Handball: Ernst-August Pippert spricht im HNA-Interview über seine gebeutelte TGL

Der letzte Biss fehlt noch

Ist im Moment nicht zu beneiden: Ernst-August Pippert, der mit den Handballern seiner TGL gegen den Abstieg kämpfen muss. Foto: Walger

Lispenhausen. Die Bezirksliga A-Handballer der TG Lispenhausen machen eine schwere Zeit durch. Vor dem Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Homberger HC morgen um 16 Uhr spricht Ernst-August Pippert, Trainer und Stellvertretender Abteilungsleiter in Personalunion, offen über die Situation und die Perspektiven der TGL.

Herr Pippert, Ihre Mannschaft hat sich in Ostheim zuletzt mal wieder wie ein Absteiger präsentiert. Macht Ihnen Ihr Trainerjob zurzeit überhaupt noch Freude? Ernst-August Pippert: Ja, auch wenn es anstrengender ist, als ich dachte. Wenn ich einen Job übernehme, dann ziehe ich den auch durch. Es war mir klar, dass ich in dieser Saison durch den Verlust der fast kompletten Bezirksoberliga-Mannschaft mit einer verstärkten Zweiten arbeiten muss und dies nicht einfach werden wird. Ich hoffe inständig, dass es bald auch wieder bergauf geht.

Dabei sind Sie aber von einer Mannschaft abhängig, die schon unter ihren Amtsvorgängern teilweise den Eindruck gemacht hat, untrainierbar zu sein. Pippert: Untrainierbar ist die Mannschaft nicht. Die Anweisungen des Trainers wollen die Spieler im Training schon umsetzen. Doch im Spiel wird dann einfach zu statisch agiert. Es fehlt auch die letzte Bereitschaft, mal über die eigenen 100 Prozent hinauszugehen. Ich bin schon etwas enttäuscht von den Spielern, dass mein Engagement, auch noch meine letzte Freizeit für den Handball herzugeben, nicht so richtig honoriert wird. Hätte ich das vor der Saison nicht übernommen, hätte irgendjemand den Spielertrainer gemimt, und es wären womöglich noch einige Spieler abgewandert.

Trotz fünf Punkten Vorsprung haben Sie in letzter Zeit auch schon von Abstieg gesprochen. Wie realistisch ist dieses Szenario? Pippert: Das habe ich gesagt, ja. Ich hoffe, dass sich jeder Spieler endlich über unsere Situation klar ist. Ohne Fleiß kein Preis. Die Abstiegsgefahr ist dann akut, wenn sich die Mannschaft nicht steigert.

Mit Fleiß sprechen Sie natürlich in erster Linie die Trainingsbeteiligung an. Warum trainieren einige Leute nur so selten? Pippert: Natürlich haben wir zwei, drei Schichtarbeiter. Dass die nur alle drei oder vier Wochen ins Training kommen können, ist klar. Andere erkennen aber den Ernst der Lage nicht und verstehen nicht, was es heißt, in einer Mannschaft zu spielen. Mit meiner Zusage gehe ich auch Pflichten ein und muss dann auch zu meinem Wort stehen.

Haben Sie deshalb vielleicht sogar Angst vor dem Restprogramm? Pippert: Angst sicherlich nicht. Doch wir wissen auch, dass wir uns auf drei, vier Spiele konzentrieren müssen, um dem Abstieg zu entgehen. So ein Spiel wie jetzt gegen Homberg ist lediglich dazu da, um uns selber wieder zu beweisen, dass wir es besser können als in den letzten Spielen.

Die Frauen der TGL sind schon abgemeldet, die Männer dümpeln derzeit auf Platz zehn vor sich hin. Macht Ihnen das Sorgen? Pippert: Gerade bei den Männern haben wir ja eigentlich genug Leute. Was fehlt, wären mal zwei, drei etwas bessere Spieler, die auch regelmäßig trainieren. Insgesamt geht die Tendenz zukünftig Richtung Zusammenarbeit mit benachbarten Vereinen. Das kann eine Spielgemeinschaft sein, muss aber nicht. Speziell im Kinderbereich bis zur D-Jugend ist bei uns sehr viel los, aber die Lücke bis zu den Senioren ist natürlich riesig. Allein ist der Lispenhäuser Handball in der jetzigen Form kaum aufrechtzuerhalten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des TGL-Handballs? Pippert: Ich wünsche mir, dass sich im Verwaltungs- und im Jugendbereich noch einige zusätzliche Mitarbeiter finden. Mit einer Handvoll aktiv arbeitender Leuten kann eine Abteilung nicht geführt werden. Hier sind vor allem alle ehemals aktiven Handballer und Handballerinnen angesprochen, mit anzupacken.

Von Andreas Köhler

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