Interview mit Mike Fuhrig über seinen 50. Geburtstag, seine Vergangenheit und seine Pläne

„Böddiger spricht meine Sprache“

Immer engagiert: Der frühere Trainer der SG 09 Kirchhof, Mike Fuhrig, trifft in Böddiger auch auf einige seiner früheren Schützlinge. Foto: Kasiewicz/Archiv

Böddiger. Ab dem Sommer übernimmt Mike Fuhrig (50) die Oberliga-Handballerinnen des TSV Eintracht Böddiger. Dann wird der frühere Nationalspieler auch wieder in der Region wohnen, zusammen mit Anne Hildebrandt, Neuzugang für Böddiger, seiner Lebensgefährtin.

Mike Fuhrig, Sie sind am Freitag 50 Jahre alt geworden. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?

Mike Fuhrig: Och, gar nicht so viel. Für mich war das ein Geburtstag wie jeder andere auch. Für den Sommer plane ich aber eine größere Feier, verbunden mit meinem Umzug nach Nordhessen.

2008 titelte die Bild-Zeitung „Fuhrig schwer krank“. Sie litten an Depressionen. Wie haben Sie diese Phase überwunden?

Fuhrig: Mit Tabletten und psychologischer Hilfe. Alleine kommt man aus so etwas nicht raus. Das schlimmste ist, nicht offen darüber zu sprechen. Deswegen habe ich damals den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt. Der Sport hat mir bei der Überwindung auch sehr geholfen. Mittlerweile nehme ich keine Tabletten mehr und bin gesund.

Von 2010 bis 2012 waren Sie Trainer bei der SG 09 Kirchhof. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Fuhrig: Das war schon eine schöne Zeit. Die Mannschaft hat wie wahnsinnig trainiert. Viele Spielerinnen kamen ja aus der Oberliga und wir hatten trotzdem Erfolg. Die Ablösung hatte dennoch einen faden Beigeschmack.

Trotzdem wurden sie entlassen…

Fuhrig: Ist nicht ganz richtig. Ich habe von mir aus gesagt, dass ich gehe. Ich brauche immer einen gewissen Spaßfaktor bei den Vereinen, wo ich tätig bin. Den gab es dann am Ende aber gar nicht mehr. Kirchhof muss sich auch die Frage stellen, warum dort eigentlich jedes Jahr die Mannschaft ausgetauscht wird. Einen richtigen Stamm von sieben, acht Spielerinnen gab es ja dort nie.

Wie kam der Kontakt nach Böddiger zustande?

Fuhrig: Wir standen eigentlich immer schon im Kontakt, auch wegen meiner Lebensgefährtin Anne Hildebrandt. Sie ist ja immer zu mir nach Südhessen gependelt oder ich zu ihr. Was da alleine an Fahrtkosten zustande kommt. Deswegen wollten wir schon zusammenziehen. Und so hat sich das mit Böddiger ergeben. Ich kenne ja auch noch viele Spielerinnen aus der Mannschaft wie Vilte Duknauskaite, Lena Hildebrandt und Christin Schene.

Sie bringen Ihre Lebensgefährtin Anne Hildebrandt mit. Befürchten Sie da nicht Probleme innerhalb der Mannschaft bei so einer Konstellation?

Fuhrig: Ach, gar nicht. Die Mädels in Böddiger verstehen sich richtig gut und kennen sich ja seit der Jugend. Da wird es keine Probleme geben.

Böddiger hat mit Fritzlar und Kirchhof hochklassige Konkurrenz im Umkreis. Was ist das Alleinstellungsmerkmal von Böddiger?

Fuhrig: In Böddiger ist alles viel familiärer und es herrscht nicht so viel Druck. Hier wird mir auch keiner in meine Arbeit reinreden und ich habe mehr Freiheiten. Woanders wurde mehr kontrolliert…

Ist ein Aufstieg für Böddiger in die 3. Liga überhaupt finanziell gesehen realistisch?

Fuhrig: Das muss man sehen. Wichtig ist mir vor allem, die Jugendarbeit in Böddiger zu stärken. Für einen Oberligisten ist es schon wichtig, dass auch die A- und B-Jugend möglichst hoch spielt. Da werde ich mich entsprechend engagieren. Aber klar, mit der ersten Mannschaft wollen wir schon oben mitspielen.

Sie haben noch gute Kontakte zur heimischen Handballszene. Holen Sie noch welche von Ihren früheren Spielerinnen nach Böddiger?

Fuhrig: Möglich ist das. Wir sind auf jeden Fall in Gesprächen. Verstärken werden wir uns aber nur in der Spitze. Wichtig ist mir, dass wir im Kader auch Platz für ein, zwei junge Talente haben.

Es ist Ihre zweite Trainerstation in Nordhessen. Warum bleiben Sie diesmal länger?

Fuhrig: Böddiger spricht meine Sprache. Bis mein Konzept die Mannschaft erreicht, wird es zwar etwas dauern. Aber ich habe schon vor, längerfristig in Böddiger zu bleiben. Zugesagt habe ich aber erstmal für die nächste Saison, wobei Details aus dem Vertrag noch besprochen werden müssen.

Werden Sie auch wieder nach Nordhessen ziehen?

Fuhrig: Natürlich. Anne und ich werden hier zusammenziehen. Wo das sein wird, steht aber noch nicht fest. Ich freue mich jetzt schon drauf!

Von Daniel Schneider

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.