Ein Aufreger, dieses 24:24 zwischen der TG Rotenburg und dem Eschweger TSV

Geschenke gab es nicht in diesem packenden Derby: Hier versucht Rotenburgs Tomislav Balic den Eschweger Uwe Findeisen (rechts) auszubremsen, der in den Neunzigern auch schon mal das TGR-Trikot getragen hatte. Foto: Walger

Rotenburg. In der Handball-Landesliga trotzten Findeisen, Pavel und Co. der favorisierten TGR gerechtermaßen einen Punkt ab

Das war ein besonderes Handballspiel, das sich die Landesligisten TG Rotenburg und Eschweger TSV am Samstagabend lieferten. Es endete 24:24 (10:10). Den einen Punkt hatte sich der als Außenseiter angereiste, abstiegsgefährdete ETSV verdient. Und diesen einen Zähler feierten die Gäste auch, während bei der TGR Unzufriedenheit und Diskussionsbedarf vorherrschte - nicht zuletzt über die Unparteiischen.

TGR-Keeper Tomas Pankiewicz, wegen einer Verletzung zum Zuschauen verurteilt, war im Kabinengang kaum zu beruhigen. In einigen Szenen war er absolut uneins mit den Spielleitern gewesen. So auch, als diese in der 54. Minute die dritte Zeitstrafe gegen den torgefährlichen Eschweger Linksaußen Niklas Vaupel aussprachen. Der wollte sich schon die Jacke anziehen, wunderte sich dann aber, dass er keine Rote Karte sah. Der Grund: Es war vergessen worden, Vaupels zweite Zwei-Minuten-Strafe aus der 46. Minute zu notieren.

Auch TGR-Trainer Robert Nolte war ziemlich erbost über die Spielleiter. Sein Vorwurf: Sie hätten die falschen Prioritäten gesetzt und zu sehr auf Formalien geachtet. „Gute Schiedsrichter sieht man nicht...“, stellte er fest und verkniff sich weitere Worte. Dass seine TGR den angestrebten Sieg nicht landen konnte, wollte Robert Nolte allerdings nicht an dem kritisierten Duo festmachen.

Das hatte auch tatsächlich andere Ursachen. Die wichtigste: Dem Rotenburger Angriffsspiel hat man das Fehlen seiner beiden verletzten Regisseure Martin Denk und Moritz Gerlach deutlich angemerkt. Vieles blieb - gerade im ersten Durchgang - Stückwerk. „Wir haben zu oft parallel gespielt statt in die Tiefe“, ärgerte sich Nolte.

Und zu oft durch die Mitte. Denn die machten zwei Eschweger Routiniers dicht: Liviu Pavel und Uwe Findeisen. Die beiden ETSV-Coaches waren eigentlich gar nicht dafür vorgesehen, selbst auf dem Parkett zu stehen. Doch der Ausfall von gleich fünf erkrankten Akteuren hätte sie dazu gezwungen, sagten sie. „Wir waren sehr diszipliniert im Angriff“, lobte Liviu Pavel. Und, wenn nötig, schnell zurück in der Deckung. Deshalb konnten die Gastgeber diesmal auch ihr gefürchtetes Tempospiel zu selten durchbringen. „Das ist unter den gegebenen Voraussetzungen für uns ein richtig geiler Punkt“, freute sich Uwe Findeisen, „auch wenn es fast zwei geworden wären.“

Da wird ihm keiner widersprechen. Sein Team hatte zu Beginn der zweiten Hälfte nicht nur mehrfach mit drei Toren geführt. Es hatte 27 Sekunden vor Schluss auch die große Chance, mit 25:24 in Führung zu gehen. Doch Uwe Findeisen, dem sichtbar die Kräfte schwanden, scheiterte mit seinem Siebenmeter an Torwart Jan Schuster.

Das TGR-Trainerduo Nolte/Mäusgeier hatte den Keeper nach 41 Minuten eingewechselt und damit ein glückliches Händchen bewiesen. Denn der Joker Schuster stach nicht nur in dieser letzten Minute. Ihm hatte es die TGR, die bei doppelter Überzahl in der 56. Minute schon 24:22 vorne gelegen hatte, letztlich zu verdanken, nach einem wirklich aufregenden Handballspiel nicht als Verlierer aus der Halle gehen zu müssen.

TG Rotenburg: Schmidt, Schuster - Eimer, Einhorn (7/5), Köhler (2), Debus, T. Balic (3), Golkowski (4), B. Balic (5), Ebenhoch (1), D. Holl, J.-O. Holl (2)

Eschweger TSV: Brici, Bachmann - Spannhübel (2), Vlad (1), Meyer (1), Wuthardt (5), Haaß (2), Findeisen (4), Stephan (2), Vaupel (6), Pavel (1)

Schiedsrichter: Kantelberg/Hocke (HSG Werra WHO)

Zuschauer: 250

Von Thomas Walger

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