Interview mit dem neuen MT-II-Trainer Georgi Sviridenko über Medizinbälle, Emotionen und das Derby

Neuer Trainer der MT Melsungen II hat große Pläne

Stellte sich bei seiner neuen Mannschaft vor: Georgi Sviridenko will mit der MT Melsungen II den Klassenverbleib in der Oberliga packen. Foto: Kasiewicz

Melsungen. Die Haare sind länger geworden bei Georgi Sviridenko. Das fällt zuerst auf. Der 52-Jährige ehemalige Weltklassehandballer trainiert seit dieser Woche die MT Melsungen II in der Handball-Oberliga. Und dem Olympiasieger ist anzumerken, dass er hier etwas erreichen will.

Herr Sviridenko, wird Ihr Name eigentlich mit v oder mit w geschrieben? Beide Schreibweisen scheinen richtig zu sein.

Georgi Sviridenko: Immer mit v.

Sie gelten als harter Hund. Haben Sie immer Medizinbälle im Auto?

Sviridenko: Nein, heute nicht. (lacht) Heutzutage gehört so etwas aber zu einer Professionalisierung dazu.

Im Training legen Sie Wert auf Disziplin und Kondition, oder?

Sviridenko: Das sowieso. In der Vorbereitung werden wir fünfmal in der Woche trainieren, das geht nicht ohne Disziplin. Aber…

Erzählen Sie.

Sviridenko: Nach Siegen in der Liga wird im Training auch der Fußball rausgeholt und bei Geburtstagen darf sich das Geburtstagskind eine Trainingseinheit aussuchen. In Gummersbach wollte tatsächlich einer mit Medizinbällen trainieren.

Der war bestimmt richtig beliebt in der Mannschaft.

Sviridenko: Kann man so sagen. (schmunzelt)

Kennen Sie denn Ihre neue Melsunger Mannschaft schon?

Sviridenko: Nein, noch gar nicht. Es ist natürlich großartig, dass die Mannschaft aufgestiegen ist. Das spricht schon für Qualität.

Am Spielfeldrand sind Sie ein Vulkan, hetzen auf und ab oder hat sich das mittlerweile gelegt?

Sviridenko: Ich sitze nie, das stimmt. Ich übertreibe es aber nicht mit meinen Emotionen. In der Anfangszeit meiner Trainerkarriere war das noch anders, da gab es auch mal eine Rote Karte. Das ist aber schon lange her.

In Gummersbach betreuten Sie zuletzt zwei Jahre lang die U23-Mannschaft in der 3. Liga West, mit angeschlossenem Internat. Diesen Weg will auch die MT Melsungen gehen. Gibt es in Melsungen vielleicht sogar bessere Voraussetzungen?

Sviridenko: Bislang kann ich es noch nicht so gut einschätzen, aber das, was ich gesehen habe, lässt darauf schließen. Haben Sie hier schon mal die Junioren-WG gesehen? Das ist der absolute Wahnsinn und gibt es woanders nicht. Mich hat das Konzept hier überzeugt.

Sie haben für drei Jahre unterschrieben. Eine ungewöhnlich lange Laufzeit.

Sviridenko: Finden Sie? Ich bin ja nicht in der Bundesliga tätig, sondern hier für den Aufbau der zweiten Mannschaft zuständig. Dazu bedarf es Ruhe und vor allem Geduld. Wir wollen die dritte Liga hier schon vorbereiten, das dauert aber natürlich und ist ein langfristiges Projekt.

Sie kennen die Oberliga Hessen nicht. Wie werden Sie sich über die neue Liga informieren?

Sviridenko: Ich werde mir einige Testspiele von den anderen Mannschaften anschauen. Während der regulären Saison gibt es ja dann den Videoaustausch mit den Trainerkollegen.

Erinnern Sie sich noch an die Hölle Nord in Gensungen? Sie waren dort als Dessauer Trainer bereits zu Gast und werden es als Melsungen-Coach am vierten Spieltag wieder sein.

Sviridenko: Ja, die Halle kenne ich sehr gut. Sie ist speziell.

In den vergangenen Jahren stieg immer der Aufsteiger aus der Landesliga Nord ab. Warum beendet Melsungen die schwarze Serie?

Sviridenko: Sicherlich ist es ein Risiko mit einem kaum verstärkten Kader in die Oberliga zu gehen. Dem ist sich jeder hier im Verein bewusst. Was bringt es aber zwei Superspieler zu holen und damit unseren Talenten die Perspektive zu verbauen. Wir wollen hier einen Übergang zwischen Jugend- und Seniorenhandball schaffen. Um zur Frage zurückzukommen: Wir werden die Ausnahme sein!

Werden Sie auch Spieler aus der A-Jugendbundesligamannschaft in Ihren Kader aufnehmen?

Sviridenko: Ja, immer wenn es sich anbietet. Aber klar ist auch, die Bundesliga hat für die Jungs Priorität. Zwei Spiele an einem Tag sind für junge Spieler nicht wirklich zu verkraften.

Für eine Bundesligamannschaft wäre eine Zweitvertretung in der 3. Liga optimal. Wie lange dauert es bis zum nächsten Aufstieg?

Sviridenko: Wir wollen keinen Express-Aufstieg angehen, sondern mit Zeit und Geduld. Es ist natürlich das Ziel des Vereins, in der 3. Liga zu spielen. Jetzt legen wir dafür die Grundlagen, trainieren fünfmal in der Woche. In der 3. Liga braucht man dann die Trainingsintensität kaum noch steigern. Zum Vergleich: In der Landesliga hat die Mannschaft hier noch dreimal trainiert. Allerdings…

Ja?

Sviridenko: Ein Spieler, der nicht fünfmal trainieren will, kann uns verlassen.

Wie wird der Austausch mit der ersten Mannschaft sein?

Sviridenko: So ähnlich wie mit der A-Jugend. Wenn wir jemanden für die erste Mannschaft für das Training empfehlen können, werden wir dies tun.

Ihre Tochter Alexandra spielt für Berlin in der Bundesliga. Telefonieren Sie immer noch täglich?

Sviridenko: Ja, auf jeden Fall. Ich wurde auch schon von Kirchhof-Managerin Renate Denk angesprochen. (lacht)

Sind Sie auch bei Spielen Ihrer Tochter dabei?

Sviridenko: Nicht mehr. Ich war früher ein paar Mal da und jedes Mal hat sie schlecht gespielt. Deswegen habe ich mir ein Hallenverbot auferlegt. Das ist entspannter für alle. (lacht)

Kann Ihnen eigentlich ihr Schwiegersohn in spe, Deutschlands bester Wasserspringer Patrick Hausding, Trainingstipps geben?

Sviridenko: Hehe, nein Turmspringen hat ja mit Handball nichts zu tun. Wir verstehen uns auch ohne Trainingstipps sehr gut.

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