Fünf Tore in 180 Sekunden

36:32 – Eintracht Baunatal dreht Derby gegen Münden in furiosem Schlussspurt

Baunatal. Nichts ist unmöglich - jedenfalls im Handball. Nicht einmal fünf Tore in genau 180 Sekunden. Fünf Treffer nämlich, mit denen die Baunataler Eintracht in einem schier unglaublichen Endspurt das Nachbarschaftsduell gegen die TG Münden herumriss und nach einem 31:32-Rückstand noch als ausgelassen feiernder 36:32 (16:17)-Sieger vom Feld tobte.

„Erste Sahne, feinster Zucker. Solche Siege schmecken besonders süß“, jubelte Felix Geßner, mit acht Treffern bei nur einem Fehlversuch bester Schütze der Großenritter Stehaufmännchen. „Unglaublich, welch eine sensationelle Dramaturgie für die Zuschauer“, befand Trainer Reiner Wagner sichtlich mitgenommen, aber erleichtert.

Auf der anderen Seite war die Enttäuschung der Mündener riesengroß. Im Hinspiel (31:26) noch von der Eintracht gedemütigt, hatten sie nun mit einem Rumpfkader auch noch den frühen Ausfall von Kreisläufer Philipp Jungermann mit einer Platzwunde am linken Auge (15.) weggesteckt, das Spiel nach ganz schwachem Start (10:13/21.) gedreht und nach Dennis Knudsens 32:31 (56:28) alle Trümpfe zur erfolgreichen Revanche in der Hand.

„Aber dann sind wir wieder eingebrochen wie vor einer Woche, haben das erfolgreiche taktische Konzept über den Haufen geschmissen und den Sieg noch weggeworfen“, schimpfte Alex Koke. Der Ex-Melsunger und Ex-Harleshäuser war schon in seinem zweiten Einsatz für die TG Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Mündener und ist zur nächsten Saison als Spielertrainer vorgesehen. Auch Peter Rommel, der dann sportlicher Leiter werden soll, war fassungslos über das bittere Ende seiner Truppe: „58 Minuten spielen wir trotz ganz schwacher Torwartleistungen super, und schenken dann dieses Spiel noch her. Nicht zu fassen“, beschrieb der aktuelle Coach das unglaubliche Geschehen nach Knudsens 32:31.

Zunächst sorgt Marvin Gabriel nach feiner Einzelleistung per Heber für den Ausgleich. 57:00 Minuten sind gespielt. Bei 57:40 hält Eintracht-Torwart Christian Gumula einen Wurf Doktorovychs. Im nächsten Spielzug läuft der Baunataler Linkshänder Mark Potthof von rechts ein und trifft zum 33:32 nach 58:10. Zum siebten Mal in diesem heißen Derby hatte die Führung gewechselt!

Aber noch immer ist alles drin für Münden. Doch ein Patzer Knudsens bringt die Eintracht erneut in Ballbesitz, Felix Geßner erhöht auf 34:32. 65 Sekunden noch! TG-Trainer Rommel bringt anstelle des Torwarts Zwiers einen siebten Feldspieler - ohne Erfolg! Denn erneut ist Gumula, der Ex-Mündener, auf dem Posten, entschärft auch Kokes Wurf und lädt Mitspieler Phil Räbiger ein zum weiten Wurf hinüber ins verwaiste TG-Tor zum 35:32. Das Baunataler Lager tobt, die Mündener sind am Boden zerstört, verlieren noch einmal den Ball und kassieren auch noch das 32:36 durch Christoph Koch, der mit dem 15. Tempogegenstoß der Eintracht den 13. Kontertreffer erzielt. Und Kapitän Florian Ochmann sagt: „Hat Spaß gemacht heute. Zumindest am Anfang und am Ende.“

Zwtl: GSV-Trümpfe von der Bank stechen: Gabriel, Gumula und Potthof

Wir hatten die bessere Physis, denn wir hatten mehr Leute und die besseren Leute auf der Auswechselbank.“ Für Reiner Wagner gab es keine Zweifel, dass neben dem famosen Conny Paar im Kasten, dem effektiv-durchsetzungsfähigen Felix Geßner und dem erneut entschlossen auftrumpfenden Michael Horn seine vermeintlich zweite Garde im Derby die Kohlen aus dem Feuer gerissen hatte.

Marvin Gabriel, der als Ochmann-Alternative stets sofort präsent war und zwei wichtige Treffer zum 30:29 (53.) und zum 32:32 (58.) erzielte.

Der für Paar gekommene Christian Gumula, der in der Schlussphase mit seinen Paraden das Baunataler Tor verrammelte und später strahlend bilanzierte: „Conny und ich, wir waren heute das bessere Gespann im Kasten.“ Eine Tatsache, die Mündens Trainer Peter Rommel in Rage brachte. Hatte Gumula doch bis zum vergangenen Sommer vier Jahre lang für die Mündener die Kiste sauber gehalten. Gerüchte, wonach die TG-Verantwortlichen den Zerberus umgehend zurückholen wollen, blieben zunächst unbestätigt. Gumula selbst indes sagt: „Ich habe bei der Eintracht noch einen Vertrag bis 2013 und fühle mich wohl hier. Aber Kreisläufer Olli Tesch hatte in Münden auch für vier Jahre unterschrieben und ist nun schon wieder fort...“

Und Mark Potthof als Baunataler Trumpf der zweiten Halbzeit. Vier Treffer erzielte der Linkshänder und strahlte danach von einem Ohr zum anderen. „So ein Spiel, so ein Auftritt ist super für die Moral“, sagte der Student „total happy und vor allem unglaublich erleichtert“. Der mehrfach schwer verletzte Pechvogel ist endlich gesundheitlich und spielerisch wieder da, „auch wenn im Kopf die Folgen des Kreuzbandrisses noch immer nicht ganz verarbeitet sind“. Aber mit couragierten, erfolgreichen Auftritten wie diesem sei es nur noch eine Frage der Zeit, „bis ich ganz wieder der Alte bin“. (sam)

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