5 Faktoren bestimmen den Endspurt des Jahres

Mehr Mut ist bei der SG 09 Kirchhof gefragt

Sie gibt ihr letztes Hemd: Jana Schaffrick ragt in dieser Saison in puncto Einsatz bei der SG 09 Kirchhof heraus. An der Kreisläuferin kann sich das Team in den kommenden Spielen aufrichten.
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Sie gibt ihr letztes Hemd: Jana Schaffrick ragt in dieser Saison in puncto Einsatz bei der SG 09 Kirchhof heraus. An der Kreisläuferin kann sich das Team in den kommenden Spielen aufrichten.

Der Trend spricht gegen die Handballerinnen der SG 09 Kirchhof. Nach den Siegen gegen den aktuellen Tabellenvorletzten HC Rödertal und bei Schlusslicht SV Werder Bremen setzte es fünf (teils deutliche) Niederlagen in der 2. Bundesliga.

Kirchhof – Dem Liga-Zehnten bieten sich am Sonntag in Leipzig und gegen den VfL Waiblingen (21. November) noch zwei Möglichkeiten, wertvolle Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln. Dann geht es nach der Pause wegen der EM in Dänemark und Norwegen (4. bis 21. Dezember) bei der HSG Freiburg am 2. Januar gegen einen direkten Konkurrenten weiter. Auf fünf Faktoren kommt es für Kirchhof im Endspurt des Jahres an.

Faktor Zweikampf

Eine aggressive Abwehr nebst leidenschaftlicher Körpersprache gehört zur Handball-DNA von Coach Gernot Weiss. Mit nur 67 Gegentreffern in den ersten drei Spielen nach dessen Rückkehr (nach zuvor 92 in den drei Partien vor ihm) brillierten die Löwinnen im Frühjahr defensiv. Da kreierte Weiss den Begriff der Handtuch-Deckung. Entwickelte einen erfolgreichen Verbund, der wie ein Handtuch keinen Ball durchlässt. Doch in dieser Runde wurden die Löcher darin größer.

„Diese Taktik und das Ziel, immer unter 25 Toren bleiben zu wollen, fliegen uns jetzt von den Gegnern um die Ohren“, ärgert sich Weiss über zu viele verlorene Zweikämpfe. Insbesondere der Innenblock mit Diana Sabljak und Greta Kavaliauskaite, die nach einer Knie-OP bis Jahresende pausieren muss, funktioniert nicht mehr. 208 Gegentreffer sind der zweitschlechteste Wert in der Liga. Jetzt bieten sich neben Sabljak Kreisläuferin Jana Schaffrick, die sich mit Abstand am meisten gegen die Niederlagen stemmte, Klara Schlegel sowie Deborah Spatz und Katharina Koltschenko aus dem Juniorteam an, um die Abwehr zu stabilisieren.

Faktor Jugend

Ohne Kavaliauskaite sind nur Linksaußen Zerin Özcelik (24) und Kapitänin Sabljak (28) bei den Feldspielerinnen älter als 23. Macht viel jugendliche Unbekümmertheit, um sich ohne Angst und Stress aus dem Umfeld beweisen zu können. „Negativen Druck spüre ich keinen. Auch die anderen Mädels sollten das nicht tun“, betont Spatz wohlwissend um ihre Chance. Denn Corona bedingt dürfen die Akteurinnen aus dem Oberliga-Kader bis zu acht Mal (deutlich mehr als sonst) in der 2. Liga mitmischen, ohne sich festzuspielen. Selbst das wäre für den Coach kein Problem: „Sie haben jetzt die Chance, für immer hier oben zu bleiben“, betont Weiss.

Faktor Gegenstoß

Er war die Entdeckung der Vorbereitung. Ein Hoffnungsträger für die Runde. Der Gegenstoß, den die SG 09 beim Heinrich-Horn-Gedächtnisturnier gegen erstklassige Gegner effektvoll einsetzte. Doch nach etwas mehr als der Hälfte der Hinrunde erstickt das Tempospiel im Keim. Keine Harpunen, also postwendende Pässe nach Paraden von Torfrau Nela Zuzic. Keine blitzgescheiten Pässe über die schnelle Mitte von Sabljak. Kein Mut, obwohl neben Schaffrick als potenzielle Vollstreckerin mit Hannah Kamp, Katharina Hufschmidt und Özcelik drei pfeilschnelle Außen anspielbereit auf den Flügeln lauern.

Faktor Führung

Bei den einzigen Siegen führten Sabjak (beim 32:28 gegen Rödertal) und Schlegel (beim 33:30 in Bremen) die Löwinnen mit jeweils 13 Treffern zum Erfolg. Herausragende Leistungen der Führungsspielerinnen im Angriff? Seitdem Fehlanzeige. „Klara ist mit ihrer Wurfgewalt und Dynamik eine Waffe. Aber sie und Diana müssen durchziehen, dürfen sich nicht verstecken“, sagt Weiss. Und hofft zudem auf eine weitere Steigerung von Spielmacherin Mariel Beugels, deren ansatzlose Handgelenk-Würfe noch zu selten kommen.

Faktor Mut

Über allem steht in Kirchhof das Schlagwort Mut. Mut, die variablen Außen besser einzusetzen. Mut, das Spiel breiter zu machen und geduldig zu sein. Mut, gerade beim konsequenten Abschluss in Überzahl, wo das Team nicht clever und überhastet agiert. „Wir müssen wieder mehr Handball arbeiten und dahin gehen, wo es wehtut. Zumindest noch ein Sieg in diesem Jahr wäre ganz wichtig für uns“, weiß der erfahrene Coach.

Von Sebastian Schmidt

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