Oberliga-Bilanz

Otto sowie Rohde traten ins Rampenlicht und Rossel startete bei Gensungen durch

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Nutzte seine Chance: Christian Rohde, der sich als Spielmacher empfahl.

Gensungen. Nein, so richtig spannend war die abgelaufene Saison in der Handball-Oberliga nicht. Zumindest was den (frühzeitig entschiedenen) Aufstiegs- und Abstiegskampf angeht. Trotzdem hatte die Spielzeit 2017/2018 aus heimischer Sicht ihren Reiz.

Nicht nur weil die ESG Gensungen/Felsberg als Fünfter die beste Oberliga-Platzierung seit dem Drittliga-Abstieg 2013 feierte. Einige Auffälligkeiten:

Klare Verhältnisse

Ganz oben und ganz unten ging‘s ziemlich eindeutig zu. Während für Aufsteiger Hünfeld, der 25 der 26 Saisonspiele verlor, die Oberliga offensichtlich eine Nummer zu groß war und auch Vellmar frühzeitig für die Landesliga planen musste, war das Schicksal der TSG Münster, dem dritten Absteiger, bis zum letzten Spieltag offen. Den Schützlingen von Jens Illner wurde eine Negativserie von elf Spielen ohne Sieg (2:20-Punkte) zum Verhängnis. Da half auch das späte Aufbegehren - zwei Siege an den letzten beiden Spieltagen - nicht mehr.

Vorne zog die HSG Dutenhofen/Münchholzhausen II beinahe einsam ihre Kreise. Für Johannes Wohlrab keine Überraschung. „Die junge Mannschaft ist nach dem zweiten Platz der letzten Saison reifer geworden und hat den nächsten Schritt gemacht“, bewertet der Trainer der HSG Kleenheim, der im nächsten Jahr Co-Trainer von Emir Kurtagic beim Bundesligisten TV Hüttenberg (sowie Trainer der U 23 des TVH) wird, den Triumph der Bundesliga-Reserve. Zeitweise konnte sein Team, dem als Zweiter die beste Oberliga-Platzierung unter seiner Ägide (fünf Jahre) gelang, durchaus mithalten, wurde aber auf der Zielgeraden distanziert.

Superlative

Für die sorgte fast ausschließlich der Meister. Der kassierte während der gesamten Serie nur eine Niederlage (in Pohlheim), bestach mit der mit Abstand besten Abwehr (nur 594 Gegentore in 26 Spielen) sowie einem Torverhältnis von plus 163 (Kleenheim plus 82). Das Kontrastprogramm lieferte Hünfeld. Die Osthessen gewann nach dem dritten Spieltag keine einzige Partie mehr und kassierten 845 Gegentore (macht ein Torverhältnis von minus 202).

Gensunger Akzente

Zumindest Akzente setzte die ESG Gensungen/Felsberg. Nach dem achten (2013/2014 und 2014/2015) und dem sechsten (2015/2016 und (2016/2017) sprang diesmal im fünften Oberliga-Jahr hintereinander der fünfte Rang heraus. Mit 31 Punkten - so viel wie noch nie in Hessens höchster Spielklasse. Und doch war Trainer Arnd Kauffeld nicht ganz zufrieden: „Eine Mannschaft mehr hätte ich gern noch hinter uns gelassen.“

Das verhinderte das Verletzungspech, denn die Edertaler mussten über Wochen auf sechs Stammspieler verzichten. Genau das relativiert die Diskrepanz zwischen der Hinrunde (17:9-Punkte) und der Rückrunde (14:12). Personell gerupft waren auf einmal Spieler aus der zweiten Reihe gefragt. Die stellten sich der Verantwortung und traten unverhofft ins Rampenlicht - für den ESG-Coach ein wertvoller Fingerzeig für die nächste Saison. Denn er weiß nun, dass er sich auf Spieler wie Jan Hendrik Otto oder Christian Rohde verlassen kann.

Durchstarter Rossel

Einer startete richtig durch: Franco Rossel, der im dritten Jahr bei der ESG zum „Fixpunkt“ (Kauffeld) der Mannschaft aufstieg. „Er ist zielstrebiger geworden, agiert mit einem größeren Selbstverständnis, hat seine Wurftechnik verbessert und kann auch seine Nebenleute in Szene setzen“, lobt der Edertaler Coach seinen Schützling und sieht in ihm gar die „Zukunft des Vereins“. Der Rückraumspieler selbst bleibt auf dem Teppich und lässt Zahlen sprechen: Mit 115 Feldtoren ist er Gensungens gefährlichster Schütze.

Spieler der Saison

Trotzdem. „Spieler der Saison“ ist für Arnd Kauffeld zum zweiten Mal hintereinander Lukas Gümbel, der Spielmacher von Meister Dutenhofen/Münchholzhausen: „Ein kompletter Handballer, der immer die richtigen Entscheidungen trifft.“ Dazu auch noch abwehrstark und torgefährlich (93 Treffer) ist. Gensungens Trainer muss es wissen, schließlich hat seine Mannschaft gegen die Mittelhessen zweimal verloren und dabei den Mann mit dem dynamischen Wackler nicht in den Griff gekriegt. Vize-Meister Kleenheim hatte dagegen (erstmals) zweimal das Nachsehen gegen die Edertaler.

Schmerzliche Abschiede

Eine starke Saison spielte auch das ESG-Flügelduo Hannes Bauer und Jan-Hendrik Walther, die zusammen 166 Tore erzielten, über 100 davon mit ihrer Spezialdisziplin, dem Tempogegenstoß. Und die nun der ESG nicht mehr zur Verfügung stehen. Gleichwertiger Ersatz ist (noch) nicht in Sicht. Mit der Verpflichtung von Jannis Kothe sowie der Rückkehr von Tim Schneider und (mit Verspätung) Cornelius Feuring könnte das Spiel der ESG daher zukünftig Rückraum lastiger werden.

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