Der 20-Jährige ist zum 1. Juli aus Magdeburg zum Aufsteiger gewechselt

Handball-Torwart Lukas Diedrich aus Lindau spielt künftig für den Erstligisten TUSEM Essen

Handball-Torwart Lukas Diedrich kniet auf dem Hallenboden, ballt die Fäuste und schreit vor Freude.
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Aus Lindau über Magdeburg in die 1. Bundesliga: Für Lukas Diedrich erfüllt sich mit dem Schritt nach Essen ein Traum.

Lindau – Wenn man sich mit Lukas Diedrich unterhält, wird eines schnell klar: Der junge Mann weiß, was er will, verfolgt einen Plan und hat ein Ziel. Er will Handballprofi werden, das Nationaltrikot tragen und in der Bundesliga spielen. Der letzte Teil des persönlichen „Triple-Traumes“ ist jetzt wahr geworden. Wenn auch in diesem Fall ausnahmsweise eher zufällig, zumindest was den Zeitpunkt angeht.

Seit dem 1. Juli steht der ehemalige Rhumetaler für zwei Jahre unter Vertrag beim Bundesliga-Aufsteiger TUSEM Essen. „Als ich im Februar unterschrieben habe, bin ich noch davon ausgegangen, dass ich in der neuen Saison in der 2. Liga spiele. Umso schöner, dass es mit dem Aufstieg noch geklappt hat“, erzählt Diedrich, der sich natürlich riesig auf die neue Herausforderung freut. Statt vor 250 oder 300 Zuschauern zu spielen, darf er künftig in eine dann womöglich wieder mit über 10 000 Fans besetzte Kieler Sparkassen-Arena einlaufen und flimmert jede Woche via TV in die heimischen Wohnzimmer.

„Davon will ich mich aber nicht beeindrucken lassen. Ich sehe das vor allem aus der sportlichen Perspektive. Von Liga 3 in die Bundesliga ist natürlich ein ungeheurer Sprung. Da werfen eben nicht zwei, drei Spieler mit 120 km/h, sondern alle. Alle Spieler sind schnell, athletisch und technisch stark. Das ist ein ganz anderes Niveau.“

Das schreckt den selbstbewussten Nachwuchskeeper nicht, wohl wissend, „dass man als Aufsteiger beim THW auch 40 Gegentore bekommen kann. Ich sehe es aber eher als Möglichkeit, im Wettstreit mit den besten Handballern der Welt zu wachsen. Die Vorfreude ist groß. Ich bin gespannt, wie es wird.“

Entgegen kommt ihm, dass er in den zurückliegenden fünf Jahren in Magdeburg durch regelmäßiges Torwarttraining mit der 1. Mannschaft bereits so etwas wie Bundesligaluft schnuppern durfte. Im Punktspiel bei den Berliner Füchsen saß er auch schon auf der Bank. „Ohne diese Einheiten könnte vielleicht Nervosität oder Anspannung aufkommen. Aber Erfahrungen wie das gemeinsame Training mit der Bundesligamannschaft helfen mir, alles ein bisschen besser einschätzen zu können.“

2017 erhielt Lukas Diedrich in Magdeburg seinen ersten Vertrag. Dieser lief nun aus. „Mein Ziel war es, nach dem Abitur höherklassig zu spielen. Diesen Wunsch habe ich im alljährlichen Gespräch mit den Verantwortlichen des Vereins auch geäußert. Der SCM war meine erste Anlaufstelle. Das gebührt der sportliche Anstand“, sagt Diedrich. Der Klub zeigte Verständnis, er habe das Zeug dazu und könne auch ein weiteres Jahr bleiben. Ohne sein Zutun oder Initiative des Spielerberaters gab es dann Anfragen anderer Vereine.

Anfang des Jahres kam es in Essen zu einem ersten Gespräch mit dem neuen TUSEM-Trainer Jamal Naji, zuvor Bayer Dormagen. Auch hier hatte der Youngster klare Vorstellungen. „Ganz wichtig war mir ein eigener Torwarttrainer.“ Den gab es bisher in Essen nicht, jetzt schon. Nachdem der Verein zusagte, sich um eine Wohnung zu kümmern, war der Vertrag unterschriftsreif. Lukas Diedrich, der sich schon bisher als Hochleistungssportler sah, bezeichnet sich nun endgültig als Profi. Ein Nebenjob ist bei der Belastung von täglich zwei Trainingseinheiten auch unrealistisch. „Handball bestimmt mein Leben. Bisher war es vielleicht nur ein Hobby. Jetzt ist es zu meinem Beruf geworden. Ein verdammt tolles Gefühl.“

Mit diesem stellt er sich nun der Aufgabe zwischen den Pfosten eines Bundesligisten, setzt sich dabei aber nicht unter Druck. Er sei 20 Jahre, das erste Jahr Profi und komme aus der 3. Liga. Da erwarte niemand Wunderdinge. „Auch wenn es mir bestimmt schwer fallen wird, probiere ich, die ganze Sache mit einer gewissen Gelassenheit anzugehen. Ich möchte Handball spielen, kämpfen, mein Bestes geben. Vielleicht muss man auch ein bisschen frech sein.“ Das ist ihm zuzutrauen, wenn man ihn erlebt hat. Ehrgeiz, Wille, Fleiß, die Bereitschaft, mehr zu machen und Dinge zu opfern - das ist Lukas Diedrich.

„Ich bin zufrieden, mit allem, was bisher passiert ist, stand und stehe immer dahinter. Hoffentlich kann ich das in zwei Jahren auch über Essen sagen. Veränderungen gehören zum Leben und ich habe einfach Bock drauf. Den perfekten Zeitpunkt gibt es eh nicht.“ Jetzt ist erstmal der perfekte Zeitpunkt für den Wechsel von der Elbe an die Ruhr.

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