Handballregion bangt um attraktiven Spielbetrieb

Stoppt Titelgewinn den Abwärtstrend?

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Ausnahme: Gianluca Rusteberg spielt mit der C-Jugend der JSG in der Oberliga.

Hann. Münden. Nach dem Europameistertitel der deutschen Mannschaft wird vielerorts darüber spekuliert, ob es jetzt auch im Amateur- und Jugendbereich einen Aufschwung für den Handballsport geben könnte. Wie nötig er wäre, macht ein Blick auf die Mannschaftszahlen deutlich. So ist auch in der Handballregion Südniedersachsen ein attraktiver Spielbetrieb nur noch schwer möglich.

Kaum zu glauben, aber in der Handballregion, die aus den ehemaligen Kreisen Göttingen, Osterode und Northeim besteht, sind in der ältesten Nachwuchsklasse gerade einmal fünf Mannschaften aktiv. Vier davon treten in der Landesliga an. Auf Regionsebene blieb nur der Northeimer HC übrig. Um weiter spielen zu können, musste das Team in die Nachbarregion Südost-Niedersachsen wechseln. Dort geht es unter anderem bis nach Wolfsburg. „Kaum eine Fahrt ist unter 100 Kilometern, das ist schon ein enorm großer Aufwand“, erzählt NHC-Trainer Uwe Kurzawa.

In der Saison 2008/2009, also gut ein Jahr nach dem Gewinn des Weltmeistertitels der deutschen Handballer im eigenen Land, hatte es immerhin noch fünf A-Jugendteams auf Regionsebene gegeben. Zudem hatten sich in dieser Altersklasse acht Mannschaften für Ober- und Landesliga qualifiziert. Also doppelt so viele wie derzeit. Etwas besser sieht es bei den A-Mädchen aus. Hier gibt es zwölf Teams (2008: 13). In der männlichen B-Jugend treten derzeit acht Teams auf Regionsebene an, drei sind höherklassig am Ball.

Regionsvorsitzender Holger Lapschies (HSG Plesse-Hardenberg) hat Hoffnung: „Vielleicht gibt es durch die EM ja tatsächlich wieder einen Schub im Kinderhandball. Aber wichtig für den Handball in unserer Region ist auch, dass die Vereine mehr kooperieren. Unter anderem, um die Kosten für höhere Spielklassen besser zu bewältigen.“

Auch im Männerbereich machen die aktuellen Zahlen nachdenklich: 2007/08 traten auf Regionsebene noch 50 Herrenteams an. In der laufenden Spielzeit sind es nur noch 30. Das entspricht einem Rückgang um 40 Prozent. Bei den Frauenmannschaften fiel das Minus nicht ganz so heftig aus: von damals 28 Mannschaften auf nun 23.

Im Bereich des Altkreises Münden mussten in den vergangenen Jahren fünf Seniorenmannschaften den Spielbetrieb einstellen: Beide Männerteams der SVS/TSG Münden, die Dransfelder Männer und die Frauenmannschaften der TG Münden und des HSV Hedemünden. Auch die an sich noch erfolgreiche JSG Münden/Volkmarshausen – sie stellt den einzigen Oberligisten aus der Region (männliche C) – hat weniger Nachwuchshandballer unter ihren Fittichen. Vorsitzender Markus Piszczan beklagt, dass immer weniger Leute bereit seien, das Amt eines Trainers oder Betreuers zu übernehmen. Und er sagt: „Durch die weniger werdenden Jugendmannschaften wird die Konkurrenz zwischen den Vereinen immer härter.“

13 Millionen Deutsche verfolgten das EM-Finale am Sonntag im Fernsehen. Eigentlich eine gute Basis, um vielleicht auch die Vereine wieder profitieren zu lassen.

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