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Leben ohne ihr „Wohnzimmer“: Verzicht auf Ense-Halle fällt den Vipers auch finanziell schwer

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Geld wirft auch in der Handball-Bundesliga der Frauen Tore: Die Wildunger Vipers müssen schon jetzt schauen, woher sie die finanziellen Mittel für die Liga-Reform nehmen sollen, die ab der Saison 2024/25 umgesetzt werden sollen.
Geld wirft auch in der Handball-Bundesliga der Frauen Tore: Die Wildunger Vipers müssen schon jetzt schauen, woher sie die finanziellen Mittel für die Liga-Reform nehmen sollen, die ab der Saison 2024/25 umgesetzt werden sollen. © Foto: malafo/Montage: WLZ

Von einer Sporthalle in eine andere umziehen. Na und! Kein Problem, Halle ist Halle! Das sehen die Verantwortlichen der HSG Bad Wildungen Vipers aber ganz anders.

Bad Wildungen – Denn seit sie aus der Ense-Halle wegen deren Renovierung ausziehen und ihren Spielort in die Schulsporthalle nach Bergheim verlegen mussten, fehlt ihnen in der Kasse etwa ein unterer sechsstelliger Betrag. „Dort sind nicht nur rund 500 Zuschauerplätze weniger, was pro Spieltag im Ticketverkauf 6000 Euro ausmacht, sondern es fehlt uns auch der Catering-Bereich“, sagt HSG-Sprecher Simon Hallenberger.

Bei einem Heimspiel in „der Ense“ werden Events veranstaltet, dazu zählten auch 120 Essen, die von einem Sternekoch kreiert worden seien. „Diese Events oder Präsentationen etwa von Sponsoren bringen für uns pro Spieltag vierstellige, manchmal sogar fünfstellige Beträge ein“, erzählt Geschäftsführer Uwe Gimpel. Hallenberger fügt hinzu: „Wir hoffen, dass uns alle Partner erhalten bleiben, derzeit steigt in diesen Krisenzeiten vermutlich auch keiner neu ein.“

Der Handball-Bundesligist aus der Badestadt wäre gern zum ersten Spieltag in sein „Wohn- und Esszimmer“ zurückgekehrt, aber die Renovierungsarbeiten in der Halle haben sich verzögert, auch wegen der Folgen der Pandemie und des Kriegs in der Ukraine. „Wir gehen nun davon aus, dass wir ab dem kommenden Jahr wieder in der Ense-Halle spielen können“, sagt Gimpel.

Umzug zu einem ungünstigen Zeitpunkt

Dieser Umzug mit all seinen finanziellen Einbußen trifft die Vipers zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn der Deutsche Handball-Bund hat eine Reform der Frauen-Bundesliga auf den Weg gebracht, die erstmals in der Saison 2024/25 greifen soll. Dann wird die Liga von 14 auf 12 f Teams reduziert und die Playoff-Spiele werden wieder eingeführt. Zudem müssen alle Vereine dann ein Mindestbudget von 500  000 Euro pro Saison vorweisen.

Von dieser Zahl sind die Vipers derzeit noch 150 000 Euro entfernt. „Mehr als die Hälfte aller Bundesligavereine hat einen Haushalt, der bereits über diesen 500 000 Euro liegt“, schätzt Hallenberger. Daher müssen sich vor allem die kleineren und finanzschwächeren Vereine bereits jetzt mit diesem Thema befassen. „Wir haben mit 350 000 Euro das kleinste Budget aller Erstligavereine“, sagt Hallenberger.

Dennoch ist ihm und auch Gimpel nicht bange davor, diese Forderungen des DHB und der Liga-Vereinigung auch erfüllen zu können. „Diese Vorgaben werden uns nicht dazu zwingen, die Bundesliga zu verlassen“, betont der Geschäftsführer. Doch auch die sportlichen Hürden werden mit dieser Reform für die HSG höher gelegt. Wer in der deutschen Top 12 bleiben will, muss auch mehr Top-Spielerinnen für sich auflaufen lassen. Der Kader wird teurer.

Gespräche mit Wirtschaft und Politik

„Durch den nicht selbst verschuldeten Verdienstausfall wegen des Hallenwechsels führen wir schon seit längerem Gespräche mit Politik und Wirtschaft, wie wir gemeinsam durch diese Krise kommen, wir hoffen auf eine stärkere finanzielle Unterstützung und mehr Engagement“, betont Hallenberger.

Die HSG stoße dabei auf Verständnis. „Wir rechnen mit einer Lösung, die aus einem Mix an Möglichkeiten besteht und nicht aus einer Summe X.“ Natürlich wissen die Vipers-Verantwortlichen auch, dass sie gerade einen schlechten Zeitpunkt erwischt haben, um neue Partner finden oder Geldquellen zu erschließen. „Erst die Pandemie und nun die Liefer- und Energieprobleme, all das mindert natürlich die Leistungsfähigkeit von Sponsoren“, erklärt Gimpel.

Doch das Vipers-Führungsduo geht diese Aufgabe trotzdem mit viel Optimismus an. Als einziger Bundesligist im Landkreis – sportartübergreifend – würden sich die beiden über ein größeres Umfeld freuen, das bei diesem Handball-Projekt mitzieht. „Wir sehen bei unserer Vermarktung noch viel mehr regionale Möglichkeiten, die noch nicht genutzt werden, etwa mehr Anreize zu schaffen, den heimatlichen Sport zu unterstützen“, sagt Hallenberger. Gimpel denkt da etwa an Sponsoren aus dem Nordkreis, etwa aus Bad Arolsen oder Rhoden. „Diese Reichweite haben wir bisher noch nicht geschafft.“

Viele Spielerinnen sitzen mit Berater am Tisch

Wenn die Reform in zwei Jahren greift, könnte es für die Vipers auch teurer werden, Spielerinnen zu bekommen. Das sieht Hallenberger auch so, aber er sagt auch, dass es schon jetzt eine große Herausforderung sei, neue Spielerinnen zu finden.

„Dafür braucht es ein gutes Netzwerk, viele Kontakte und natürlich das richtige Auge um das Talent zu erkennen, denn meisten holen wir junge Talente.“ Der Markt sei viel stärker umkämpft als noch vor einigen Jahren und viele Spielerinnen säßen bereits mit einem Berater am Verhandlungstisch. „Selbst wenn man sich in der zweiten Liga umschaut.“

Die Vipers können Neulinge nicht mit viel Geld locken. „Unsere Überzeugungskraft liegt hauptsächlich im sportlichen Bereich, denn viele andere Vereine haben nicht nur bessere finanzielle Möglichkeiten, sondern sie sind auch vom Standort her im Vorteil“, sagt Hallenberger und zieht dann aber noch einen Trumpf aus der Tasche.

„Unser Pluspunkt bei den sportlichen Perspektiven ist unsere Trainerin Tessa Bremmer, denn sie kann junge Talente überragend zu etablierten Bundesligaspielerinnen entwickeln.“ Das habe sich mittlerweile auch in der Liga herumgesprochen

Zudem biete der Verein seinen Spielerinnen viele individuelle Trainingsmöglichkeiten an und versuche ihnen auch beruflichen Perspektiven zu bieten. Das Argument der Vipers bei der Spielerinnensuche lautet daher: Geld ist nicht alles! rsm

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