1. Startseite
  2. Sport
  3. Handball regional

Reimbold macht Fritzlar Mut: Auch eine Kirchhof-Spielerin hat im Derby ein Heimspiel

Erstellt:

Von: Sebastian Schmidt

Kommentare

Volle Kraft voraus: Chantal Reimbold ist eine Hoffnungsträgerin des SV Germania Fritzlar.
Volle Kraft voraus: Chantal Reimbold ist eine Hoffnungsträgerin des SV Germania Fritzlar. © Pressebilder Hahn

Beide Rivalen haben zuletzt in der 3. Handball-Liga West zwei Niederlagen in Serie kassiert. Sowohl Gastgeber SV Germania Fritzlar als auch die Gäste der SG 09 Kirchhof hinken dadurch etwas hinter den eigenen Erwartungen und Saisonzielen zurück.

Fritzlar/Kirchhof – Doch es gibt vor dem mit Spannung erwarteten Derby (So. 15 Uhr, KHS-Sporthalle) auch Hoffnungsträgerinnen. Dazu zählen mit Fritzlars Chantal Reimbold und Kirchhofs Lina Nöchel zwei junge Spielerinnen aus der Region, die sich in dieser Saison einen Stammplatz erkämpft haben.

15 Tore bei 17 Würfen

Das 30:31 in Wülfrath war eine bittere Erfahrung für Fritzlar im Kampf um den Klassenerhalt. Das konnte auch ein Sahnetag einer 22-Jährigen nicht verhindern. Denn Chantal Reimbold nahm sich 17 Würfe und landete satte 15 Treffer. So erfolgreich in nur einem Spiel war sie zuletzt in der C-Jugend ihrer Heimatstadt Baunatal geblieben, wo sie als HSV-Fan bis 2013 auch Fußball für die Eintracht spielte. Lieber wären ihr weniger Tore, aber dafür ein Erfolg mit der Mannschaft gewesen. Dennoch taugt diese Vorstellung für neues Selbstbewusstsein und die Motivation, diese Punkte zurückzuholen. „Warum nicht gegen Kirchhof?“, sagt Reimbold.

Die Rückraumspielerin ist bereit, noch mehr Verantwortung in dem weiter verjüngten und vergleichsweise unerfahrenen Team zu übernehmen. Mit 39 Toren aus sechs Spielen ist sie immerhin bislang die im Schnitt erfolgreichste Feldtorschützin der Liga. „Chantal hat auf ihre Chance gewartet und hat sie genutzt. Das ist das Ergebnis von Wille und Leidenschaft“, lobt Trainer Lucky Cojocar seine Rechtshänderin, deren Stärken über die Schnelligkeit vor allem über die zweite Welle zum Tragen kommen. Auch in der Abwehr, wo sie auf Halb deckt, hat sie dazu gelernt.

Alles andere als selbstverständlich, weil sie 2019 aus Zwehren kommend zunächst für die zweite Mannschaft vorgesehen war. Doch nun spielt die Lehramt-Studentin im Team um die derzeit verletzte Leistungsträgerin Luisa Krüger, mit der sie bei der dortigen HSG ebenso zusammen reifte wie zuvor in Baunatal mit der heutigen Kirchhöferin Katharina Koltschenko. Vor dem Derby nimmt sie sich und ihr Team in die Pflicht und sagt: „Wir müssen von Anfang an aggressiv decken, damit wir nicht wieder ins Hintertreffen geraten. Besonders das Zusammenspiel von Iker und Fege müssen wir unterbinden.“

Erfolgreiche Zeit bei Blomberg-Lippe

Ebenso wie Reimbold in Kassel geboren wurde Lina Nöchel. Und auch für Kirchhofs Nesthäkchen wird das Derby zum Heimspiel. Denn die 18-Jährige besucht seit der fünften Klasse die Fritzlarer König-Heinrich-Schule. Im kommenden Jahr steht das Abitur mit den Leistungskursen Mathe und Sport an. Und auch wenn dort eher Tischtennis angesagt ist, hat sie schon in der Schule Handball gespielt. Mit dem Verein SV Germania hatte sie indes noch nie etwas zu tun. Ihr erster Klub war die HSG Baunatal. Zwei Jahre in Kirchhof in der Jugend unter den Trainern Marc Imberger und Rica Wäscher hatte sie dann derart positiv in Erinnerung, dass klar war: Wenn zurück nach Nordhessen, dann Kirchhof. Dort hin, wo sie mit ihren Eltern Heiko Heinemann, der in Baunatal Handballer war, und Mutter Christina, die Tennis spielte, regelmäßig als Zuschauerin in der Stadtsporthalle war.

Vor allem für ihre Mutter endeten im Sommer mit der Rückkehr zu den Löwinnen drei Jahre als Chauffeur. Denn weil die Familie in Edermünde-Grifte lebt, ging es im Schnitt pro Woche viermal 120 Kilometer hin und zurück, damit Lina bei der HSG Blomberg-Lippe reifen kann. Mit Erfolg, denn die Linkshänderin wurde mit der B- und A-Jugend der HSG deutscher Vizemeister und sicherte sich mit dem Drittliga-Team zuletzt den Staffelsieg. Ein Coup, den sie nur all zu gern auch mit der SG 09 erreichen würde. „Kirchhof hat immer höhere Ziele. Wir wollen für den Aufstieg kämpfen, als kleines Ziel aber zumindest bis zur Winterpause keinen Punkt mehr abgeben“, sagt die 18-Jährige.

Mit 36/12-Toren ist Nöchel bislang die treffsicherste Spielerin ihres Teams. „Lina nimmt alles an, was man ihr sagt. Sie ist im besten Sinne des Wortes eine Handball-Arbeiterin“, lobt SG-Trainer Martin Schwarzwald die athletische Raumraumspielerin, die bei ihrem „Heimspiel“ im Derby auch ein Wiedersehen mit Fritzlars Hannah Berk feiert, mit der sie in der Jugend in Bad Hersfeld und in der Hessenauswahl zusammen spielte. (Sebastian Schmidt)

Volle Konzentration: Lina Nöchel ist eine Hoffnungsträgerin der SG 09 Kirchhof.
Volle Konzentration: Lina Nöchel ist eine Hoffnungsträgerin der SG 09 Kirchhof. © Richard Kasiewicz

Auch interessant

Kommentare