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Der Favoritenrolle gerecht werden: Wildunger Vipers treffen im DHB-Pokal auf Zweitligist Werder Bremen

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Fehltag: Anouk Nieuwenweg (Mitte) kann sich in Bremen keiner Werder-Spielerin entgegenstellen, denn sie fällt wie auch schon gegen Bietigheim wegen Knieproblemen für das Pokalspiel aus. Ansonsten sind bei den Vipers alle Bord, auch Lisa-Marie Merck (links) und Jolina Huhnstock (rechts)
Fehltag: Anouk Nieuwenweg (Mitte) kann sich in Bremen keiner Werder-Spielerin entgegenstellen, denn sie fällt wie auch schon gegen Bietigheim wegen Knieproblemen für das Pokalspiel aus. Ansonsten sind bei den Vipers alle Bord, auch Lisa-Marie Merck (links) und Jolina Huhnstock (rechts) © malafo

Die Außenseiterrolle kennen die Handballerinnen der HSG Bad Wildungen nur zu gut, nun müssen sie am kommenden Samstag (18.30 Uhr) in der zweiten DHB-Pokalrunde auch mal in die Favoritenrolle schlüpfen.

Bad Wildungen – Sie treffen dabei auf einen Gegner, der vom Namen her viel größer und stärker klingt als HSG Bad Wildungen: SV Werder Bremen. Doch wir sind hier nicht im Fußball, sondern im Frauen-Handball und hier steht die Mannschaft des SV Werder Bremen sportlich unter den Vipers. Die Hansestädterinnen belegen derzeit mit 2:6 Punkten in der zweiten Bundesliga den zwölften Platz in dem 16er-Feld. Da wäre es schon eine große Pokalüberraschung wenn die Werderanerinnen die Wildungerinnen aus dem Wettbewerb werfen würden.

Die Vipers scheuen eher die weite Fahrt in den Norden als den Gegner selbst. „Wir hätten uns eher einen Verein aus der näheren Umgebung gewünscht“, sagt die Vipers-Trainerin Tessa Bremmer. Über einen Kontrahenten aus der näheren Umgebung wüssten die Vipers-Verantwortlichen vermutlich auch handballerisch mehr.

Bremmer weiß wenig über die Bremerinnen

„Ehrlich gesagt, wusste ich über Bremen so gut wie nichts“, gibt Bremmer zu. „Meines Wissens haben wir auch noch nie gegen Bremen gespielt.“ Aber man kennt sich zumindest ein wenig vom Sehen. Die Bremer Handballerinnen haben genau wie die Vipers in der Vorbereitung am Turnier in Kirchhof teilgenommen.

Wer seinen Gegner nicht kennt, muss ihn kennenlernen und das bedeutet im Vipers-Lager, dass man viel Vorbereitungszeit mit Videos anschauen verbringen muss.

Und was hat die Trainerin da an Bremer Stärken gesehen? „In dieser Mannschaft fällt auf, dass vor allem die Außenspielerinnen im Vergleich zum Rückraum viele Tore erzielen. Das macht sie besonders.“ Das Gute daran ist, zwei von den vier Bremer Außenspielerinnen kennt Bremmer gut: Alina Otto und Vanessa Plümer. Beide trugen auch schon das Wildunger Trikot. Außerdem sei im Bremer Spiel die Handschrift eines holländischen Trainers zu erkennen, sagt Bremmer. Robert Nijdam bevorzuge einen schnellen Handball.

Auch die Spielerinnen schauen Videos vom Gegner

Die Last der Videoanalyse liegt im Wildunger Team aber nicht nur auf dem Rücken des Trainerinnenstabes. „Auch die Spielerinnen schauen sich die Videos an, um sich auf den Gegner vorzubereiten und wir besprechen dann unser taktisches Vorgehen gemeinsam“ erzählt Bremmer. Und wer als hoher Favorit an die Weser reist, kommt um diesen Satz wohl auch nicht drumherum: „Wir schauen nur auf uns und versuchen, unser Spiel zu spielen.“

Doch wer es nicht gewohnt ist, die Favoritenbürde zu tragen, neigt möglicherweise auch dazu, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Aber solch ein Verhalten schließt Bremmer für ihre Spielerinnen aus. „Wir werden Bremen nicht unterschätzen, da habe ich Vertrauen in meine Mannschaft“ betont die Trainer, aber sie sieht durchaus eine Gefahr: „Wenn der Leistungsunterschied zwischen zwei Mannschaften groß ist, kann es sein, dass sich der vermeintlich Stärke an die Spielweise des Schwächeren anpasst. Das sieht man auch oft, wenn Bietigheim gegen uns spielt.“

Diese Momente klein zu halten und stets in der Lage zu sein, in schwächeren Phasen den Hebel wieder umzulegen, wünscht sich die Trainerin von ihrem Team. Der Erstligist sieht seine Vorteile gegenüber dem Zweitligisten vor allem im besseren Tempospiel und in der physischen Überlegenheit. Wenn die Vipers diese Trumpfkarten in Bremen ausspielen können, ist die dritte Pokalrunde nicht weit.

Enttäuschte Gesichter nach Fahrt im Werder-Bus 

Es hat für sie nicht mehr gereicht. Maren Gajewski (25) hätte zu gern bei der Pokalpartie gegen Bremen im Vipers-Trikot auf der Platte gestanden, schließlich trug sie in der vergangenen Saison noch den Werder-Dress. Doch ihre Schulterverletzung verwehrt dem Neuzugang immer noch das Debüt bei den Vipers, das nach der WM-Pause erfolgen soll.

„Schade, dass ich in Bremen nur auf der Bank sitzen werde“, sagt Gajewski, die ihrer Trainerin Tessa Bremmer aber zumindest ein paar Insidertipps über den abstiegsbedrohten Zweitligisten erzählen kann. „Bremen spielt eine gute erste und dann auch zweite Welle, aber ich denke vor allem im athletischenm Bereich und im Tempo sind sie uns unterlegen.“

Gajewski sitzt als Ex-Bremerin nur auf der Bank

Gajewski denkt noch gern an ihre Werder-Zeit zurück, obwohl sie bis auf zwei Spielerinnen kaum noch Kontakt zu der Mannschaft habe. Und es war für sie auch immer etwas Besonderes für diesen großen Namen aufzulaufen, obwohl es die Fußballer waren, die Werder so groß gemacht haben.

„Wir Handballerinnen haben auch von einigen sportlichen Einrichtungen für die Fußballern profitiert, etwa von deren Fitnessräumen, oder dem gemeinsamen Fototag mit den Profis im Stadion. „Die Fußballer wissen wahrscheinlich gar nicht, dass wir überhaupt existieren“, vermutet die Außenspielerin.

Und sie erinnert sich gern an die Fahrten im großen Werder-Bus. „Die Leute haben uns zugewunken, uns aber nicht gemeint. Wenn der Bus stehenblieb, sind auch alle Menschen in der Nähe stehengeblieben, sie waren gespannt, und dann sind nur wir ausgestiegen. Enttäuschte Gesichter. Manchmal haben einem die Kinder richtig leid getan.“ rsm

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