Führende der Torjägerliste

Deborah Spatz ist bei der SG 09 Kirchhof II durchgestartet

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Unwiderstehlich: Deborah Spatz (am Ball) zieht hier vor Böddigers Vilte Duknauskaite (in Weiß) und Kirchhof-Mitspielerin Jana Schaffrick ab. Das war einer ihrer elf Treffer beim souveränen 37:29-Derbysieg am 17. November vor 280 Zuschauern in Melsungen. 

Es gibt auch im Mannschaftssport Athleten, die definieren sich in erster Linie über persönliche Erfolge. Die führen Buch über Treffer und Vorlagen. Und es gibt Deborah Spatz, die nie weiß, wie oft sie getroffen hat.

Dennoch – oder gerade deshalb – führt die Rückraumspielerin von der SG 09 Kirchhof II die mit 84/18-Treffern die Torjägerliste der Handball-Oberliga an. „Deborahs Entwicklung ist der Wahnsinn. Sie ist ein Riesentalent, das alles aufnimmt und sich immer weiterentwickeln möchte“, lobt SG-Coach Martin Denk die 20-Jährige, deren Freund Niklas Willrich beim TSV Vellmar aktuell weniger zu Lachen hat. 

Es bedurfte indes einiger Zufälle, ehe die wurfgewaltige Rückraumspielerin in Kirchhof landete. Geboren wurde Spatz in Rheinfelden in Baden-Württemberg, spielte Handball ab ihrem zehnten Lebensjahr bei der HSG Wettenberg, ehe die Familie vor fünf Jahren nach Baunatal zog. Dort spielte sie bei der HSG in der Bezirksoberliga.

Lea Immelnkämper nahm sie zum Training mit

Verschenkt meinte nicht nur Lea Immelnkämper. Ihre heutige Mitspielerin und Freundin nebst Teil der Fahrgemeinschaft – auch zur Ausbildung als Physiotherapeutin in Hessisch Lichtenau. Denn weil „auch Baunatal ein Dorf ist“, kannten sich beide vom Sehen. Und Immelnkämper nahm Spatz einfach mal zum Probetraining mit.

„Ach du meine Güte“, blickt Spatz auf diese Einheit zurück. Beeindruckt vom höheren Tempo und besserer Technik. Verbunden mit dem Ehrgeiz, sich in der Oberliga beweisen zu wollen. Jedoch mit Anlauf. Eine Knochenabsplitterung an der Wurfhand gleich zu Beginn im Trikot der SG verhinderte, dass sie sich schnell zeigen konnte und geduldig hinter Marie Herwig reifte. „Ich habe ein Jahr gebraucht“, betont Spatz, der in ihrer ersten Saison 54-Treffer gelangen. Das war intern der siebte Platz.

Fleißig und mit frechen Sprüchen

Mittlerweile hat die Rechtshänderin, die sich auf halbrechts überraschend sicherer als auf halblinks fühlt, mit Gardemaß von 1,79 m auf ein ganz anderes Niveau gehoben. Mit Extra-Schichten im Fitnessstudio und als Trainingsweltmeisterin, die keine Einheit in Kirchhof verpasst. Da darf sie schon mal eine dicke Lippe riskieren. Denn nicht nur auf der Platte versucht sie die verletzte Marie Herwig würdig zu vertreten. „Schickt für heute?“ ist nun der kesse Klassiker, wenn die Kräfte im Training schwinden. Das quittiert Martin Denk in der Regel mit einem Lächeln.

„Deborah macht Sachen, mit denen keiner rechnet. Sie steigt zum Beispiel mit beiden Beinen beim Wurf ab, was es sonst nur in höheren Ligen gibt“, lobt der Coach des Tabellenvierten seine Senkrechtstarterin, die sich stark im Eins-gegen-Eins behauptet und auch stabiler in der Abwehrarbeit wird. Fair wie keine Zweite, denn eine Zeitstrafe kassierte sie noch nie. Zur Belohnung durfte sie schon im Zweitliga-Kader reinschnuppern. Einige Minuten im DHB-Pokal gegen Meister Bietigheim inklusive.

Deborah Spatz bleibt in Kirchhof

Und obwohl sie nächste Saison als dann 21-Jährige nicht mehr für beide Teams spielen darf, bleibt sie Kirchhof definitiv treu. „Ich will meine Leistung bestätigen und meine Wurfquote verbessern“, betont Deborah Spatz. Was mit Blick etwa auf 18 Treffer aus 19 Versuchen bei Siebenmetern durchaus eine Ansage an die Konkurrenz ist. Wobei nicht sicher ist, dass dem Teamplayer dieser Top-Wert bekannt sind.

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