Von der Risiko- zur Topspielerin

Jana Scheib, die bodenständige Überfliegerin

Jana Scheib (HSG Bad Wildungen) beim Wurf aufs Tor;  links Leonie Moormann, rechts Lea Marmodee (verdeckt) und Lena Feiniler (alle Kurpfalz Bären).
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Das Tor im Blick: Die Bad Wildungerin Jana Scheib (Zweite von links) hat Lea Marmodee (verdeckt) und Lena Feiniler (rechts) von den Kurpfalz Bären versetzt und nur noch Keeperin Leonie Moormann vor sich.

Jana Scheib reiht Treffer an Treffer. „Es ist richtig krass, wie sie sich entwickelt hat“, sagt die Bad Wildunger Trainerin Tessa Bremmer über die 20 Jahre alte Handballerin.

Bad Wildungen - Mit 124 Toren ist die Vipers-Spielerin hinter der Tschechin Marketa Jerabkova (128) die zweitbeste Feldtorschützin der Bundesliga der Frauen und insgesamt die sechstbeste Werferin. Vergangene Woche nahm sie an einem Regionallehrgang des Nationalteams für Perspektivspielerinnen teil.

Nachdem die gebürtige Ludwigsburgerin vorige Saison den Abgang der inzwischen für Neckarsulm spielenden Niederländerin Anouk Nieuwenweg auch wegen ihrer 58 Tore in 17 Spielen schon gut kompensiert hatte, ist Scheib zusammen mit Torfrau Manuela Brütsch nunmehr die Leistungsträgerin bei den Vipers. Beim Elften ist die 1,80 Meter große Schwäbin auch in dieser Saison die einzige Linkshänderin im rechten Rückraum.

„Ich wurde in der letzten Saison ins kalte Wasser geworfen und hatte mehr Verantwortung zu tragen als geplant, was mir aber gut getan hat. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so schnell so gut entwickele und dass es auch in der zweiten Saison hier so gut für mich läuft“, sagt die im Sommer 2019 von Drittligist SG BBM Bietigheim II gekommene Rückraumspielerin.

Bremmer: Sie ist mit sich im Reinen

„Jana sagt zunächst immer, das kann ich nicht, dabei setzt sie neue Sachen dann extrem schnell um“, sagt Bremmer über die Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni Hagen. Die hat ihr Abitur mit der Durchschnittsnote 1,5 abgelegt und beschreibt sich selbst als „Kopfmensch“, während sie Bremmer, „als sehr schlaues und eher ruhiges Mädel“ charakterisiert, „das mit sich im Reinen ist“.

Sie plane schon „sehr viel“, gibt Scheib zu, die 2017 mit der Deutschen U17 Europameisterin wurde, wobei sie beim 23:18 im Finale gegen Norwegen mit sechs Toren die Matchwinnerin war. So geht sie auch bisweilen ihren eigenen Weg. Weil sie nach den Lehrgängen mit dem U20-Nationalteam unter der Woche Probleme mit der Umstellung auf die Ligaspiele am Wochenende hatte, verzichtete sie vergangene Saison auf weitere Einladungen.

Ebenso war für Scheib trotz vieler lukrativerer Angebote schnell klar, dass sie ihren Vertrag bei der HSG bis zum 30. Juni 2023 verlängern würde, wobei sie nur bei einem Abstieg eine Ausstiegsklausel hat. „Bad Wildungen hat mir das Vertrauen geschenkt, obwohl ich eine Risikospielerin war und das wollte ich auch zurückzahlen“, sagt die Halbrechte in Anspielung auf ihre zwei vorderen Kreuzbandrisse im November 2015 (rechts) und im Februar 2018 im linken Knie.

Wegen der schweren Verletzungen macht Scheib nun „vor jedem Training“, so Bremmer, Stabilitätsübungen. „Sie ist extrem fit geworden“, sagt die Trainerin über ihre Wunschspielerin, die „ein extremer Familienmensch“ ist und in Bad Wildungen, nachdem sie eigentlich „im Süden bleiben wollte“, zunächst mit Heimweh zu kämpfen hatte.

Das Nationalteam als Ziel

Bei den Vipers lebt die Überfliegerin, die 2015 mit 14 Jahren als jüngste Spielerin an der U17-EM teilnahm, den Traum ihres Vaters Bernhard. Der schlug einst ein Angebot des damaligen Erstligisten Scharnhausen aus, was er bereute. Auch er, der zwei Jahre für Oßweil in der 2. Liga aktiv war, „die Leute sagen, ich spiele wie er“, so Jana Scheib , sorgte als Linkshänder für Torgefahr aus dem rechten Rückraum und wurde als Rekordtorschütze des TV Oppenweiler viermal bester Werfer der Regionalliga.

„Ich bin ein Papakind“, sagt Scheib, die bereits als Zehnjährige von Oppenweiler nach Bietigheim wechselte, wo sie mit 15 Jahren ihr Drittliga- und mit 17 ihr Erstligadebüt gab und auch schon Champions-League-Luft schnupperte.

Im Juli 2019 zog Scheib nach Bad Wildungen weiter, „weil ich von Maxi Mühlner wusste, dass Tessa junge Spielerinnen sehr gut ausbildet und es bei dem Bietigheimer Starensemble utopisch gewesen wäre, viel Spielzeit zu bekommen.“ Bei den Vipers ist Scheib, die gerne kocht und backt, gesetzt und fühlt sich wohl. Beides ist ihr wichtig, sodass der finanzielle Aspekt für sie „Nebensache“ ist.

Jana Scheib - die Toptorschützin der Bad Wildungen Vipers in Aktion

Jana Scheib, Top-Torschützin der Bad Wildungen Vipers
Jana Scheib, Top-Torschützin der Bad Wildungen Vipers © malafo
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Jana Scheib, Top-Torschützin der Bad Wildungen Vipers
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Jana Scheib, Top-Torschützin der Bad Wildungen Vipers
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Jana Scheib, Top-Torschützin der Bad Wildungen Vipers
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Jana Scheib, Top-Torschützin der Bad Wildungen Vipers
Jana Scheib, Top-Torschützin der Bad Wildungen Vipers © malafo

„Ich bin noch jung, meine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen“, sagt die bodenständige Linkshänderin. „Es gibt wenige Spielerinnen, die in Janas Alter bereits so weit sind“, sagt Bremmer und traut der früheren Mitbewohnerin von Mühlner, sofern sie von Verletzungen verschont bleibt, eine internationale Karriere zu.

„Die A-Nationalmannschaft ist natürlich mein Ziel, aber ich mache mir da keinen Druck. Das ist noch ein langer Weg“, sagt Scheib auch weil die Konkurrenz im rechten Rückraum unter anderem „mit Julia Maidhof, Alicia Stolle und Maren Weigel sehr groß ist“. (jh)

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