3. Liga: Der Trainer im HNA-Interview

Drei Jahrzehnte im Northeimer Handball - Carsten Barnkothe blickt zurück

Vor knapp 20 Jahren: Die Sieger-Pyramide der Northeimer Damenmannschaft mit (vorn von links) Betreuer Thomas Thunrey, Melanie Thielebeule, Daniela Hichert, Karin Ohm, Trainer Carsten Barnkothe, (zweite Reihe), Patricia Trebini, Vicky Helms, Pamela Händler, Carina Hasenjäger, (dritte Reihe) Ulrike Reimann, Sabrina Krüger und Daniela Hichert sowie auf der Spitze Nicole Barnkothe. Archivfoto: Hans-Peter Niesen
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Vor knapp 20 Jahren: Die Sieger-Pyramide der Northeimer Damenmannschaft mit (vorn von links) Betreuer Thomas Thunrey, Melanie Thielebeule, Daniela Hichert, Karin Ohm, Trainer Carsten Barnkothe, (zweite Reihe), Patricia Trebini, Vicky Helms, Pamela Händler, Carina Hasenjäger, (dritte Reihe) Ulrike Reimann, Sabrina Krüger und Daniela Hichert sowie auf der Spitze Nicole Barnkothe.

30 Jahre in einer Firma - das ist kein ganz seltenes Jubiläum. Aber 30 Jahre als Trainer im Leistungssport im gleichen Verein - das ist durchaus außergewöhnlich.

Northeim - Grund genug, mit Carsten Barnkothe, Trainer des Handball-Drittligisten Northeimer HC, über Erfolge, Freuden und Leid als Trainer zu sprechen.

Herr Barnkothe, drei Jahrzehnte Handballtrainer in Northeim: Wie kam es dazu?

Barnkothe: Am 1. Juli 1991 trat die SG Hillerse der HSG Northeim-Hammenstedt bei. Zuvor hatte ich Hillerse trainiert und habe dann die 1. Frauenmannschaft der Spielgemeinschaft übernommen. Das neuformierte Team hatte schnell Erfolg: 1991/92 stiegen wir von der Bezirksliga in die Oberliga auf, in der wir sofort Meister wurden. Es folgten drei spannende Jahre in der damals dritthöchsten Spielklasse, der Regionalliga.

Wie ging es weiter?

Barnkothe: Das Abenteuer konnten wir 2001 noch einmal wiederholen, als sich der MTV Moringen auflöste und wir mit einigen Spielerinnen erneut in der Regionalliga antraten. Das endete leider 2004. Seitdem spielt das Team in der Oberliga. Genau 20 Jahre nach der Fusion mit Hillerse, am 2. Juli 2011, folgte die Gründung des Northeimer HC, was für den Handballsport der Region ein ganz wichtiger Schritt war. Mehr Verantwortung, aber auch mehr Risiko - verbunden mit mehr Entscheidungsgewalt. Nach zehn Jahren NHC kann man feststellen: Ohne diesen Schritt wären wir heute nicht auf diesem sportlichen Niveau.

Was war und ist in dieser langen Laufbahn als Trainer am wichtigsten? Meisterschaften, Aufstiege, Pokale, Siege?

Barnkothe: Eigentlich die Menschen, die ich während der langen Zeit kennenlernen durfte. In der Anfangsphase bei der HSG war das der leider schon verstorbene Hans Schröder, der den Zusammenhalt unter den Vereinen organisierte. Das war in der Anfangszeit nicht einfach. Auch Karl Nolte hat nachher viel bewirkt. Unter Jochen Schlemm trat der Leistungsgedanke stärker in den Vordergrund.

Heute wird unter dem Dach des Northeimer HC gespielt.

Barnkothe: Mit der Gründung des NHC unter Federführung von Knut Freter hat sich der Verein zu einer Marke im südniedersächsischen Handball entwickelt. Dass wir heute zwei Mannschaften in der Frauen-Oberliga und der 3. Liga der Herren haben, geht viel auf ihn zurück. Auch die Identifikation von Kindern und Jugendlichen mit dem Verein ist enorm. Man sieht Mädchen und Jungen in NHC-Shirts zur Schule gehen und Autos mit dem Vereinslogo am Heck. Das war viel Arbeit, auf die wir gemeinsam stolz sein können. Sportlich gesehen freut mich, dass die Mannschaften immer lange zusammen waren. Da fallen mir stellvertretend für viele Spieler André und Kai Kühn ein, die von 2002 an mehr als ein Jahrzehnt das Rückgrat der Oberliga-Mannschaft waren und ohne die wir den Aufstieg 2014 nie geschafft hätten. Das ist schon eine großartige Leistung.

Was waren die sportlichen Höhepunkte?

Barnkothe: Sicherlich die Doppelmeisterschaft 2014, als wir mit den Frauen und den Herren Oberligameister geworden sind. Das war wirklich ein Ausnahmejahr, da hat alles gepasst. Bei den Frauen haben wir auf den Aufstieg verzichtet, denn der Sprung in die 3. Liga ist sehr groß. Bei den Herren haben wir es gewagt - rückblickend ein absolutes Lehrjahr. Auch hier war der Unterschied riesig, doch das Team blieb trotz des postwendenden Abstiegs zusammen. Und wir haben es geschafft: Ohne Niederlage wurden wir 2016/2017 wieder Meister und sind seitdem in der 3. Liga. Wir haben sogar den Sprung in den DHB-Pokal geschafft und tolle Gegner in der Sparkassen-Arena in Göttingen begrüßt. Das war für den gesamten Verein eine riesige Anstrengung, aber auch ein großer Erfolg.

Was für Spiele bleiben besonders in Erinnerung?

Barnkothe: Beispielsweise in der Saison 2017/2018 die Partie gegen den späteren Meister und Aufsteiger Großwallstadt - ebenfalls in der Sparkassen-Arena. Zunächst siegten die Frauen gegen einen starken MTV Tostedt, bevor das Herrenteam die favorisierten Großwallstädter mit sieben Toren Vorsprung geschlagen hat. Vor 1500 Zuschauern war das einfach sensationell. Die Mannschaft hat sich dadurch einen erstklassigen Ruf erarbeitet. Aber auch danach hat sich das Team wacker geschlagen. So war aus sportlicher Sicht die Saison 2018/2019 mit Platz fünf die beste Spielzeit, an die wir natürlich gerne wieder anknüpfen wollen. Zumal ein großer Teil des damaligen Teams weiterhin mit dabei ist. Das zeigt auch, wie gut der Zusammenhalt weiterhin ist.

Sie haben sich auch immer stark im Jugendbereich engagiert.

Barnkothe: Leider fehlt mir da momentan durch die Anforderungen der 3. Liga und der Oberliga schlicht und einfach die Zeit. Aber der NHC ist ein Breitensportverein, der viel Wert auf die Förderung aller Kinder und Jugendlichen legt. Mir war immer die Weiterentwicklung von Kindern wichtig, egal ob sie ein großartiges Handballtalent sind oder ein guter Mannschaftsspieler. Von 1999 bis 2009 habe ich die weibliche Jugend begleitet, in der meine Tochter Sina spielte. Über eine so lange Zeit lernt man auch das ganze Umfeld der Mannschaft kennen. Da steht nicht nur der Leistungsgedanke im Vordergrund. Ein gutes Beispiel ist auch die E-Jugend-Meistermannschaft von 2013. Von den damaligen Spielern wechseln jetzt gerade viele in den Herrenbereich. Und aus den Mannschaften der C- und B-Junioren der vergangenen Jahre werden wir auch noch viele Talente in die Seniorenteams einbinden können. (Axel Janßen)

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