Handball

Sina Ritter beendet mit 27 Jahren ihre Karriere - Gala gegen Rödertal wird zum Abschiedsspiel

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Auf dem Rückzug: Sina Ritter nach einem Tor gegen BSV Sachsen Zwickau. Im Hintergrund die Zwickauerinnen Jenny Choinowski (Mitte) und Simona Stojkovska.

Wer hätte das gedacht? Niemand. Auch einige Kinder der Regenbogenschule in Züschen nicht, die jüngsten Fans der Sina Ritter. Nämlich dass dieser 37:25-Erfolg der SG 09 Kirchhof gegen den HC Rödertal, bei dem ihre Lehrerin glänzte, deren letzter Auftritt als Handballerin sein sollte.

„Im Nachhinein hätte ich mir als Abschiedsspiel kaum eine bessere Partie vorstellen können“, erklärt die Kapitänin des heimischen Handball-Zweitligisten, die sich bei ihrer Galavorstellung (13 Tore) noch mal so richtig „austoben“ konnte. Aber auch: „Natürlich schmerzte dieses abrupte, durch die Corona-Krise hervorgerufenen Saisonende.“

Was die 27-Jährige aber nicht davon abhielt, ihren schon länger geplanten Rücktritt zu überdenken. „Um das Glück nicht herauszufordern“, wie Sina Ritter sagt. Dankbar dafür, dass sie nach ihrem dritten Kreuzbandriss und ihrem Comeback 2017 noch drei Jahre Bundesliga-Handball ohne eine weitere Knieverletzung hatte spielen dürfen.

Zwei bei der HSG Bad Wildungen in der 1. Liga und eins bei der SG 09 Kirchhof in der 2. Liga. Was sie trotz mancher Turbulenzen und wieder kehrender Beschwerden („Ich konnte kaum noch schmerzfrei trainieren“) als „geglückt“ bezeichnet. Denn: „Wir haben uns gemeinsam aus der zwischenzeitlichen Krise heraus gekämpft und letztlich gezeigt, was wir drauf haben.“ So beendete die Mannschaft die Saison letztlich auf einem Nicht-Abstiegsplatz.

Irgendwie schließt sich mit Ritters Abschiedsvorstellung in der Melsunger Stadtsporthalle ein Kreis. Dort, wo es einst begann, hörte es nun auch auf. Als kleines Mädchen hatte sie Mutter Jutta Ritter, damals Torfrau der Melsunger TG, mit zu den Heimspielen des Regionalligisten genommen. Und wurde mit sechs Jahren gefragt, ob sie nicht auch Lust hätte Handball zu spielen.

Und ob Sina die hatte. Bei ihrem Heimatverein HSG Hoof/Sand/Wolfhagen reifte die gebürtige Wolfhagenerin - als Linksaußen im jüngeren und Rückraumspielerin im älteren Jahrgang - gar zur Jugend-Nationalspielerin. Ihr erstes Länderspiel bestritt sie mit 15 Jahren in Polen.

Rücktritt nach drittem Kreuzbandriss

Natürlich war mittlerweile die Handballwelt auf das Talent aufmerksam geworden. Auch Zweitligist Kirchhof, wo Sina Ritter unter Udo Horn mittrainieren konnte und ihr Einsatz im Frauenteam (mit Zweitspielrecht) bereits geplant war. Es kam nicht dazu. Auch die Junioren-Europameisterschaft musste ausfallen. Der Grund: der erste Kreuzbandriss kurz nach ihrem 16. Geburtstag.

Der zweite (2010) stoppte ihren Aufstieg bei der HSG Blomberg/Lippe, dessen Handball-Internat sie besuchte. So feierte Sina Ritter ihr Bundesliga-Debüt nach ihrem Abitur nahe der Heimat: 2012 bei der HSG Bad Wildungen. Noch in der gleichen Saison wechselte die Rechtshänderin wegen ihres Studiums in Lüneburg zum SV Buxtehude - der Ritterschlag. „Es war eine große Ehre für mich bei solch‘ einem Topverein zu spielen“, blickt Sina Ritter noch heute etwas andächtig zurück. Obwohl die damals 19-Jährige mit Lone Fischer eine langjährige Nationalspielerin vor sich hatte, konnte sie sich ihre Spielanteile sichern.

Keine Frage, Sina Ritter war auf einem richtig guten Weg. Bis zum dritten Kreuzbandriss 2013. Gefolgt von der Entscheidung einer frustrierten 21-Jährigen, mit dem Handball aufzuhören. Die der Wirbelwind auf dem Feld nach dem Ende ihres Studiums 2017 noch mal revidierte, weil die Lust wieder „da“ war.

Zum Glück für Bad Wildungen und Kirchhof. Und für die Erstklässler der Lehrerin, die umso trauriger darüber sind, dass es noch einen Rücktritt vom Rücktritt wohl nicht mehr geben wird. Denn Sina Ritter möchte sich endlich wieder schmerzfrei bewegen können. Und das geht wohl nur ohne Leistungshandball.

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