Rechtsanwalt Helge-Olaf Käding im Interview

Experte für Handballrecht: Verwundert über Hessens Verband

+
Müssen zurzeit im Schrank bleiben: Handbälle.

In fast allen Landesverbänden wurde der Handball-Spielbetrieb im Zuge der Corona-Krise ausgesetzt. Der Deutsche Handball-Bund (DHB) entschied, dass der Spielbetrieb bis zum 19. April ruhen muss. Allerdings hatte der hessische Verband (HHV) schon am 13. März mitgeteilt, dass die Saison sofort beendet ist und der aktuelle Tabellenstand Aufschluss über Auf- und Abstieg gibt. Daraus ergaben sich viele Fragen für die betroffenen Vereine. Wir haben mit dem Mindener Rechtsanwalt Helge-Olaf Käding gesprochen, einem Experten für Handballrecht.

Herr Käding, was haben Sie gedacht, als der Hessische Handball-Verband am 13. März die Saison für beendet erklärt hat?

Ich habe es erst mal nur zur Kenntnis genommen. In dieser Zeit herrschte insgesamt eine große Unsicherheit.

Und mit etwas Abstand?

Bin ich verwundert darüber, dass der hessische Verband so vorgeprescht ist. Einerseits, die Saison so früh für beendet zu erklären und andererseits wegen der angekündigten Wertung zum Stichtag 13. März 2020.

Wie sieht Ihre Interpretation aus?

Für mich ergeben sich daraus drei Fragen. Erstens, wo ist die rechtliche Grundlage für einen Abbruch zu einem solch frühen Zeitpunkt? Denn es könnte noch genügend Möglichkeiten geben, Spiele auszutragen. Es steht auch nirgendwo geschrieben, dass eine Saison am 30. Juni zu Ende sein muss.

Und zweitens?

Warum erfolgt eine Wertung zum 13. März 2020? Im Paragraf 52 der DHB-Spielordnung heißt es, dass Auf- und Absteiger nach sportlichen Gesichtspunkten bestimmt werden müssen, wenn diese nicht termingerecht ermittelt werden können. Meiner Meinung nach ist eine zum Stichtag 13. März 2020 naturgemäß verzerrte Tabelle als Wertungsgrundlage kein sportlicher Gesichtspunkt.

Drittens?

Helge-Olaf Käding

Warum stellt sich der HHV gegen die Beschlusslage des DHB inklusive aller anderen 21 Landesverbände? DHB und Männer-Bundesliga haben den Spielbetrieb ausgesetzt. Zudem wurde eine Kommission gebildet, die in aller Ruhe Vorschläge zur Wertung machen soll, falls die Saison überall abgebrochen werden müsste. Der HHV setzt sich aus meiner Sicht nun unnötig eines Risikos von Rechtsstreitigkeiten aus. Vielleicht lohnt auch der Blick auf die Fußballer, bei denen viele Juristen in die Thematik involviert sind. Und solange der Fußball nichts entscheidet, muss der Handball nicht zwingend auf Glatteis vorpreschen.

Kann der hessische Verband seine Entscheidung noch revidieren?

Grundsätzlich ja. Darin sehe ich kein Problem. Eine Korrektur ist auf jeden Fall möglich, selbst wenn für einige Mannschaften jetzt schon Vertrauensschutz gegeben sein könnte. Einige Teams vertrauen nun beispielsweise darauf, jetzt aufgestiegen zu sein. Wir dürfen ja auch eines nicht vergessen: Eine vergleichbare Situation hat es noch nie gegeben – das ist absolutes Neuland. Das Wichtigste zur Vermeidung von Streit ist, alle Beteiligten mitzunehmen, viel und offen zu kommunizieren und nicht per Order Mufti von oben herab zu entscheiden.

Wie viele Vereine haben sich bei Ihnen in den letzten Wochen gemeldet?

Das Interesse ist riesengroß. Allein aus Hessen habe ich mehr als ein Dutzend Anfragen erhalten. Die Klubs wollen wissen, wie die Rechtslage ist und sich gegebenenfalls auch wehren.

Wie realistisch ist es, dass Amateurvereine im Juli spielen müssen?

Niemand möchte im Juli spielen. Es steht aber eben auch nirgendwo, dass es grundsätzlich nicht geht. Die Verbände sollen darum bemüht sein, die gerechteste Lösung zu finden. Das könnten im Einzelfall auch Entscheidungsspiele Ende Juni oder Juli sein.

Zur Person

Helge-Olaf Käding (49) ist Rechtsanwalt in Minden und Experte für Handballrecht. Zudem hat er den Vorsitz im Sportgericht des Thüringer Handballverbandes. Im Jahr 2015 war er Rechtsbeistand des Bundesligisten MT Melsungen, als dieser im DHB-Pokal ein Wiederholungsspiel im DHB-Pokal gegen die Rhein-Neckar Löwen erreichte. Früher war er als Pressesprecher beim TuS N-Lübbecke tätig. Käding ist in festen Händen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.