2. Handball-Bundesliga

Famoser Endspurt beschert Kirchhof 27:26-Sieg gegen Solingen

Kirchhofs Kampfgeist wurde belohnt: Mit einem tollen Schlussspurt sicherte sich der heimische Handball-Bundesligist noch einen 27:26-Erfolg gegen Solingen-Gräfrath.

Melsungen - Es gibt nicht wenige Mannschaften, die in einer solchen, fast ausweglos anmutenden Situation ihre Felle hätten wegschwimmen sehen. Nicht so die SG 09 Kirchhof. Trotz eines Zwei-Tore-Rückstandes drei Minuten vor Schluss, als der Gast auf die Siegerstraße einzubiegen drohte. Obwohl sich der heimische Handball-Zweitligist im Laufe der zweiten Halbzeit gegen den HSV Solingen-Gräfrath immer schwerer tat.Als die Not am größten war, trat wie schon einige Male zuvor Diana Sabljak auf den Plan. Die Rückraumspielerin ging dahin, wo es weh tat. Trug zwei der drei Tore zum 26:25 (59.) bei. Und hatte auch auf den folgenden Ausgleich der Westdeutschen (26:26) eine Antwort. Den hatte Mandy Reinarz 14 Sekunden vor Schluss in Überzahl erzielt, nachdem HSV-Trainerin Kerstin Reckenthäler für diesen vermeintlich entscheidenden Angriff ihre Torfrau durch eine Feldspielerin ersetzt hatte. Genau das nutzte Kirchhofs Torjägerin. Mit einem blitzartigen Gegenzug. Mit einem Wurf von der Mittellinie ins leere HSV-Tor zum 27:26 (13:10) fast mit der Schlussirene.

Danach: ausgelassener Jubel auf der einen und fassungslose Enttäuschung auf der anderen Seite. Und die Aufarbeitung der Geschichte eines Geistesblitzes, der dieses Kampfspiel entschied. „Nach dem Ausgleich kurz vor Schluss habe ich gesehen, dass das Solinger Tor noch leer war und wollte unbedingt den Ball haben“, erzählte die Matchwinnerin. Aber auch, dass ihre Torfrau Nela Zuzic, die das runde Leder aus dem Netz holte, dieses eigentlich Kreisläuferin Schaffrick zuspielen wollte. Also sprintete die Kroatin dazwischen, klaute ihrer Mannschaftskollegin den Ball, die wie fast alle Beteiligten ziemlich „baff“ war, dass dieser Sekunden später im Solinger Netz zappelte.

Rauschende Achterbahnfahrt

Es war das rauschende Finale einer Achterbahnfahrt, auf der sich die SG 09, so Trainer Martin Denk, „das Glück erkämpft hatte“. Auf der Fehler im phasenweise wankelmütigen Kirchhofer Angriff durch eine Top-Abwehrleistung ausgebügelt wurden. Auf der Spielmacherin Mariel Beugels dicke Bretter bohrte, trotz mancher Fahrkarte in der eigenen Offensive, die auch den starken Gäste-Torfrauen Natasche Krückemeier und Lisa Fahnenbruck geschuldet waren, nie die Geduld und die Übersicht verlor.

„Wir brauchten einfach sichere Tore“, erklärte die Spielmacherin die eigenen, langen Angriffe häufig am Rande des Zeitspiels. Die sie dreimal selbst mit ihren kunstvollen Würfen aus der Hüfte erfolgreich beendete.

Zum Ende der ersten Hälfte schien das Rezept aufzugehen. Schlegel, Sabljak (2) und Beugels selbst machten mit vier Toren in Folge aus dem 9:9 (24.) ein 13:9 (29.). Ein Vorsprung, den die Mannschaft bis zum 17:14 (38.) halbwegs verwaltete, ehe die Partie zu kippen drohte. Solingen hatte sich immer besser auf die linkslastige Kirchhofer Offensive mit einer angeschlagenen Klara Schlegel (umgeknickt) eingestellt, klare Vorteile in der ersten und zweiten Welle und nach Brandts Ausgleich zum 17:17 (41.) sogar die Führung in der Hand. Doch die vereitelte die frisch eingewechselte Frederikke Siggaard gegen Mandy Reinarz.

Danach war‘s ausgeglichen. Auffällig allerdings: Während sich Kirchhofs „Löwinnen“ jeden Treffer hart erarbeiten mussten, hatte der Aufsteiger von 2018 weniger kraftraubende spielerische Lösung parat. Etwa über Linksaußen Barbara Bongartz, die bei drei Versuchen dreimal einlochte.

Als Vanessa Brandt schließlich mit zwei Treffern zum 23:25 traf, schien das auch die nachhaltigere Methode zu sein. Ehe die SG statt zu verzagen ihr Herz in beide Hände nahm. Und dabei auf eine Füchsin im Löwenrudel bauen konnte.

Kirchhof: Siggaard (40.-54., 3 Paraden, 5 Gegentore), Zuzic (12/21); Özcelik 4, Schaffrick 2, Harder, Hufschmidt 3, Evjen, van der Linden, Koltschenko, Sabljak 12/3, Beugels 3, Kavaliauskaite 2, Schlegel 1, Prauss, Spatz. Solingen: Fahnenbruck (31.-57., 7/9), Krückemeier (10/18); Senel 3, Fabisch 3, Karathanassis, Nanfack, Reinarz 4, Tesche, Bongartz 3, Müller 3, Brandt 10/2. SR: Gimmler/Rips. Siebenmeter: 3/3:2/2. Zeitstrafen: 2:4-Minuten.

Als aus der Kirchhofer Mannschaft eine Spielertraube wurde: So bejubelte der heimische Zweitligist nach einem dramtischen Finale den 27:26-Sieg gegen den HSV V Solingen Gräfrath.

Rubriklistenbild: © Richard Kasiewicz

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