1. Startseite
  2. Sport
  3. Handball regional

Nur lachende Gesichter: Bad Wildungen und Bensheim liefern sich beim 29:29 spannendes Hessenderby

Erstellt:

Kommentare

Hände hoch und ich schieße: Die Bensheimerin Myrthe Schönaker versucht das Wildunger Trio mit (v.l.) Jana Scheib, Verena Osswald und Jolina Huhnstock zu umgehen. Vorn schauen (v.l.) Agwunedu Ndidi, Elisa Stuttfeld und Lisa Friedberger zu.
Hände hoch und ich schieße: Die Bensheimerin Myrthe Schönaker versucht das Wildunger Trio mit (v.l.) Jana Scheib, Verena Osswald und Jolina Huhnstock zu umgehen. Vorn schauen (v.l.) Agwunedu Ndidi, Elisa Stuttfeld, Lisa Friedberger und Anika Hampel zu. © malafo

Denn sie wissen wieder was sie tun. Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis, die die Wildunger Handballerinnen aus der Bundesligapartie gegen die HSG Bensheim/Auerbach mitnehmen.

Bergheim – Dabei haben sie dieses Spiel noch nicht einmal gewonnen, ja sie hätten es sogar um ein Haar verloren. Es wäre so bitter für die Mannschaft von Tessa Bremmer geworden, wenn die Bensheimerin Neele Mara Orth in der Schlusssekunde den Ball bei ihren Heber ins Tor und nicht auf die Latte gesetzt hätte. So blieb es beim 29:29 (15:15) im spannenden Hessen-Derby. Allerdings war ein Sieg für die Vipers auch greifbar nah.

Kurz nach dem Abpfiff und einem tiefen Atemzug sah man nur in lachende und erleichterte Gesichter auf beiden Seiten. Weder Spielerinnen noch Trainerinnen und ihr Betreuerstab ärgerten sich über verpasste zwei Punkte, sondern alle waren froh, dass sie zumindest einen bekommen haben.

Beide Trainerinnen mit dem Remis zufrieden

„Das Unentschieden ist gerecht“, sagte Bremmer, „allerdings hatte ich in der zweiten Halbzeit schon ein gutes Gefühl, dass wir gewinnen können, aber dann haben die Schiedsrichter es uns in den Schlussminuten mit zwei Zwei-Minuten-Strafen, die ich eher nicht nachvollziehen konnte, in Unterzahl sehr schwer gemacht.“ Die Vipers-Trainerin will gar nicht dran denken, wenn ihr Team dieses Spiel verloren hätte. „Das wäre für uns, mental der komplette Zusammenbruch gewesen.“

Trainerkollegin Heike Ahlgrimm biss sich auch nicht an der letzten Szene fest, sondern freute sich ebenfalls über das Unentschieden, weil ihre Mannschaft fast die ganz Zeit hinterhergelaufen sei. „Wir lagen zweimal mit drei Toren hinten und ich bin stolz auf meine Mannschaft, dass sie immer wieder zurückgekommen und nicht zerbrochen ist wie es schon öfter mal der Fall war.“

Die Vipers lagen in diesem Derby nur einmal mit zwei Toren hinten, 0:2 stand es nach 180 Sekunden und es brauchte neun Minuten für die erste Führung, die Thea Oby-Olsen von Rechtsaußen erzielte. Die Norwegerin sorgte vier Minuten später auch für die erste Zwei-Tore-Führung.

Spätestens jetzt konnten die Wildunger Spielerinnen schon etwas aufatmen, denn nun war klar, dass sie keine schädlichen Neigungen von der Klatsche gegen Dortmund mit in dieses Begegnung genommen haben. Sie standen in der Defensive wieder recht gut, Torfrau Manuela Brütsch half kräftig mit beim Ball abwehren und auch in der Offensive waren die Vipers bis auf einige Ausnahmen wieder recht ballsicher und schwer auszurechnen, den sie strahlten im Rückraum, von den Außen über Maksi Pallas und Oby-Olsen und vor allem über den Kreis mit einer wieder sehr beweglichen und durchsetzungsfähigen Annika Ingenpaß (sechs Würfe, sechs Treffer) Torgefahr aus. Bremmer zog ihre beiden Kreisläuferinnen diesmal in ein permanentes Wechselspiel, im Angriff kam Ingenpass zum Zug, in der Abwehr stand Jolina Huhnstock ihre Frau und beide verdienten sich das Gut-gemacht-Lob ihrer Trainerin.

Vipers fehlt es an Kaltschnäuzigkeit

Einziger Kritikpunkt: Den Vipers fehlte einmal mehr die Kaltschnäuzigkeit in den entscheidenden Momenten. Teilweise gaben sie den Ball schon sehr leichtfertig in Situationen her, in denen sie sich auf vier Tore hätten absetzen können. Es waren insgesamt ein paar leichte Fehler zu viel im Wildunger Spiel, die ihnen vermutlich den Sieg gekostet haben.

Diese Fehlerquote sei normal bei einer so jungen Mannschaft, nimmt Bremmer ihre Spielerinnen in solchen Situationen stets in Schutz. Aber nicht zum ersten Mal in der laufenden Saison war es ein Freiwurf in den letzten Spielsekunden, bei dem der Ball über die hohen Arme der Mauer, vorbei an Brütsch doch den Weg ins Tor fand. Es war der 15:15 Halbzeitstand. Nach dem Wechsel das gleiche Bild. Wildungen hielt meist die Führung und Bensheim lief dieser stets hinterher. Das kostet Nerven, die die Südhessinnen aber recht gut im Griff hatten. Immer wenn sie mit drei Toren hinten lagen, spielten sie ihre beste Defensive. Aber sobald ihnen der Ausgleich gelang, stieg auch ihre Fehlerquote wieder an.

Und so ging es in eine Schlussphase, bei der der ein oder andere Zuschauer vor Aufregung lieber die Hallenwand anschaute statt den Blick aufs Spielfeld zu richten. Nach dem vierten Treffer von Oby-Olson zum 26:24 waren noch acht Minuten zu spielen, den Gegenzug wehrt Brütsch ab, doch die Vipers verpassen danach nicht nur das 27:24, sondern verlieren auch noch Ingenpaß durch eine Zweiminutenstrafe. Bensheim gleicht wieder aus.

Schlussphase nichts für schwache Nerven

Dann warf Verena Oßwald vier Minuten vor dem Ende das 27:26 und im Gegenzug wurde Anika Hampel nach einem Abwehrversuch für zwei Minuten vom Feld gestellt. Danach zeigte Jana Scheib ihre Klasse und hielt ihr Team durch zwei Treffer (58./59.) im Spiel, aber Bensheim ließ sich nicht mehr abschütteln.

Dennoch standen die Zeichen für die Vipers auf Sieg, denn sie hatten Ballbesitz in der Schlussminute, kein Zuschauer saß mehr, die Trommeln beider Fangruppen klangen lauter denn je, doch dann gleitet der Ball den Vipers ohne Torwurf aus den Händen. Bensheim hatte nun 15 Sekunden Zeit, die zweiten Führung im gesamten Spiel zu erzielen und damit den Sieg einzufahren.

Doch irgendwie schien es so als ob Neele Mara Orth auch ein Herz für die Vipers hatte. Als ihr Heber in der Schlusssekunde auf der Latte landet, kam vermutlich bei vielen sofort der Gedanke auf: Dieses Spiel hat auch keinen Verlierer verdient. Und es gibt den Vipers verloren gegangenes Selbstvertrauen. Jana Scheib formulierte es so: „Dieser Punkt kann wieder ein Wendepunkt für uns sein, denn er zeigt uns allen, ja, wir können es noch.“ (rsm)

Auch interessant

Kommentare