Rainer Osmann führt ein neues Leben im Frankenland

Den Platz an der Bank hat Rainer Osmann geräumt: Wegen gesundheitlicher Probleme musste sich der frühere Bundestrainer der Frauen vom Leistungssport verabschieden. Foto: Walger

Lauf/Eisenach. Als Körper und Seele streikten, musste sich das Eisenacher Handball-Idol Rainer Osmann aus dem Leistungssport zurückziehen

Es ist still geworden um Rainer Osmann. Der frühere Handball-Bundestrainer der Frauen ist aus den Schlagzeilen verschwunden - und aus der hessisch-thüringischen Grenzregion. Seit etwas mehr als einem Jahr hat das Eisenacher Sport-Idol in der fränki-schen Kleinstadt Lauf vor den Toren Nürnbergs eine neue Heimat gefunden.

„Die Gegend bietet uns ein angenehmes Lebensgefühl. Viel Natur und Kultur, dazu die Nähe zur Familie unserer Tochter“, sagt der 65-Jährige. Dennoch: Der Handball lässt „Osse“, wie ihn seine Freunde nennen, auch im angehenden Rentenalter nicht los. „Dieser Sport hat mich ein Leben lang in seinen Bann gezogen“, sagt Rainer Osmann. Heute begleitet er Trainingscamps in Österreich oder referiert über das Thema Motivation.

Tief enttäuscht 

Der Rückzug aus dem großen Sport war gesundheitlich bedingt und hängt auch mit seinem Job als Bundestrainer zusammen. Sein Einstand mit Platz sieben bei der Frauen-WM 2009 in China mit einem jungen Team hatte noch über den Erwartungen gelegen. Die Europameisterschaft 2011 in Norwegen geriet mit Platz 13 aber zu einer großen Enttäuschung für den Verband und vor allem für Rainer Osmann selbst. Körper und Seele streikten.

„Ich war ausgebrannt, hatte Herzrasen, schlaflose Nächte, fand keine Ruhe mehr“, erzählt er. Die vielen Jahre mit zwölf- bis 14-stündigen Arbeitstagen forderten ihren Tribut. Im Eisenacher Klinikum fand er Hilfe. „Dr. Joachim Schümmelfeder hat mich kardiologisch und psychologisch mit sehr viel Zuwendung therapiert, sodass ich mich schrittweise aus der Krankheit befreien konnte. Wichtig war, dass ich mich an seine Anordnung hielt und vom Leistungssport verabschiedet habe.“

Dabei hatte ihn der Handball geprägt - und er den Handball. In Thüringen war er schon zu DDR-Zeiten eine Institution. 15 Jahre spielte er bei der BSG Motor Eisenach, war Kapitän und Co-Trainer. Als die Grenze fiel, zog es ihn bald nach Hessen. Bei der SG Heringen-Obersuhl (SHO) heuerte er im Januar 1990 mit 39 Jahren als Spielertrainer an, führte das Team in die Oberliga und machte sich zeitgleich in Eisenach mit einem Versicherungsbüro selbstständig.

„Trotz vielem Neuen, trotz großem Stess - es war eine wunderbare Zeit in Obersuhl und Heringen. Ich habe viele Freunde gewonnen, habe viel gelernt. Ohne die Zeit bei der SHO wäre ich nie so weit gekommen in meiner Karriere“, sagt Rainer Osmann heute.

Im November 1992 gab er dem Drängen des damaligen Zweitligisten ThSV Eisenach nach, das Traineramt zu übernehmen. Es folgten acht erfolgreiche und schöne Jahre. 1997 schaffte er mit dem ThSV nach der Traumserie von 53:1 Punkten den Aufstieg in die 1. Bundesliga.

Petkovic spielte Schicksal 

Doch auch in Eisenach ist Ruhm vergänglich: Ausgerechnet sein heutiger Freund und aktueller ThSV-Trainer Velimir Petkovic spielte drei Jahre später Schicksal, besiegte mit der HSG Wetzlar den ThSV in dessen Halle - Rainer Osmann räumte seinen Stuhl. Nach einer kurzen Station bei der HG Erlangen folgten im August 2001 für ihn nahezu sieben Jahre als Männer-Nationaltrainer in Österreich.

Jetzt genießt Rainer Osmann das Leben. Seinen 65. Geburtstag feierte er kürzlich im Familienkreis mit Frau Gudrun, Tochter Grit, Schwester, Schwiegersohn, den drei Enkelkindern und den Schwiegereltern in einem Biergarten in Lauf an der Pegnitz. Aber ganz aus dem Blick hat er auch Eisenach nicht verloren. Regelmäßig besucht er dort noch seine Freunde.

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