Der Lösungsansatz

„Der Kopf entscheidet. Kirchhof kann Abstiegskampf und ich bin absolut überzeugt von meinem Team“, erklärt Christian Denk. Und plant neue Wege. Vorbei die Zeiten ständiger Positionswechsel besonders von Ritter und Sabljak. „Wir brauchen feste Positionen, um Sicherheit zu bekommen. Ich muss jetzt taktische Änderungen vornehmen“, nimmt sich der Trainer in die Pflicht. Auch mit dem Wechselspiel im Tor zwischen Siggaard, Zuzic und Paula Küllmer ist er nicht glücklich: „Ich habe da kein klares Zeichen gesetzt.“

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