Interview: Der neue Baunataler Handball-Trainer Markus Berchten vor dem Spiel gegen Spitzenreiter Leipzig

„Die Handbremse ist gelöst“

Was ist noch drin für die Eintracht? Der neue Baunataler Trainer Markus Berchten, hier noch in der Kluft der Bad Wildunger Vipers. Archivfoto:  Kaliske/nh

Baunatal. Der Letzte empfängt den Ersten - ein Spiel, vor dem es eigentlich nicht viel zu sagen gibt, die Rollen sind klar verteilt.

Doch bevor die Zweitliga-Handballer der Baunataler Eintracht am Sonntag um 17 Spiele in der Rundsporthalle gegen den SC Leipzig antreten, gibt es Redebedarf mit Trainer Markus Berchten. Der Schweizer ist als Nachfolger von Ralf Horstmann erstmals verantwortlicher Coach.

 

Herr Berchten, seit Mitte Januar betreuen Sie das Team. Ist es bereit für das Spiel gegen den Spitzenreiter? 

Markus Berchten: Wir sind bereit für die Runde, treten mit neuem Schwung und neuem Elan an. Wir hoffen, dass es für eine gute, couragierte Leistung gegen den Spitzenreiter reicht. Die Jungs versuchen, mit großem Einsatz das umzusetzen, was wir im Training üben.

Was hat der neue Trainer geändert oder neu eingeführt? 

Berchten: Ich habe eine menschlich intakte Truppe übernommen. Christian Schade bleibt Kapitän und bildet mit Gabriel, Paar und Koch weiterhin den Spielerrat. Mein Credo ist, aus einer ganz stabilen 6:0-Deckung schnell den Ball nach vorn zu bringen und mit viel Bewegung über die erste und zweite Welle und energischem Kreuzen den Abschluss zu finden. Da war unser Spiel bisher oft zu statisch.

Wo liegt Ihr Schwerpunkt? Angesichts von nur fünf Punkten aus den ersten 21 Spielen gab es sicher einige Defizite ... 

Berchten: Wir wollen vorn wie hinten besser werden im Zweikampfverhalten, wollen kompakter und viel aggressiver decken. Wir haben an athletischen Defiziten hart gearbeitet, da sind ein paar Jungs noch nicht in der zweiten Liga angekommen. Aber dafür reichen die ersten drei Wochen sicher nicht aus.

Auch im Handball ist vieles Kopfsache. Woher bekommt man nun das Selbstvertrauen? 

Berchten: In kleinen Schritten nur. Mit entschlossenen, vernünftigen Auftritten in den Spielen, mit Herantasten an neue Grenzen und dann mit Punkten und Siegen. Mein Eindruck ist, dass zumindest im Training die Jungs die Handbremse im Kopf gelöst haben.

Aber es geht um nichts mehr. Der Rückzug aus der 2. Liga zum Saisonende ist beschlossen und verkündet. Gibt es also nur noch 17 Freundschaftsspiele?

Berchten: Wir wollen es genießen, zweite Liga zu spielen und das auch mit Spielfreude und Volldampf in jeder Partie zeigen. Für jeden Spieler ist es etwas Besonderes, sportlich so weit gekommen zu sein. Wir können das Salz in der Suppe sein und kein Gegner soll sich leisten können, uns nicht ernst zu nehmen oder ein Freundschaftsspiel zu bestreiten - weder die Titelaspiranten noch die Abstiegskandidaten. Wir wollen es jedem ganz schwer machen und uns und unseren Fans beweisen, dass wir zu Recht in dieser Liga spielen.

Zum Personal: Thorben Buhre ist fort, Felix Geßner fällt wegen eines Fingerbruchs aus. Wer also spielt Linksaußen? 

Berchten: Frederic Drönner ist erst 17, aber er kniet sich voll rein und lernt von Tag zu Tag hinzu. Er wird ins eiskalte Wasser geworfen, aber dieses Greenhorn hat großen Ehrgeiz. Fabian Struif und Marvin Gabriel sind Alternativen.

Zum Gegner: Warum ist Leipzig mit 35:7 Punkten Tabellenführer? Kann die Eintracht den Gegner zumindest ärgern? 

Berchten: Trainer Christian Prokop hat eine talentierte, sehr robuste und zweikampfstarke Mannschaft geformt. Die Jungs machen unheimlich viel Druck. Wir können ihnen nur dann Paroli bieten, wenn wir die gleiche Leidenschaft aufbringen und ihnen mit großem Kampf begegnen.

Von Gerald Schaumburg

 

Zur Person

Markus Berchten (52), Schweizer, war Erstliga-Torwart in Bern, wurde aber mit 24 Trainer nach einem Autounfall mit schwerer Knieverletzung. Er betreute die Erstligisten Bern, Thun und Bascharage (Luxemburg), war Frauen-Nationaltrainer der Schweiz. Von 2008 bis ’13 arbeitete Berchten in Wildungen beim Frauen-Bundesligisten und im Jugendleistungszentrum, 2013 übernahm er die Baunataler Bundesliga-Junioren und 2014 zusätzlich die Frauen der SG Kirchhof. Der verheiratete Vater einer Tochter (29) hat Bankkaufmann gelernt und ist selbstständig tätig in der Banken- und IT-Branche. (sam)

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