Kirchhof in Abstiegsgefahr

„Ein Skandal“: Aufstiegsrunde zur 2. Handball-Bundesliga der Frauen sorgt für mächtig Ärger

Bild mit Symbolcharakter: Kirchhofs Kreisläuferin Jana Schaffrick (am Ball in einer Szene aus der vergangenen Saison) und die Freiburgerinnen Nadine Czok (l.) sowie Angelika Makelko kämpfen mit ihren Teams um den Klassenerhalt.
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Bild mit Symbolcharakter: Kirchhofs Kreisläuferin Jana Schaffrick (am Ball in einer Szene aus der vergangenen Saison) und die Freiburgerinnen Nadine Czok (l.) sowie Angelika Makelko kämpfen mit ihren Teams um den Klassenerhalt.

Es liegt Ärger in der Luft: Denn es könnte für sechs Handball-Drittligisten so einfach wie nie werden, sich die Qualifikation für die 2. Bundesliga der Frauen zu erspielen.

Schwalm-Eder – Die Kellerkinder des Unterhauses wollen das nicht einfach so hinnehmen. „Das ist ein sportlicher Skandal, dass man sich nach dem Prinzip Wünsch-dir-was für die 2. Liga qualifizieren kann. Wir werden alles tun, um gegen diese Ungerechtigkeit anzukämpfen“, erklärte Raynald Thommen, der Vorsitzende der HSG Freiburg, gegenüber der Badischen Zeitung. In dem Bericht sagte Thommen weiter, „dass wir in unserer Lage mit dem Abstieg leben können.“ Denn die HSG hat als Schlusslicht nach 20 Spielen nur fünf Punkte geholt. Jedoch sieht er keine Grundlage für einen möglichen Aufsteiger.

Doch seit Sonntagabend ist es Gewissheit, dass sechs Drittligisten fristgerecht ihre Teilnahme an der Aufstiegsrunde erklärt haben. Das bestätigt Horst Keppler als stellvertretender Vorsitzender der Spielkommission der 3. Liga auf Anfrage. Gemeldet haben demnach der Frankfurter Handballclub, TV Aldekerk, SC Allensbach, ESV Regensburg, Fortuna Düsseldorf und der MTV Heide aus dem Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Ebenso wie im Vorjahr hatte der heimische Vertreter SV Germania Fritzlar dankend abgelehnt.

Rechtliche Zweifel am Vorgehen des DHB

Der Vorschlag zum Spielplan sollte am Montagabend erarbeitet und dürfte in Kürze verkündet werden. Machbar ist dies durch eine Änderung der Durchführungsbestimmungen, die laut Keppler nach einem Beschluss des Bundesrates wegen der Pandemie möglich ist. Somit könne der Deutschen Handballbund (DHB) wie geplant drei Vereine für die 2. Liga zulassen.

Und an dieser Stelle fühlen sich die Klubs aus der 2. Liga, die der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) angehören, im Stich gelassen. Laut des Berichts der Badischen Zeitung prüfen die Freiburger bereits rechtliche Schritte. Auch Andreas Zschiedrich, der als Präsident des HC Rödertal die Zweitligisten im HBF-Vorstand vertritt, hegt große Zweifel an dem Vorgehen: „Rein rechtlich geht das so aus meiner Sicht nicht. Die dritten Ligen sind abgebrochen, also darf es keine Wertung und schon gar keine Aufsteiger geben“, betont Zschiedrich auf Anfrage.

MTV Heide sucht Glück trotz Niederlage im einzigen Spiel

Denn es sei klar geregelt, dass ausschließlich die fünf Staffel-Sieger sowie bei Verzicht die jeweiligen Zweitplatzierten Anspruch auf eine Aufstiegsrunde hätten. Fakt ist jedoch, dass fünf der sechs gemeldeten Teams lediglich jeweils zwei Spiele absolvieren konnten bis zum Abbruch. Der MTV Heide hatte sogar nur eine Partie – und die verlor er in der Staffel Nord-Ost auch noch mit 33:35 gegen den Frankfurter HC. Weitere Pflichtspiele wird es in dieser Saison nicht geben. Sondern nur einen „Liga-Pokal“. Eine Runde mit Freundschaftsspielen, die jedoch nach Aussage von Horst Keppler „nur eine geringe Resonanz findet“. Auch Fritzlar spielt hier nicht mit.

Kirchhof hat noch alles in eigener Hand

Und Nachbar SG 09 Kirchhof? Der heimische Platzhirsch möchte zumindest sein eigenes Ziel auf der Platte erkämpfen. „Wir wollen und können sportlich beweisen, dass wir in die 2. Bundesliga gehören“, erklärt Kirchhofs Managerin Renate Denk auf Anfrage. Zwar ist die SG 09 am vergangenen Wochenende auf einen Abstiegsplatz abgerutscht, hat aber weiterhin alles in eigener Hand. Dank zweier Nachholspiele und zudem dem Heimspiel im direkten Vergleich mit dem TVB Wuppertal am 8. Mai. Drei Teams muss Kirchhof hinter sich lassen.

„Einen Absteiger muss es immer geben. Aber egal, wenn es trifft, für den ist es hammerhart“, betont Denk mit Blick darauf, dass „alle 30 Erst- und Zweitligisten an ihre Schmerzgrenze gegangen sind, um den Sport während der Pandemie am laufen zu halten.“ Zudem treiben die Managerin grundsätzliche Fragen vor der nächsten Saison um: Wie lange gibt es noch Geisterspiele? Wie verhalten sich die Zuschauer, wenn sie wieder in die Hallen dürfen? Feiern und konsumieren sie wie vorher – oder wird alles weniger? (Sebastian Schmidt)

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