2. Bundesliga:

Das Lächeln ist bei der SG 09 Kirchhof zurück

Daumen hoch: Klara Schlegel glänzte mit zehn Toren bei zehn Versuchen.
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Daumen hoch: Klara Schlegel glänzte mit zehn Toren bei zehn Versuchen.

Das war schlichtweg löwenstark: Die Handballerinnen der SG 09 Kirchhof haben in der 2. Bundesliga einen Befreiungsschlag gelandet und den SV Werder Bremen mit 33:21 (17:11) in die Schranken gewiesen.

Melsungen – Es ist nicht überliefert, wie viele Handballerinnen der SG 09 Kirchhof schon mal ein Buch von Virginia E. Wolff gelesen haben. Zumindest einen Titel der US-amerikanischen Schriftstellerin haben sich die heimischen Zweitliga-Spielerinnen offensichtlich zu Herzen genommen: „Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus.“ Denn nach drei Monaten mit vielen Rückschlägen feierten die Löwinnen einen nicht für möglich gehaltenen 33:21 (17:11)-Erfolg im Kellerduell gegen den SV Werder Bremen und kletterten auf einen Nicht-Abstiegsplatz.

„Wir waren eine Einheit und ich wüsste nicht, wie man uns hätte stoppen sollen. Wir haben mit Kopf gespielt und in jeder Szene bewiesen wie geil es ist, einfach wieder spielen zu dürfen“, frohlockte Diana Sabljak, die Kapitänin, für die die unverhofften zwei Punkte ein schönes Geschenk einen Tag nach ihrem 29. Geburtstag waren.

Schönes Geschenk für Kapitänin Sabljak

Ein eindrucksvoller Sieg, mit dem sie gerne einen Haken an quälend lange Wochen in häuslicher Quarantäne machen würde. Einhergehend mit einer gewissen Wettbewerbsverzerrung, weil andere Teams wie etwa Bremen als Mannschaft durchgehend trainieren konnten. Während Kirchhof nach dem Rücktritt von Gernot Weiss nun auch noch die Erkrankung von Trainer Martin Denk, für den spontan Udo Horn in die Bresche sprang, verkraften musste. Und wo sich zu allem Überfluss Linksaußen Zerin Öczelik noch einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zuzog und 14 Tage ausfallen wird.

Da bedurfte es mehr nur als das gute Omen, dass die vergangenen fünf Duelle mit Werder allesamt an Kirchhof gingen. Denn Bremen war der Favorit, erstmals in dieser Saison in Bestbesetzung und mit vier Siegen in Serie angereist. Demgegenüber musste die SG 09 in den jüngsten neun Liga-Begegnungen acht Niederlagen wegstecken.

Starke Zuzic hat Lust an „Spielchen“

„Wir waren am Boden und haben ‘Alles oder Nichts’ gespielt. Dass wir jeden Tag nur mit Zoom trainieren konnten statt gemeinsam in der Halle, hat uns nur noch mehr zusammen geschweißt“, lobte Nela Zuzic den neuen Teamgeist, der in der schwierigen Zeit entstanden ist. Verbunden mit viel Lob für ihre Vorderleute für „200 Prozent Einsatz in der Abwehr“, die es ihr leicht machten zu glänzen. Ein Dutzend Paraden zeigte sie vor der Pause, ein halbes Dutzend danach. Macht in Summe 14 mehr als die beiden Bremerinnen Danique Trooster und Viktoria Nigbur zusammen zu bieten hatten.

Und es sagt viel über den Ehrgeiz der Kroatin aus, dass sie mit ihrer Vorstellung nicht ganz zufrieden war. Gerne noch fünf, sechs Bälle mehr gehalten hätte und sich vielmehr an den „Spielchen“ erfreute. Daran, dass sie und ihr Team nicht nur jeden Treffer, jedes vereitelte Tor und jeden gewonnen Zweikampf auf und neben der Platte feierten. Nein, sie quittierten auffällig viele Situationen mit einem Lächeln. Machten auch so den Gegner von der Weser mürbe. Und sich Mut, erst gar keine Zweifel am Sieg aufkommen zu lassen.

Da zeigte Greta Kavaliauskaite in Innenblock mit Kapitänin Sabljak ebenso ihre stärkste Saisonleistung wie das Team an sich. Da verschoben auch alle anderen Akteurinnen geschickt, so dass beim Gegner nur Junioren-Nationalspielerin Nina Engel und Rechtsaußen Maren Gajewski mehr als zwei Tore aus dem Feld gelangen. Da traf Klara Schlegel, deren Abwehr/Angriff-Wechsel mit Kavaliauskaite sich bezahlt machte, mit jeden Wurf.

Bremens Trainer adelt Mannschaftsleistung der SG

Somit bog Kirchhof nach einem 5:0-Lauf zum 6:2 (12., Sabljak) über 10:5 (18., Schlegel) und 17:10 (29., Schlegel) in Rekordzeit auf die Siegerstraße ein. Die zweite Halbzeit wurde fast schon zum Schaulaufen. Mariel Beugels zog effektvoll die Fäden und setzte endlich wieder im Eins-gegen-Eins Akzente. Kapitänin Sabljak blühte zur Bestform auf und sorgte zum 23:13 (38.) für die erste Zehn-Tore-Führung in dieser Saison. Spätestens da war der Widerstand Werders gebrochen. Und weil fast alles gelang, ging in der Schlussminute auch noch ein Wurf von Torfrau Zuzic ins gegnerische Netz zum 33:21-Endstand.

Kein Wunder, dass Bremens Coach Robert Nijdam hart mit seinen Schützlingen ins Gericht ging: „Ich habe die ganze Woche gewarnt, dass Kirchhof in der jetzigen Situation nur eine Möglichkeit hat, nämlich zu kämpfen. Taktik kann ich coachen, Charakter nicht.“ Und weil er von der Vorstellung der SG 09 so begeistert war, traf er noch eine bemerkenswerte Entscheidung. Eine Spielerin des Spiels wollte er partout nicht küren – und wählte stattdessen die ganze Mannschaft. Das Team, dass es offensichtlich versteht, aus Zitronen Limonade zu machen. (Sebastian Schmidt)

Die Statistik

SG 09 Kirchhof - SV Werder Bremen 33:21 (17:11)

Kirchhof: Siggaard (0 P./1 GT, bei einem 7 m), Zuzic 1 Tor (18/20) - Immelnkämper, Schaffrick 2, Hufschmidt 1, van der Linden, Sabljak 12/3, Beugels 6, Kamp 1, Kavaliauskaite, Schlegel 10, Prauss, Spatz, Koltschenko.

Bremen: Trooster (0/7), Nigbur (4/26) - Heidergott 2, Pods, Conze, Engel 5, Thomas, Mehrtens, Neßlage 6/4, Seidel, Engelke, Gajewksi 6, Sposato, Fröhlich, Döpke 1, Defayay 1.

SR: Jennifer Eckert/Maria Ludwig.

Zeitstrafen: 4:4 Minuten

Siebenmeter: 3/3:4/5.

Da strahlen sie um die Wette: Katharina Hufschmidt (links) und Diana Sabljak, die hier die starke Torfrau Nela Zuzic herzt.

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