Oberliga-Derby: Gensungen macht bei MT II 9:14-Rückstand wett und gewinnt 29:28

Per Notlösung zum Sieg

Hatte seine stärksten Szenen vor der Pause: Rückraumspieler Merlin Kothe (MT), der hier Gensungens Christoph Koch (l.) versetzt.

Melsungen. Wenn ein Spiel auf des Messers Schneide steht. Wenn die Spannung kaum mehr zu toppen ist. Wenn der von derlei Dramatik elektrisierte Zuschauer eine Entscheidung herbeisehnt, die das umkämpfte Treiben auf dem Feld nicht hergibt. Ja dann lohnt bisweilen ein Blick auf die Tribüne, wo die Fans ein feines Gespür dafür haben, wohin die Waage kippt.

Als Max Pregler nach 56 Minuten mit seinem zwölften Tor zum 28:26 für die Gäste traf und Torwart Wicke Sekunden später einen Ball von Rechtsaußen Petersen abwehrte, erhoben sich die Anhänger der ESG Gensungen/Felsberg in der proppenvollen Melsunger Stadtsporthalle, skandierten im Takt der Trommel des Sachsen ihr „Gensungen“, während es auf der Seite der MT Melsungen doch merklich ruhiger geworden war. Dem Umschwung bei der imposanten Kulisse folgte mit dem 26:29 durch Linksaußen Bauer (58:15) die Vorentscheidung, denn Mark Petersen und Petr Hruby konnten in den letzten Sekunden des Derbys nur noch auf 28:29 verkürzen, so dass sich die Bundesliga-Reserve dem Nachbarn auch im zweiten Duell der laufenden Oberliga-Saison geschlagen geben musste.

„Das ist richtig bitter“, gestand ein tief frustrierter Petr Hruby. Gerade der Kreisläufer hatte in den letzten zehn Minuten richtig aufgedreht, einen Siebenmeter herausgeholt, einen Tempogegenstoß vollendet, aus der Nahwurfzone getroffen – vergeblich, die Gäste waren nicht mehr von der Siegerstraße zu verdrängen.

Wonach es nach 24 Minuten nicht aussah, denn da führten die Bartenwetzer mit 14:9. Schienen mit ihrer sicheren 6:0-Deckung sowie einem agilen Rückraum die Partie im Griff zu haben. Doch dann ging auch für die bis dahin recht emotionslosen Edertaler das Derby so richtig los. Ausgelöst durch ein (rotwürdiges?) Foul Alexander Bärthels am durchgebrochenen Hannes Bauer, was „nur“ eine Zeitstrafe zur Folge hatte, quittiert mit wütendem Protest im ESG-Lager. Für die Gensunger eine Art Weckruf, „denn danach“, so Spielmacher Benedikt Hütt, „haben wir endlich den Kampf angenommen.“ Dergestalt, dass nach einem 5:0-Lauf kurz vor der Pause der Rückstand wettgemacht war, auch begünstigt durch zwei weiteren Zeitstrafen für Hruby und Petersen.

Ein Patt, der bis tief in die zweite Hälfte Bestand hatte. Dann zeigte die Gensunger 5:1-Deckung ihre Wirkung. Für Trainer Arnd Kauffeld „eigentlich eine Notlösung“, nachdem Max Pregler zwischenzeitlich behandelt werden musste und somit im Doppelblock der 6:0-Abwehr ausfiel. „Das war der Schlüssel zum Sieg“, erklärte der vorgezogene Marvin Gabriel, der das gebundene Spiel des Gegners effektvoll unterband.

Mit der Folge, „dass wir im Angriff völlig den Faden verloren haben“, wie MT-Coach Georgi Sviridenko bekannte. Demgegenüber spielte die ESG ihre Angriffe – mittlerweile wieder mit dem überragenden Pregler - geduldig aus. Ein kleiner, aber feiner und spielentscheidender Unterschied, den die Edertaler Fans als erste wahrnahmen und auf ihre Art verarbeiteten.

Vln Ralf Ohm

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