2. Bundesliga:

SG 09 Kirchhof nach Quarantäne zurück und gegen starkes Werder Bremen gefordert

Auf sie kommt es am Samstag an: Kirchhofs Kreisläuferin Jana Schaffrick (am Ball) und Bremens Junioren-Nationalspielerin Naomi Conze (hinten links). Zudem ist Kirchhofs Greta Kavaliauskaite im Hintergrund zu sehen.
+
Auf sie kommt es am Samstag an: Kirchhofs Kreisläuferin Jana Schaffrick (am Ball) und Bremens Junioren-Nationalspielerin Naomi Conze (hinten links). Zudem ist Kirchhofs Greta Kavaliauskaite im Hintergrund zu sehen.

Das ist eine große Herausforderung: Obwohl die Handballerinnen der SG 09 Kirchhof in den vergangenen drei Monaten mehr Tage in häuslicher Isolation als in der Stadtsporthalle verbracht haben, sind sie am Samstag (17.30 Uhr) im Kellerduell der 2. Bundesliga gegen den SV Werder Bremen gefordert.

Kirchhof – Dabei stehen zum Rückrundenstart zwei Fragen nach der bereits vierten Quarantäne im Fokus: Wer kann spielen und wer sitzt auf der Bank? Darüber hüllen sich die Verantwortlichen der SG 09 in Schweigen. Fest steht, dass Trainer Martin Denk erkrankt passen muss. Über seine Vertretung muss spekuliert werden. Denkbar wäre Unterstützung aus der Familie. Etwa von Christian Denk, der bis zum 18. Januar 2020 im Amt war. Oder von Udo Horn, der von 2007 bis 2009 Kirchhofs Trainer war. Keine Option ist indes Gernot Weiss. Das bestätigte der A-Lizenz-Inhaber auf Anfrage.

Jana Schaffrick sieht gutes Omen

Zu den Glücklichen, deren Tests immer negativ waren, gehört Jana Schaffrick. Die Kreisläuferin und Vize-Kapitänin, die sich auf den Vergleich mit den anderen Grün-Weißen besonders freut, weil es ihr Ex-Verein ist. Und der Klub, der Kirchhof besonders zu liegen scheint. Denn die vergangenen fünf Duelle gingen allesamt an die SG 09. „Das nehmen wir als gutes Omen. Besonders motiviert sind wir aber vor allem, weil wir endlich wieder spielen dürfen und im Abstiegskampf punkten müssen“, sagt die 21-Jährige.

Wohlwissend, dass acht der jüngsten neun Spiele für Kirchhof mit Niederlagen endeten. Und der Druck steigt. Immerhin: Vom Fitnessstand sieht sich Schaffrick ebenso wie alle anderen, die spielen dürfen, bereit: „Die Schulter zwickt natürlich bei jedem Wurf nach zehn Tagen ohne Handball. Aber das Tempo im Training stimmt mich optimistisch“, sagt die Vorkämpferin. Und setzt besonders auf die erste und zweite Welle, die noch zu wenig zum Tragen kommt. Die nun aber ein probates Mittel sein könnte, denn Bremen hat Schwächen in der Deckung.

Herausragende Entwicklung bei Werder Bremen

Das ist für Trainer Robert Nijdam nachvollziehbar. Mit Marie Andresen (zu Erstligist HSG Blomberg-Lippe) und Meike Anschütz (Karriereende) musste ein starkes Duo im Tor ersetzt werden. Als Nachfolgerinnen kamen zwei U 21-Kräfte, die sich erstmals auf diesem Niveau beweisen: Danique Trooster (DSDV Deurningen) und Victoria Nigbur (SV Henstedt-Ulzburg). „Eine klare Nummer eins gibt es nicht, aber beide werden immer wertvoller. Die Entwicklung stimmt und der Prozess ist mir ohnehin wichtiger“, erklärt Robert Nijdam. Der 49-jährige Niederländer ist seit Dezember 2019 in Bremen.

Mit der Philosophie, einen schnellen Stil zu kreieren. Ohne Ausnahmespielerin, die in der Torjägerliste führt, sondern mit gleichwertig gefährlichen Spielerinnen auf allen Positionen. So holte Werder 9:1-Punkte aus fünf ungeschlagenen Spielen in Serie. Da traf Abwehrchefin Lena Thomas (38/2 Treffer bislang) beim 27:27-Coup in Zwickau bei zehn Versuchen zehn Mal. Da hat sich U 18-Nationalspielerin Nina Engel (67) als Linkshänderin zu einem Trumpf gemausert und wird auch im Innenblock sicherer. Da trifft Maren Gajewksi (45) konstant von Rechtsaußen. Und da sorgen Denise Engelke (38/7), Spielmacherin Rabea Neßlage (31/19), Rückkehrerin Merle Heidergott (31/4), die 2017/18 Spielerin der Saison in der 2. Liga war, und mit Naomi Conze die zweite U 18-Nationalspielerin für einen stark besetzten Rückraum.

Zudem freut sich Nijdam über die wiedergenesene Jordis Mehrtens, die er von einer Linksaußen zur Kreisläuferin umfunktionierte. Denn dadurch reist Bremen mit dem kompletten 16er-Kader an. „Zu Saisonbeginn hatten wir noch zu viel Angst, zu verlieren. Jetzt wissen wir, was wir können“, betont Nijdam. Das können die Corona gebeutelten Gastgeberinnen nicht von sich behaupten.

Ticket als Hilfe für SG 09 Kirchhof

Zu den Lichtblicken für die SG 09 Kirchhof zählt die Auswertung der Livestreams. 1588 Zuschauer wurden beim Heimspiel gegen den TSV Nord Harrislee gezählt. Auch in den übrigen Partien, die wie das Spiel am Samstag gegen Bremen kostenlos auf www.sportdeutschland.tv übertragen werden, gab es vierstellige Aufrufzahlen. Allerdings: Finanziell macht sich das für Kirchhof nicht bemerkbar. Im Gegensatz zum Fußball bedeutet mehr Resonanz nicht höhere Einnahmen. Im Gegenteil: Laut Vertrag mit der Handball-Bundesliga Frauen müssen die Vereine sogar bezahlen, um sich im Internet präsentieren zu dürfen.

„Wir glauben nicht, dass in dieser Saison noch Zuschauer in die Hallen kommen dürfen“, erklärt Managerin Renate Denk. Dabei hatte sich ihr Verein mit bis zu 562 Fans im Schnitt (Saison 2018/19) zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Immerhin halten laut Denk die Dauerkarteninhaber der SG 09 die Treue. Alle Fans und Freunde können ab sofort zudem ein virtuelles Löwen-Ticket zu 5 Euro kaufen, um den Zweitligisten zu unterstützen. Kontakt über Renate Denk (Sebastian Schmidt und Ralf Ohm)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.