HNA-Gespräch mit Max Rimkus (22)

Handballer überlebte plötzlichen Herztod: "Habe mein Leben zurück"

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Leute, ich bin wieder da: Max Rimkus kürzlich bei einem Sportplatzbesuch in Unterhaun.

Bad Hersfeld. Max Rimkus hat vor einem halben Jahr bei einem Handballspiel der HSG Werra WHO einen plötzlichen Herztod erlitten - und diesen dank engagierter Ersthelfer überlebt.

Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt der 22-jährige Hersfelder auf das vergangene halbe Jahr zurück - und schaut nach vorn.

Max Rimkus über ...

... • seinen Unfall: „Ich kann mich an gar nichts erinnern.  Ich weiß nur, dass es mir die Tage vorher schon nicht besonders gut ging und ich stark erkältet war. Ich wollte aber trotzdem spielen. Vom Spiel selbst weiß ich aber nichts mehr. Was mir passiert ist, habe ich abgehakt. Ich weiß, dass ich fast tot war. Das ist schon heftig - aber das kann man ruhig so sagen. Ich kann es ja nicht ändern und schaue jetzt nach vorn. Am Tag des Unfalls hatte meine Mutter Dagmar übrigens Geburtstag. Ich kann demnächst mit ihr meinen zweiten Geburtstag feiern.“

... • die Zeit im (künstlichen) Koma: „Ist komplett gelöscht. Ich habe überhaupt nichts mitbekommen. Und ich kann mich auch an die ersten Wochen der Reha in Bad Wildungen nicht mehr erinnern. Das ist schon alles krass irgendwie.“

... • die Reha in Bad Wildungen (knapp fünf Monate): „Von der ersten Zeit weiß ich gar nichts mehr. Als ich zu mir gekommen bin, hab’ ich schon gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt. Ich wusste nicht, wo ich war, wusste nicht, was ich dort mache, wusste nicht, was es mit der Therapie auf sich hatte. Das war schon hart. Mein erstes Wort, als ich wach wurde, da so lag und überall diese Schläuche waren: Scheiße! Ich musste dann alles neu lernen. Reden, essen, anziehen, duschen - echt alles. Die richtigen Erinnerungen beginnen Mitte April etwa - mit dem 1:3 der Bayern im Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League in Porto. Da habe ich schön geflucht (lacht). “

... • die Gegenwart: „Ich habe Glück im Unglück gehabt. Ich könnte im Rollstuhl sitzen, im Wachkoma sein, vielleicht nicht sprechen können. Von daher geht es mir gut, wofür ich sehr dankbar bin. Ich fühle mich fast wie früher, ganz ehrlich. Nur die Power fehlt mir noch. Meine Motorik ist wieder völlig okay. Mein Wortschatz ist noch nicht der alte, manchmal fehlen mir noch Wörter. Aber ich merke, wenn ich Mist erzähle - und verbessere mich dann auch selbst.

... • die nächsten Schritte: „Für mich kommt jetzt die nächste Reha - sieben Wochen in Aachen. Dort geht es wohl vor allem darum, meine sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern, mein Gedächtnis zu schulen, wieder richtig Lesen und Schreiben zu lernen. Das wird sicher hart, aber ich will dort Gas geben.“

... • die Zukunft: „Ich habe in Frankfurt Deutsch und Sport auf Lehramt studiert. Und das will ich auch wieder machen - ganz klar. Außerdem will ich unbedingt wieder Autofahren. Und Sport machen. Schade, dass ich kein Handball mehr spielen darf. Aber Fußball will ich auf jeden Fall wieder spielen. Sport ist mein Leben.“

17. Januar 2015: Der Tag, an dem sich für Max Rimkus alles veränderte

Es ist Samstag, der 17. Januar 2015, als sich kurz nach 17 Uhr das Leben des Handballers Max Rimkus von einem auf den anderen Moment verändert. Beim Bezirksoberliga-Spiel der HSG Werra WHO gegen Neuhof bricht der 22-Jährige bewusstlos zusammen, erleidet einen plötzlichen Herztod – und überlebt diesen dank engagierter und kompetenter Ersthelfer. Mehr als 20 Minuten versuchen diese, Max Rimkus mit Herzdruckmassage und einem Defibrillator, den sein Mitspieler Jörg Reim glücklicherweise im Kofferraum hat, zurück ins Leben zu holen. Mit dem Notarzt geht es von Heringen nach Bad Hersfeld ins Klinikum.

Es folgen vier Wochen auf der Intensivstation im künstlichen Koma, dann knapp fünf Monate Reha in Bad Wildungen. Die nächste Station für Max Rimkus wird die Uniklinik in Aachen sein, wo er sieben Wochen auf der neuropsychologischen Therapiestation verbringen wird.

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