Phantom in der eigenen Stadt

Mündener Handballer müssen 13 Mal in Folge auswärts spielen

Das allwöchentliche Programm: Die Mündener (von links) machen sich mit gepackten Reisetaschenauf den Weg. Trotz guter Einstimmung durch Trainer Frank Janotta und intensiven Aufwärmens (hier Manuel Evora) können Jendrik Janotta (rechts) und seine Mitstreiter nur dem Gegner gratulieren. Fotos: Brandenstein/Montage: Jordan 

Auf der A7 bis weit in den Norden kennen sie mittlerweile jede Baustelle. Soltau, Helmstedt, Wittingen – die niedersächsischen Kleinstädte gehören zur wöchentlichen Routine.

Die Oberliga-Handballer der TG Münden sind auf endloser Auswärtstournee und mutieren in der eigenen Stadt zum Phantom. Bis Dezember werden sie 13 Mal in Folge ihre Sporttaschen im Bus verstaut haben. Und das, obwohl ihre Heimhalle leer steht.

HEIMRECHT GETAUSCHT 

Anfang September wollte der Landkreis Göttingen mit der Sanierung der Mündener Gymnasiumshalle beginnen. Bis Anfang Dezember sollte das dauern. Doch die Handwerksbetriebe hatten offensichtlich schon genug zu tun. Die Ausschreibung des Projekts ist fürs Erste gescheitert. Die Konsequenz: Die Halle ist eigentlich bespielbar. Die Arbeiten sollen nun im Sommer 2016 erledigt werden. Damit konnte die TG nicht rechnen. Bis zur Rolle rückwärts der Verwaltung hatte der Verein bereits fast alle Heimspiele der Hinserie getauscht.

NUR NIEDERLAGEN 

„Die vielen Fahrten sind für die Familie natürlich eine Katastrophe“, sagt Torjäger Christian Grambow, „denn nun geht an jedem Wochenende ein ganzer Tag drauf.“ Trainer Frank Janotta und die anderen Klubverantwortlichen halten sich mit Kritik zurück.

Auch wenn es seit Saisonbeginn vor sechs Wochen ausschließlich Niederlagen setzte. Schließlich haben sie sich bei der TG selbst für das wohl einmalige Programm entschieden. Ein Umzug in eine andere Mündener Halle kam für den Klub aufgrund von logistischen Problemen mit der Hallenwerbung und der Zuschauerbewirtung nicht infrage. „Einen echten Heimvorteil hätten wir dorauch nicht gehabt“, ist Mündens Coach Janotta überzeugt.

UNTERSTÜTZUNG FEHLT 

Und so läuft bislang jede Woche der gleiche Film ab. Die TG sitzt stundenlang im Bus – und am Ende des Spiels jubeln immer die anderen. Dass es so schwer würde, haben nur wenige erwartet. In der vergangenen Saison punktete die Mannschaft in fremden Hallen regelmäßig. Das sieht nach einigen Spielerabgängen im Sommer nun anders aus.

„Mit unserem Heimpublikum im Rücken hätten wir bisher vermutlich schon einige Punkte geholt“, betont Manuel Evora, der schon für die SVH Kassel in der 3. Liga spielte.

2016 HANDBALL TOTAL

Schwierig ist die Situation auch für die entwöhnten Anhänger. Die TG ist viel seltener Gesprächsthema. Der Dauerkartenverkauf kommt nicht in Schwung. Wer weiß schon, ob er zwischen Ende Januar und Anfang Mai jeden Samstag Zeit hat – dann, wenn in Münden mit 14 Heimspielen in Serie Handball total ausgerufen wird?

Günter Isenbort kann das nicht verstehen. Er hat eine Dauerkarte gekauft – Ehrensache. Am Wochenende, beim Spiel in Hameln (27:29), saß der rüstige Rentner wieder mit einem halben Dutzend Anhänger im Mannschaftsbus. „Es könnten ruhig ein paar mehr mitfahren“, meint er und befürchtet, dass – falls die Niederlagenserie anhält – beim ersten Heimspiel am 12. Dezember gegen Vorsfelde auf den Rängen nicht viel los sein könnte.

Finanziell sollte die TG dank treuer Sponsoren den Auswärtsmarathon durchstehen können. Bitter wäre für den Drittliga-Vizemeister von 2011 ein erneuter Abstieg. Immerhin kann die TG am nächsten Spieltag durchatmen: Am Freitag geht es nur nach Göttingen. Das sind gerade einmal 27 Kilometer.

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