Handball-Oberliga Frauen: Momentaufnahme oder Strukturproblem?

NHC, Plesse, Rosdorf, Geismar: Totale Talfahrt

Kein Durchkommen am Kreis: Plesses Yasmin Hemke (am Ball) gegen Geismars Jana Birner (links) und Marie Knak. Hinten die MTVerin Theresa Grotenburg. Plesse gewann zu Saisonbeginn 32:21 in Geismar.
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Kein Durchkommen am Kreis: Plesses Yasmin Hemke (am Ball) gegen Geismars Jana Birner (links) und Marie Knak. Hinten die MTVerin Theresa Grotenburg. Plesse gewann zu Saisonbeginn 32:21 in Geismar.

Ein trauriges Bild bietet derzeit aus heimischer Sicht die Tabelle in der Handball-Oberliga der Frauen.

Göttingen/Northeim – Die vier heimischen Vertretungen liegen nach dem ersten Drittel der Spielzeit im ganz tiefen Tabellenkeller auf den Plätzen neun, elf, zwölf und 13. Nur eine Momentaufnahme oder doch eher ein generelles Problem? Wir haben bei den geplagten Vereinen nachgefragt.

HSG Plesse-Hardenberg

Weniger dramatisch oder nicht allzu negativ sollte man aus Sicht von Lennart Versemann den schlechten Tabellenstand des heimischen Kleeblatts beurteilen. „Es ist eher in den letzten Jahren sehr positiv gelaufen“, zäumt Plesses Coach das Pferd von der anderen Seite auf. Die große Dichte an Oberligaklubs inklusive der HSG Göttingen sei fast ein Alleinstellungsmerkmal. „Teams aus anderen Regionen waren schon fast genervt, vier Mal hier runter fahren zu müssen.“ Man habe lange vom Uni-Standort Göttingen profitiert und viele Spielerinnen rekrutieren können. Das sei nun vorbei. „Durch die Pandemie hat dieser Zustrom nachgelassen. Die Unsicherheit, sich in der aktuellen Situation einem neuen Verein anzuschließen, ist groß.“

MTV Geismar

Eher als Momentaufnahme sieht Yunus Boyraz das unbefriedigende Abschneiden an. „Mit Ausnahme von Geismar haben die Mannschaften, dazu zählt auch die HSG Göttingen, häufig gut mitgespielt und einiges bewegt in der Liga“, sagt Geismars Trainer. In den Clubs gäbe es spezifische Ursachen. Plesse habe wichtige Leistungsträger wie Maike Rombach und Devi Hille verloren. Julia Herale ist verletzt. „Rosdorf hat sich als Einheit nach der langen Pause noch nicht gefunden. Northeim muss die Lücke von Nieke Kühne schließen. Das ist nicht einfach“, analysiert Boyraz. Zugleich macht er Hoffnung. „Wenn sich die Spielerinnen etwas zutrauen und als Mannschaft wachsen, zeigen sie auch wieder, was sie draufhaben.“

Northeimer HC

Ebenfalls einen Blick auf die Landkarte wirft Tanja Weitemeier bei ihrer Beurteilung. „Die derzeitige Situation ist auch der starken Konkurrenz geschuldet. Es sind vier Mannschaften auf engem Raum. Wo hat man das schon? Und das Potenzial an Spielerinnen ist einfach nicht mehr vorhanden“, lautet ihre Einschätzung. Dazu komme die Auswirkung abgebrochenen Corona-Saison 2020/21. „Es stellt sich die Frage, wie die Teams aus dem Lockdown kommen. Man findet sich schnell in einen Negativ-Lauf wieder. Dennoch würde ich dem jetzigen Tabellenstand noch nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Wir müssen die weitere Entwicklung abwarten.“

MTV Rosdorf

Der Trainer des MTV Rosdorf hat für die augenblickliche Misere eine Ursache ausgemacht, die im nicht-sportlichen Bereich liegt. „Ich mache das vor allem an der Pandemie fest“, meint Sascha Heiligenstadt. Während der langen Pause haben sich die Schwerpunkte bei vielen Spielerinnen verschoben. Der Handball sei aus dem Fokus geraten. Man müsse erst wieder reinfinden. „Es fehlt jetzt vielleicht der letzte Funke, die Portion Extra-Motivation. Es fällt schwerer, sich beim Training wieder zu quälen“, sagt der MTV-Coach und fügt an: „Ich bin froh, dass ich eine solche Situation als aktiver Sportler nicht mitmachen musste.“ Und gefordert seien auch die Vereine, um den Sport wieder schmackhaft zu machen. (Andreas Schridde)

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