Handball

Kirchhof und Fritzlar gegen Abschaffung der 3. Liga

Wer erinnert sich noch an den letzten Erfolg der Deutschen Frauen-Handball-Nationalmannschaft bei einem internationalen Turnier? Ist lange her. Bei der Weltmeisterschaft 2007 in Frankreich war es Nadine Krause, die in der Schlussminute erst einen Siebenmeter an den Pfosten setzte und dann per Nachwurf zum 36:35-Sieg im „kleinen Finale“ der WM gegen Rumänien traf - und damit den DHB-Frauen die Bronzemedaille sicherte.

Schwalm-Eder - Seitdem wartet die Nationalmannschaft auf einen Medaillengewinn. Die Misere des Deutschen Frauenhandballs ruft nun den Deutschen Handball Bund (DHB) auf den Plan, der bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris und insbesondere bei der Heim-WM 2025 endlich Erfolge feiern will.

Die Schlagworte klingen zunächst einmal vielversprechend. Erfolgreicher, wirtschaftlicher und lukrativer soll der Frauenhandball nach den Vorstellungen des Verbands werden. Um diese Ziele zu erreichen, hat die AG Frauenhandball des DHB ein Strategiepapier erarbeitet, das eine grundlegende Reform des Ligabetriebs vorschlägt. Der Arbeitsgruppe gehörten unter anderem der HBF-Vorsitzende Andreas Thiel, der DHB-Vizepräsident Hans Artschwager und die ehemalige Nationalspielerin Anna Loerper an.

Die Umstrukturierung des Spielbetriebs soll in der Saison 2022/23 beginnen und bis zur Spielzeit 2025/26 abgeschlossen sein. Die Folge: Reduzierung der Handball-Bundesliga-Frauen (HBF) auf 12 Teams, Wegfall der 3. Liga, der wiederum zur Entstehung einer zweigleisigen 2. Bundesliga führen soll. Jeder Staffel würden 14 Mannschaften angehören, wobei zukünftig auch Reserve-Mannschaften teilnahmeberechtigt sind.

Damit einher geht eine Reduzierung der Oberligen von 12 auf 10 Staffeln. Hier sollen in einer Aufstiegsrunde die vier Aufsteiger ermittelt werden, die dann direkt in der 2. Bundesliga an den Start gehen.

Die Reformpläne des DHB stoßen bundesweit auf Widerstand. Auch bei den heimischen Drittligisten. „Wir sind absolut dagegen und finden die Maßnahmen hoch problematisch“, sagt Kirchhofs Managerin Renate Denk. Sportlich wie wirtschaftlich sei der Sprung zwischen 2. Liga und Oberliga viel zu groß. Gerade bei einem Abstieg in die weniger attraktive Oberliga sei die Sponsorenakquise schwierig. „Die Maßnahmen stärken nur die Spitzenteams“, kritisiert Denk deshalb.

Das sieht auch Fritzlars Sportlicher Leiter Steffen Schmude so. Er vermisst insbesondere „die Wertschätzung für die kleinen Vereine, die über Jahre in der 3. Liga gute Arbeit geleistet haben.“ Derartige Bedenken spielen für Axel Kromer aber nur eine untergeordnete Rolle: „Natürlich berührt die Veränderung des Ligen-Systems die Breite, aber wir müssen fundamental handeln, um für den Frauenhandball erfolgreich zu sein“, erwidert der DHB-Vorstand Sport in einer Pressemitteilung des Verbands.

Von der Oberliga in die 2. Liga

Für Fritzlar und Kirchhof hat die Neustrukturierung des Ligabetriebs neben Fragen der wirtschaftlichen und sportlichen Ausrichtung noch einen weiteren Nachteil. Denn die zweiten Mannschaften der beiden Vereine spielen in der Oberliga und stellen einen eminent wichtigen Unterbau für die Drittliga-Teams dar. Im Falle der Ligareform würden diese Teams in die Landesliga zurückgestuft - und damit entscheidend an Attraktivität verlieren.

So weit ist es allerdings noch nicht. Das Konzept soll zunächst in den 3. Ligen vorgestellt werden, gegebenenfalls sind Regionalkonferenzen abzuhalten. Die Entscheidung über das Strategiepapier muss schlussendlich der DHB-Bundestag fällen, der am 3. Oktober in Düsseldorf zusammenkommt.

Renate Denk, SG-Leiterin

Rubriklistenbild: © Richard Kasiewicz

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