2. Bundesliga: Relegation nun fix

SG 09 Kirchhof kassiert beim 26:27 gegen die TG Nürtingen die Mutter aller Niederlagen

Gestolpert: Zerin Özcelik, hier vor Benitta Quattlender, und die SG 09 Kirchhof müssen nach der unnötigen Niederlage gegen Nürtingen in die Relegation.
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Gestolpert: Zerin Özcelik, hier vor Benitta Quattlender, und die SG 09 Kirchhof müssen nach der unnötigen Niederlage gegen Nürtingen in die Relegation.

Und wieder feierte nur der Gegner: Fünf Tage nach dem TVB Wuppertal gelang auch der TG Nürtingen der Klassenerhalt in der 2. Handball-Bundesliga bei der SG 09 Kirchhof. Der bittere Unterschied aus Kirchhöfer Sicht: Anstatt sich für einen lange couragierten Auftritt zu belohnen, verschenkten sie einen sicher geglaubten Sieg.

Melsungen – Und kassierten beim 26:27 (15:14) einen weiteren Nackenschlag vor der Relegation, die nun nicht mehr zu vermeiden ist„Es ist der Kopf. Die Angst, die sich durch dieses Seuchenjahr zieht“, wusste SG-Coach Martin Denk um das größte Problem seiner Spielerinnen und legte nach: „Wir sind einfach nicht in der Lage, in den entscheidenden Phasen die richtigen Entscheidungen zu treffen und stolpern über unsere eigenen Füße.“

Kopfproblem wird einmal mehr deutlich

In einem Spiel zweier verunsicherter Mannschaften legten zunächst die Gäste eine 4:1 (7.) und 6:3 (11.)-Führung vor. Weil Rechtsaußen Benitta Quattlender stark begann und Kirchhof einen ersten Impuls von hinten benötigte. Der kam von Torfrau Frederikke Siggaard, die zwar nicht an ihre jüngsten Gala-Vorstellungen anknüpfen konnte, dafür aber mit einer Doppelparade gegen Saskia Wagner und den Nachwurf von Carmen Siller zu begeistern wusste (12.).

Besonders Spielmacherin Mariel Beugels und die Halbrechte Greta Kavaliauskaite schwangen sich im Angriff zu Hoffnungsträgerinen auf, die mit ihrem Toren für eine Wende sorgten. Als dann auch noch Rechtsaußen Zerin Özcelik aufblühte, sich Bälle stibitzte und nervenstark per Doppelschlag zum 13:11 traf (26.), war der Boden für den möglichen fünften Heimsieg bereitet.

Kirchhof hatte alle Trümpfe in der Hand

Kirchhof baute den Vorsprung aus. Weil nun auch Diana Sabljak und Iva van der Linden aufmerksamer wurden, Pässe eroberten und sich die Bälle im Gegenstoß sicher auflegten – 20:15 (37.). „Sabljak und insbesondere die Achse mit ihr und Kreisläuferin Schaffrick hatten wir ganz gut im Griff. Aber die Umstellung auf eine 3:2:1-Deckung hat nicht geklappt, so dass wir uns etwas einfallen lassen mussten“, sagte TG-Coach Simon Hablizel. Und hatte eine Lösung, als er Beugels von Nina Fischer kurz decken ließ und seinem Team neuen Mut einhauchte, bloß nicht aufzustecken.

Was fast aussichtslos erschien, als Kapitänin und Abwehrchefin Delia Cleve die Rote Karte nach ihrer dritten Zeitstrafe sah (46.). Fortan mutierte die 31-Jährige zur lautstarken Ein-Frau-Kapelle neben der Platte, die ihr Team zur Höchstleistung trieb. Und bei Kirchhof fing das Zittern an. War die Angst zu Siegen greifbar. Da wollte nach dem 26:21 (49.) von Beugels nichts mehr gelingen.

Für Nürtingen gab‘s zur Belohnung Champagner

Erst kassierte Özcelik eine Zeitstrafe. Die Überzahl nutzte Lea Schuhknecht, um im Doppelpack per Siebenmeter zur Aufholjagd zu blasen (50.). Auf der Gegenseite fand die eingewechselte Lea Immelnkämper in Christine Hesel ihre Meisterin (51.). Wurde die als Tausendsassa berüchtigte Torfrau zur Unterschiedsspielerin. Ganz im Gegensatz zu Zorana Jurcevic, die bei ihrem Kurzeinsatz über acht Minuten keine Hand an den Ball bekam und sechs Treffer ohne eine einzige Parade kassierte. Da war sie in schlechter Gesellschaft, weil ihre Vorderleute in jeder Aktion wackelten.

Schuhknecht krönte den 6:0-Lauf mit dem kaum noch für möglich gehaltenen Tor zum 27:26 (57.). „Unsere Köpfe waren immer oben. Wir haben das zusammen am Ende perfekt gelöst“, sagt der stolze TG-Coach Hablizel. Und spendierte seinem Team als Lohn für den vorzeitigen Klassenerhalt im Bus reichlich Champagner. (Sebastian Schmidt)

Die Statistik:

Kirchhof: Siggaard (10 P./21 GT), Jurcevic (0/6) - Özcelik 4, Schaffrick 1, Harder, Evjen, van der Linden 2, Koltschenko, Sabljak 7/3, Beugels 5, Kavaliauskaite 7, Prauss, Spatz.

Nürtingen: Hesel (6/17), Schmid (2/9) - Kuhrt, Fischer 4, Häberle 2, Wieder 1, Cleve 2, Schuhknecht 8/3, Slawitsch, Eisenbraun, Siller 4, Quattlender 3, Natalello, Bauer 1, Treusch 1, Wagner 1.

SR: Engeln/Schmitz (Burscheid).

Siebenmeter: 3/3:3/3.

Zeitstrafen: 4:12-Minuten

Rote Karte: Cleve (46, dritte Zeitstrafe).

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