Samstagsinterview: Katja Gerbig und Sarah Panhans über das Derby in der Handball-Oberliga

60 Minuten ruht die Freundschaft

Privat befreundet, heute Gegnerinnen: Katja Gerbig (links) empfängt heute in der Baunataler Rundsporthalle Sarah Panhans mit der HSG Zwehren. Foto: Streuff

Kassel. Es ist eine Premiere: Wenn heute ab 16.30 Uhr in der Baunataler Rundsporthalle die Oberliga-Teams von Eintracht Baunatal und der HSG Zwehren um Punkte spielen, stehen sich die Freundinnen Katja Gerbig (Baunatal) und Sarah Panhans (Zwehren) erstmals als Gegnerinnen in einem Handball-Derby gegenüber. Im Interview sprechen die Spielmacherinnen über diese besondere Begegnung.

Frau Panhans, hat HSG-Trainer Gunnar Kliesch Sie ins Kreuzverhör genommen?

Sarah Panhans: Nein, das nicht. Die Taktik ist Trainersache und die Eintracht ist ja auch neu zusammengewürfelt. Aber es gibt ab dieser Saison ein neues Videoportal, das wir zur Vorbereitung nutzen können.

Frau Gerbig, wie groß ist Ihr Respekt vor der HSG?

Katja Gerbig: Wir haben andere Mannschaften, gegen die wir punkten müssen. Die HSG ist in der Favoritenrolle. Bei ihnen hat sich viel verändert und sie wollen oben mitspielen. Sarah kenne ich schon lange. Ich weiß, was auf mich zukommt, wenn sie auf der Mitte spielt und ich im Mittelblock stehe und wir das direkte Duell haben. Mein Respekt ist groß.

Was für Spielertypen treffen denn da aufeinander?

Gerbig: Sarahs Zug zum Tor ist ihre Stärke. Sie geht selbst gern drauf und verteilt nicht unbedingt nur die Bälle.

Panhans: Katja spielt gern und viel mit dem Kreis, wirft aber auch von hinten, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

Und wie schätzen Sie Ihren Gegner ein?

Gerbig: Die HSG hat mit Karina Schleider eine ganz schnelle Linksaußen, die sehr torgefährlich ist. Da gilt es, auf der rechten Seite noch schneller zurückzulaufen. Der Tempohandball wird es bei Zwehren ausmachen.

Panhans: Über den Kreis wird die Eintracht auf jeden Fall etwas versuchen, vielleicht mit Sperrenstellen für die Halben.

Welchen Reiz hat die Partie?

Gerbig: Derby ist Derby. So ein Spiel hat andere Regeln – auch, dass der Favorit mal stolpert. Derbys sind häufig ausgeglichener, auch wenn das eine Team vermeintlich stärker ist.

Panhans: Für mich ist es generell speziell, weil ich ja gegen meinen alten Verein antrete, für den ich jahrelang gespielt habe, bei dem ich das Handball-Einmaleins gelernt habe. Ich kenne alle Eintracht-Spielerinnen – bis auf die Neuzugänge – jahrelang. Das ist etwas Besonderes.

Gehen Sie anders ins Spiel?

Panhans: Das spezielle Gefühl kommt auf, wenn ich in die Halle gehe. Die Begrüßungsrunde fällt auf jeden Fall länger aus als bei anderen Gegnern. Aber sobald der Anpfiff ist, ist es damit vorbei.

Ruht dann Ihre Freundschaft?

Gerbig: Absolut. 60 Minuten lang ruht die Freundschaft.

Panhans: Ja. Da spielen wir Handball. Aber danach können wir wieder ein Bierchen zusammen trinken.

Wo sind eigentlich Ihre Freunde heute?

Panhans: Die sitzen im Bus auf dem Weg nach Halle. Sie können bei unserem Spiel leider nicht dabei sein, weil sie selbst spielen müssen.

Zur Erklärung: Christian Schade und Conny Paar sind Handballer beim Drittligisten Eintracht Baunatal. Sind die beiden als Ratgeber gefragt?

Gerbig: Klar, Handball ist auf jeden Fall ein Thema bei uns. Ich rede mit Christian darüber, was er denkt, wie unsere Chancen sind und wie wir gewinnen können.

Panhans: Wir sprechen über unsere Spiele, auch wenn er als Torhüter eine ganz andere Position spielt als ich.

Wissen Sie noch, was am zweiten Spieltag der Saison 2014/15 war?

Panhans: Nein. Wer da der Gegner war, weiß ich nicht mehr.

Da gab’s das Spiel Eintracht Baunatal gegen HSG Zwehren.

Gerbig: Stimmt. Das haben wir gewonnen. Das machen wir jetzt wieder so.

Panhans: Da haben wir alledings was dagegen. Und ich bleibe bei meiner Haltung der vergangenen Jahre: In der Rundsporthalle will ich nicht verlieren.

Ist die Stimmung vor dem Derby in Ihren Teams eine andere?

Gerbig: Bei uns auf jeden Fall. Das liegt aber auch daran, dass wir fünf Zwehrenerinnen in unserer Mannschaft haben. Die haben natürlich einen höheren Ehrgeiz, gegen die HSG zu gewinnen. Meine Verbindungen zur HSG sind nicht so intensiv: Meine Mutter hat mal in Zwehren gespielt, ihr Lebensgefährte hat da trainiert.

Wagen Sie denn einen Tipp für Samstag?

Panhans: Das Ergebnis ist mir egal. Hauptsache, wir holen zwei Punkte.

Gerbig: Das denke ich auch. Hauptsache, wir haben ein Tor mehr als Gegner.

Und danach gehen Sie zusammen feiern?

Panhans: Wir gehen auf jeden Fall weg. Und wenn wir uns dann treffen sollten, trinken wir zusammen was. Aber es gibt keine Verabredung.

Von Björn Mahr und Michaela Streuff

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