Vor Ort: Zwehrener Handballerinnen schaffen Oberliga-Klassenerhalt, Baunatal bangt noch trotz Sieges

Zittern bis zur letzten Sekunde

Freude pur: Baunatals Handballerinnen bejubeln ihren Sieg. Foto: Schachtschneider

Kassel. Die Handball-Oberliga der Frauen und die Fußball-Bundesliga haben wenig gemeinsam – außer dass der Abstiegskampf spannender ist als das Titelrennen. Am letzten Spieltag brauchten sowohl Eintracht Baunatal als auch die HSG Zwehren/Kassel einen Sieg, um die Klasse zu halten. Wir waren vor Ort. BAUNATAL

Es ist eine schwierige Situation für Baunatal. Im Abstiegskampf mit Zwehren, Bruchköbel und Dieburg muss die Eintracht am Samstag vorlegen. Angesichts der Hypothek eines Fünf-Punkte-Abzugs benötigt die Eintracht dringend einen Sieg, um den drittletzten Platz zu verlassen, der den direkten Abstieg bedeutet.

Von Nervosität ist um 17 Uhr zunächst nichts zu sehen, als das Schiedsrichterduo die Partie gegen Eibelshausen anpfeift. Angefeuert von 250 Zuschauern, darunter auch die Mannschaft der HSG Zwehren, legt Baunatal los wie die Feuerwehr, führt 4:2 (7.).

Die Baunatalerinnen beweisen unglaubliche Kampfkraft und unbändigen Willen. Allerdings schleichen sich unnötige Ballverluste ein, die auch die Zuschauer zur Verzweiflung bringen. Als die letzten fünf Minuten anbrechen, hat Baunatal die Partie wieder gedreht. Spielführerin Carina Salzmann trifft per Doppelschlag - 27:26-Führung.

Doch das, was dann kommt, ist nichts für schwache Nerven. Beim Stand von 30:29 wird Selina Schneider beim Torwurf gefoult – Siebenmeter, 90 Sekunden vor dem Ende. Drei von vier Strafwürfen haben die Baunatalerinnen zuvor verworfen, und Schneider soll als Gefoulte nicht antreten. Xenia Ahrend schnappt sich den Ball. Und während fast die komplette Mannschaft inklusive Trainerin Margret Schmidt nicht mehr hinsehen kann, trifft Ahrend zum 31:29. „Ich hatte solche Angst. Aber ich habe mir gedacht: Den hau ich jetzt rein“, sagte Ahrend.

Die Partie ist noch nicht vorbei, Eibelshausen verkürzt im Gegenzug und hat sogar die Chance auf den Ausgleich. Die wird den Gästen aber genommen, weil Takacs Carina Salzmann umschubst und die Rote Karte bekommt.

Als die Schlusssirene ertönt, liegt sich eine Baunataler Spielertraube in den Armen. Die Freude kennt keine Grenzen mehr, und auch Margret Schmidt klatscht hüpfend mit jeder Spielerin ab. „Das war der Oberhammer. Aber solche Spiele braucht man überhaupt nicht“, erklärte Carina Salzmann völlig erschöpft. ZWEHREN

Nachdem am Vorabend Dieburg und Bruchköbel verloren hatten, stehen vor der Zwehrener Partie am Sonntag zwei Dinge fest: Dieburg ist als Drittletzter abgestiegen, und Zwehren kann noch Rang sieben erreichen, der definitiv zum Klassenerhalt reicht. Vor den 150 Zuschauern, darunter diesmal die Baunataler Mannschaft, ist es fast ein Spiegelbild der Partie vom Vortag. Die Gastgeberinnen zeigen zunächst keine Nervosität und spielen Mörfelden phasenweise an die Wand. Beim 9:4 sieht alles nach einem lockeren Erfolg für Zwehren aus (19.). Doch plötzlich reißt der Faden. Dass die Kasseler trotzdem mit einem 10:9 in die Kabinen gehen, liegt vor allem am Mörfeldener Rückraum, der alles trifft, nur nicht das Tor.

Das ändert sich in der zweiten Hälfte, als die Gäste erstmals beim 18:16 mit zwei Toren in Führung liegen (47.). „Ich hab echt gedacht, dass das noch in die Hose geht“, gesteht Andreas Paul später ein. In seinem letzten Spiel als Zwehrener Trainer ist Paul nicht zu bremsen. Unentwegt tigert er an der Seitenlinie hoch und runter und feuert seine Mannschaft so lautstark an, dass man Angst um seine Stimmbänder bekommt.

Tatsächlich kämpft sich Pauls Team zurück. Und es kommt eine Sternstunde von Carmen Wieden. Die Torhüterin pariert einen Siebenmeter, und als im Gegenzug Kathrin Hoppe in Unterzahl zum 19:18 trifft, ist das Feuer bei den Zwehrenerinnen zurück.

Bis zum Schluss ist es dramatisch. Als aber Lena Kerwin in ihrem letzten Spiel mit einem Solo 30 Sekunden vor dem Ende trifft, ist die Entscheidung gefallen. Der siebte Platz ist erreicht, Zwehren spielt auch im nächsten Jahr Oberliga.

Von Max Seidenfaden

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