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Kirchhof trotzt Favoriten nach famoser Abwehrleistung Remis ab

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Von: Ralf Ohm

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Die tragische Heldin: Greta Kavaliauskaite warf acht Tore für die SG 09 Kirchhof und ermöglichte mit einem Schrittfehler den Mainzer Ausgleich.
Die tragische Heldin: Greta Kavaliauskaite warf acht Tore für die SG 09 Kirchhof und ermöglichte mit einem Schrittfehler den Mainzer Ausgleich. © Richard Kasiewicz

Drei Sekunden fehlten Kirchhof im ersten Aufstiegsspiel zur 2. Liga zum ersten Sieg. Mit einer famosen Abwehrleistung brachte die SG 09 immerhin die favorisierte SG Mainz-Bretzenheim ins Wanken, musste sich aber schließlich mit einem 22:22 zufrieden geben.

Melsungen - Sie kämpften, die Handballerinnen der SG 09 Kirchhof. Sie rackerten. Sie gaben alles. Sie steckten im ersten Spiel der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga gegen die breit aufgestellte SG Mainz-Bretzenheim sogar den Ausfall von vier Leistungsträgern weg. Und trotzten dem Favoriten mit ihrem Mini-Kader ein mehr als beachtliches 22:22 (10:11) ab.

Allerdings: Freude über den Kraftakt kam im Lager der Gastgeber erst mit Verspätung auf. „Ein bisschen Frust ist schon dabei, doch danach können wir stolz auf unsere Leistung sein“, fasste Spielmacherin Koltschenko den Gefühlshaushalt ihrer Mannschaft nach dem Schlusspfiff zusammen. Der Frust rührte vom Gäste-Ausgleich drei Sekunden vor Schluss her, als Isa Gräbling den Denk-Schützlingen den möglichen Sieg entriss. Besonders ärgerlich, weil kurz zuvor Greta Kavaliauskaite dem Gegner diese Möglichkeit erst durch einen Schrittfehler (59:48) eröffnet hatte.

Kavaliauskaite tragische Heldin

Und damit zur tragischen Heldin avancierte, die erst mal gar nichts sagen wollte. Die 28-jährige Litauerin, die als einzige Kirchhoferin den Dreh gegen das Mainzer Abwehrbollwerk mit der vorgezogenen Gräbling raus hatte und ihre Mannschaft so im Spiel hielt. In der Anfangsphase, als die Rückraumspielern in der zweiten Welle förmlich explodierte und mit drei Treffern zu einer 6:4-Führung nach 12 Minuten beitrug. Und unmittelbar nach der Pause, als die Gäste beim 10:13 (32.) davon zu ziehen drohten.

In der Abwehr war sie im Mittelblock neben Deborah Spatz Teil eines bärenstarken Kollektivs. „Aggressiv, schnell auf den Beinen und taktisch unheimlich diszipliniert“, schwärmte SG-Coach Denk von seiner Toreverhinderungsabteilung, die mit ihren offensiven Halben erst Spielmacherin Katharina Mack und dann dem gesamten Mainzer Rückraum den Zahn zog.

„Sie hat nie ihre Rolle gefunden“, kritisierte die Mainzer Trainerin Ildiko Barna ihre Regisseurin und brachte schon nach 18 Minuten Josefine Schneiders. Auch danach wechselte die Ungarin auf der Suche nach dem gewohnten Spielfluss fleißig durch. Ohne Erfolg, was unter anderem daran lag, dass Torfrau Aleksandra Orowicz („Wir wussten, was zu tun ist“) einen Sahnetag erwischt hatte.

Genau deshalb ging nach 36 Minuten in der Stadtsporthalle die Angst um. Denn nach einem Ausflug ins Feld bei dem (erfolgreichen) Versuch, einen gegnerischen Tempogegenstoß abzufangen, was nach Ansicht der Schiedsrichter nicht ganz körperlos vonstatten ging, hatte die 25-Jährige die Rote Karte gesehen.

Die befürchtete Vorentscheidung, zumal Katharina Mack den fälligen Siebenmeter zum 12:14 (36.) verwandelte? Mitnichten. Kirchhof zeigte eine starke Reaktion. Besonders Orowicz-Nachfolgerin Sophia Ritter, die sofort „voll“ da war und den Gästen einige freie Würfe wegnahm. Und vorn tauten Deborah Spatz und Katharina Koltschenko auf. Ihr Treffer zum 21:18 (53.) machte aus der Stadtsporthalle einen Hexenkessel und nährte die Hoffnung auf eine Überraschung.

Es wäre die Krönung eines atemberaubenden Kraftaktes gewesen. Die fiel aus, was Christian Denk indes nicht verdross: „Wir sind mit diesem Remis im Aufstiegsrennen. Nun geht es bei Null weiter.“ Schon am kommenden Samstag gegen Rödertal. Unter ähnlichen Vorzeichen.

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