Frauen, Oberliga: Böddiger legt sich noch nicht fest, ob es in die dritte Liga gehen soll

Planungen schreiten voran

Holte im Spitzenspiel gegen Kriftel vor 200 Zuschauern einen Punkt: Böddigers Rechtsaußen Julia Hasper. Foto: Hahn

Felsberg. In der Halbzeit des Oberliga-Spitzenspiels zwischen dem TSV Eintracht Böddiger und dem TuS Kriftel (25:25) entstand folgender Dialog: „Sollen wir uns die zweite Hälfte überhaupt ansehen“, fragte ein Zuschauer den anderen. Dieser: „Ich fürchte schon, ich habe schließlich Eintritt bezahlt.“ Zu diesem Zeitpunkt lag Böddiger 7:16 zurück.

Die Worte, die durch den Vorraum der Stadtsporthalle Felsberg schwirrten, waren „unglaublich“, „unterirdisch“ und „unfassbar“. Unterirdisch war die Leistung der TSV-Mädels in der Tat. „Es funktioniert ja überhaupt nichts“, sagte TSV-Vorsitzender Gunter Veit und nahm erstmal einen hastigen Schluck aus seiner Flasche Bier.

Nüchtern betrachtet spielte auf dem Feld nicht ein Oberliga-Spitzenreiter, sondern eine Mannschaft, die in der Landesliga gegen den Abstieg spielt. Pässe ins Nirwana, Stürmerfouls, technische Fehler und zur Krönung beim Stand von 5:10 ein miserabler Versuch eines Hebers ließen das schlimmste befürchten. Doch es kam anders. Ganz anders.

Dank der Umstellung auf eine 5:1-Deckung gelang den so dominanten Gästen aus Kriftel elf Minuten lang kein Tor mehr. Beim 15:17-Anschlusstreffer war dann auch endlich mal die Halle mit seinen 200 Zuschauern zu hören. Die waren in der ersten Hälfte, genau wie ihre Mannschaft, in einer Art Schockstarre gefangen. Tor um Tor holte die Mannschaft von Trainerin Rocsana Negovan („Ich habe immer an meine Mannschaft geglaubt.“) auf. Und wurde am Ende mit dem Remis belohnt, was natürlich vor allem an der wie entfesselt spielenden Christine Schene lag.

Aber was bedeutet der Punktgewinn jetzt für die weitere Planung des Vereins? „Wir beschäftigen uns natürlich mit der Perspektive, in die dritte Liga aufzusteigen. Aber dafür muss die Finanzierung gewährleistet sein. Da sind wir dran“, sagt Veit. Herbert Schäfer, ein Berater der Handball-Damen, erklärt: „Die dritte Liga bedeutet für unseren Vereinen einen großen Aufwand, nicht nur finanziell, sondern auch personell.“ Allerdings wird es keine finanziellen Abenteuer des Vereins geben, nur um eine Liga höher zu spielen. „Verschulden werden wir uns auf keinen Fall“, so Veit. Bis zu den möglichen Aufstiegsspielen im Mai gegen den Vertreter der Bayernliga muss eine Entscheidung gefallen sein.

Ungewöhnlich: Keine Spielerin bekommt bei Böddiger Geld. Obwohl viele schon höherklassig gespielt haben und entsprechend bezahlt wurden. „Bei uns steht noch der Spaß am Handball im Vordergrund“, sagt Veit. Das kommt an und ist ein Konzept, das den TSV Böddiger im Spannungsfeld zwischen Bad Wildungen (1. Liga), Kirchhof und Fritzlar (beide 3. Liga) so einzigartig macht.

Von Daniel Schneider

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.