Abschied von der TG Münden: Rentsch und Grambow hängen Trikots an den Nagel

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Abschied von den Zuschauern in der Gymnasiumshalle: Jann Rentsch nach dem letzten Heimspiel gegen Burgdorf.   

Hann. Münden. Mit Jann Rentsch und Christian Grambow bestreiten am Samstag zwei tragende Säulen des Handball-Oberligisten TG Münden ihr letztes Spiel. Ein herber Verlust.

Nach dem vergangenen Samstag wiegt bei mir das weinende Auge doch etwas schwerer als das lachende“, gibt Jann Rentsch zu. „Meine Verabschiedung und der Applaus der Zuschauer nach dem letzten Heimspiel haben mich sehr berührt.“ Symbolhaft für seine weitere sportliche Zukunft bekam das Mündener Eigengewächs ein kleines Fahrrad überreicht. Auf einer größeren Variante will sich „Rentschi“ künftig fit halten; so wie er es eigentlich immer getan hat und wodurch er auch kaum mal Verletzungssorgen hatte.

Rentsch ist seit 23 Jahren im Verein, spielte nach seiner Jugendzeit lange in der zweiten Mannschaft. Ausgerechnet in der Saison 2010/11, als die TG mit einer extrem verstärkten Mannschaft hinter dem heutigen Bundesligisten SC DHfK Leipzig Vizemeister der 3. Liga wurde, rutschte der 24-Jährige in die Erste. „Das war natürlich Neuland für mich, und in Münden herrschte ein regelrechter Hype. Besonders aber die Auswärtsspiele in großen, ausverkauften Hallen waren rückblickend meine schönsten Erlebnisse“, berichtet Rentsch.

Allerdings wurmte den Polizeibeamten, dass er trotz allen Trainingsfleißes zu wenige Spielanteile erhielt. „Später, unter Alexander Koke, bin ich dann aber für den ganzen Einsatz belohnt worden“, so Rentsch, der sich in der aktuellen Saison am Kreis sogar als eine Art Torjäger entpuppte.

Nachdem die Strukturen bei der TG nach dem Drittligaabstieg bröckelten, übernahm er immer mehr Aufgaben rund um die Mannschaft. „Eigentlich sollte ich Thomas Eisenbach nur etwas helfen. Aber nachdem der Münden verlassen hatte, wurde es immer mehr.“ Die heiße Phase waren für ihn immer die Monate Dezember bis April. Jetzt musste mit den Spielern geredet werden, mögliche Neuzugänge wurden kontaktiert, die Sponsoren für ein Weitermachen motiviert. Die Organisation der Spieltage, das Erstellen des Hallenheftes und das Verfassen von Berichten für die Vereins-Homepage liefen ebenfalls weiter. Zahlreiche Aufgaben also, die künftig auf ein halbes Dutzend Personen verteilt werden. „Ich würde mir noch einen echten Teammanager wünschen, der nicht aus der Mannschaft heraus kommt“, hofft Rentsch. Dann wäre die TG gut aufgestellt, um weiter in der Oberliga zu bestehen. „Das muss angesichts unserer Handballtradition auch das Ziel bleiben“, betont er.

Warum ist einer wie Christian Grambow eigentlich kein Profi geworden? Der gebürtige Schweriner antwortet in seiner ehrlichen Art: „Ich bin halt beim Training eine faule Socke. Wenn ich so an meinem Körper gearbeitet hätte wie Rentschi, dann hätte es vielleicht sogar für die 1. Liga gereicht.“ Mit Anfang zwanzig kümmerte sich sogar mal ein Spielerberater um sein Fortkommen. „Der hat mich überall hingezerrt, nach Hildesheim, Hüttenberg und bis nach Dänemark. Ich hätte wechseln können, aber ich habe mich in Münden einfach immer zu wohl gefühlt.“

Als Christian Grambow 2007 vom SC Magdeburg zur TG kam, war er gerade einmal 19 Jahre alt. Der gebürtige Schweriner besaß bereits Zweitliga-Erfahrung, doch beim SCM setzten sie eher auf Zwei-Meter-Schränke mit 120 Kilo. Vom ersten Spiel an war zu sehen, dass sich die TG mit ihm einen Rohdiamanten geangelt hatte. Bereits in seinem zweiten Jahr gehörte er zu den besten Regionalliga-Torjägern. „Auf und neben dem Spielfeld funktionierte hier gleich alles“, sagt Grambow, den berufliche Gründe und auch auch körperliche Probleme zum Aufhören zwingen.

Auch er sagt tschüs:Christian Grambow, hier mit Tochter Anni.

Mit ihm kletterten die Mündener im November 2008 zum ersten Mal an die Tabellenspitze der Regionalliga. Unvergessen auch das Herzschlagfinale im Frühjahr 2010, als die TG im letzten Spiel gegen Springe unbedingt gewinnen musste, um sich für die neue 3. Liga zu qualifizieren. Den entscheidenden Treffer beim 39:38-Heimsieg erzielte Christian Grambow – und das ganze 14 Sekunden vor dem Abpfiff.

So war auf Christian Grambow immer Verlass. Misstöne gab es 2010/11, als er aufgrund einer Verletzung und den vielen hochkarätigen Neuzugängen aus dem linken Rückraum verdrängt wurde. „Für mich war dieses Vizemeisterjahr eigentlich die schlimmste Zeit bei der TG. Man war einfach abgeschrieben“, erinnert sich der 30-Jährige. Als er dann aufgrund einer vorübergehenden Verletzung von Toptorjäger Martin Hummel seine Chance erhielt, lief „der Shooter“ förmlich heiß, erzielte 33 Tore in drei Spielen.

2012 wechselte er aufgrund eines Jobversprechens kurz zur HSG Zwehren, dann für zwei Jahre nach Gensungen, wo schon mit Jens Wiegräfe ein anderer Mündener auf ihn wartete. 2014 dann die Rückkehr zur TG. Im Oberliga-Abstiegsjahr 2016 war Grambow bester Werfer der Liga. Mit seiner Dynamik war er kaum zu halten und erinnerte die Fans immer wieder an bessere Zeiten. Im anschließenden Verbandsligajahr führte er zusammen mit Wiegräfe und Justin Brand die TG zurück in die Viertklassigkeit. Aber der Körper meldete sich angesichts seiner über Jahre zehrenden Spielweise immer deutlicher. So auch zu Beginn der laufenden Serie, als der Vater einer Tochter erst ab dem siebten Saisonspiel richtig mitmischen konnte.

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