Der Mann mit der Harpune 

Nordhessenduell: Lauterbach avanciert als „Quarterback“ zum Matchwinner

Cornelius Feuring

Vellmar. Irgendwann nach dem Schlusspfiff des Oberliga-Derbys machte der Vergleich die Runde. „Wir haben einen Quarterback im Tor“, sagte Mario Schumacher, Co-Trainer der ESG Gensungen/Felsberg.

Was ist das? Der Spieler im American Football, der den ersten Ball aufnimmt und einen langen, punktgenauen Pass nach vorne spielt. Also ein Spielmacher und „Kopf“ der Offensive. Genau mit diesen Attributen durfte sich Schumachers Schützling Marc Lauterbach schmücken. Denn dank seinen Harpunen hatte der Edertaler Schlussmann neun erfolgreiche Tempogegenstöße eingeleitet und war somit nicht unerheblich am 31:27-Erfolg seiner Mannschaft beim TSV Vellmar beteiligt.

Selbst sein Trainer staunte. „Seine Gegenstoßpässe haben eine unheimliche Qualität“, stellte Arnd Kauffeld beinahe ehrfürchtig fest. In der Tat. Wo andere Torhüter nach einem kassierten Treffer noch hadern oder sich für eine gelungene Parade feiern lassen, hat sich Marc Lauterbach das runde Leder beinahe reflexartig wieder gegriffen, um es über die vorgerückten gegnerischen Spieler Richtung gegnerisches Tor zu schleudern. So zeitlich abgestimmt, dass seine Abnehmer, von der Mittellinie aus startend, den Ball zwischen der Neun- und Sechsmeterlinie mit einer Hand fangen und fast mit der gleichen Bewegung versenken können. Das sah klasse aus, hatte bisweilen Zirkuscharakter. Etwa als sein Rechtsaußen Jan-Hendrik Walther per Rückhand mit dem Rücken zum Tor zum 8:10 traf (20.).

Und war, so Mario Schuhmacher, „ein spielentscheidender Faktor.“ Was natürlich auch den „Quarterback“ freute: „So konnte ich der Mannschaft am besten helfen.“ Mit seiner Spezialität, die er sich in jungen Jahren von seinem Vorgänger Michael Stahl abgeguckt hat und seitdem fast bei jedem Training übt.

Da verblasste seine eigentliche Kernaufgabe, das Toreverhindern, die der 26-jährige eher unscheinbar verrichtete. Und sich darüber ärgerte, dass ihm einige Bälle von Ex-Mannschaftskamerad Kevin Trogisch durch die Hosenträger gerutscht waren.

In puncto Paraden stand Marc Lauterbach sogar im Schatten seines Vellmarer Kollegen Christian Gumula. Der stellte lange Zeit das größte Hindernis für Gensungens vierten Sieg im siebten Oberligavergleich mit dem Nachbarn dar. Und brachte mit seinen 21 abgewehrten Bällen den ESG-Coach auf die Palme: „Wir haben ihn regelrecht warm geworfen.“ Und trotzdem die Nerven nicht verloren, sodass das lange Zeit ausgeglichene Spiel nicht zugunsten der Gastgeber kippte. „Wir haben aus seinen Paraden zu wenig Kapital geschlagen“, bekannte TSV-Trainer Andreas Paul, was aber auch an der sich immer mehr steigernden Gäste-Abwehr lag.

Einer der wenigen Gensunger Angreifer, der den Vellmarer Schlussmann „drauf“ hatten, war Rückraumspieler Cornelius Feuring. „Irgendwie habe ich es hingekriegt“, freute sich der Linkshänder über seine vier Treffer in der ersten Hälfte. „Irgendwie“ bedeutete, gegen den Routinier so lange wie möglich den Wurf zu verzögern, um dann flach einzulochen.

Für den Gensunger Neuzugang war‘s der erste Derbysieg: mit Gensungen und überhaupt. Denn mit seinem letzten Klub, MT Melsungen II, war der Rückraumspieler in solchen Nachbarduellen komplett leer ausgegangen. „Ein schönes Gefühl“, strahlte der 21-Jährige mit seinen Mannschaftskameraden um die Wette. Etwas im Schatten seines „Quarterbacks“, des neuen, heimlichen Spielmachers im Gensunger Tor.

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