Es ist sein 51. Trainerjahr 

Herluf Linde von Kirchhof-Gegner Harrislee freut sich über vorzeitigen Klassenerhalt

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Klassenerhalt vorzeitig geschafft: Herluf Linde, Trainer TSV Nord Harrislee, der mit dem Aufsteiger heute bei der SG 09 Kirchhof gastiert.

Harrislee/Kirchhof - Die Frage lautet: Wer ist der dienstälteste Trainer der 2. Bundesliga der Frauen? Die Antwort: Herluf Linde, der heute (18 Uhr Stadtsporthalle Melsungen) mit dem TSV Nord Harrislee bei der SG 09 Kirchhof antritt.

So weit, so gut, aber es geht noch besser. Denn: Das Nordlicht steht mittlerweile 51 Jahre an der Linie. Eine in ganz Handball-Deutschland beeindruckende Statistik, die der Coach trotzdem toppt: Er ist erst 61 Jahre alt, muss also seine Trainerkarriere im zarten Alter von elf Jahren begonnen haben.

Und das kam so: 1968 klopften engagierte Mitarbeiter des TSV Glücksburg bei den Lindes an, um den Filius für den Handball zu gewinnen. In dem Wissen, dass der Mitgliedsbeitrag bei insgesamt neun Geschwistern nicht drin war. „Erst war es mir peinlich, dann war ich froh, dass es geklappt hat“, hat Herluf Linde diese Situation noch gut im Gedächtnis, in der bei ihm „ein Keim gesät wurde“. Nämlich der, als Trainer später etwas zurückgeben zu wollen, ohne dafür selbst etwas zu verlangen.

So begann seine Laufbahn als Co-Trainer der Minis, während er selbst als C-Jugendlicher dem Ball nachjagte. Seitdem hat der gebürtige Flensburger ständig Vereins- und Verbandsmannschaften - von der Kreis- über die Bezirks- bis zur Landesauswahl - trainiert. Parallel dazu selbst gespielt und irgendwann gemerkt, „dass es bei mir nicht zu einer Profikarriere reicht“. Immerhin reichte es beim TSB Flensburg und - nach seiner Rückkehr - in Glücksburg (als Spielertrainer) zum Sprung in die Regionalliga.

Also konzentrierte sich Herluf Linde aufs Coachen. Äußerst erfolgreich. Über die dänischen Clubs IF Stjernen und Munkbrarup landete er 2003 bei der SG Flensburg-Handewitt, deren B-Jugend er 2004 zur Deutschen Meisterschaft führte. Das gelang ihm danach mit der weiblichen A-Jugend der SG Oeversee/Jarplung-Weding sogar zwei Mal (2009 und 2010).

Dreimal Deutscher Meister

Nach seinem Engagement bei SG Handewitt-Nord Harrislee, deren A-Jugend er in die Bundesliga führte, war wegen seines Hausbaus eigentlich eine längere Pause vorgesehen. Die reduzierte sich auf sechs Wochen, als der Realschule-Lehrer 2014 das Projekt „Neuaufbau“ beim TSV Nord Harrislee in Angriff nahm. Dort hatte die Zweitliga-Mannschaft gerade einen wirtschaftlichen bedingten Rückzug von der 2. in die 3. Liga zu verkraften, was die Auflösung fast des gesamten Kaders zur Folge hatte. „Ich hab‘ mit zwei Mädels begonnen“, erinnert sich Herluf Linde. Also machte er sich seine Kontakte und seinen guten Ruf bei der Nachwuchsarbeit zunutze, sammelte die heimischen Talente ein, kehrte mit Harrislee im vierten Jahr in die 2. Liga zurück und schaffte dort, als Abstiegskandidat gehandelt, bereits sechs Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt.

„Das ist für uns soviel wert wie die Deutsche Meisterschaft“, sagt der Ex-Meister, der mit seinen Mädels „auf den Mond fliegen würde“. Denn: Der Zusammenhalt sei traumhaft, „jedes einzelne Mitglied stärkt das Team und das Team jedes Mitglied.“ So werden Nachteile bei den Rahmenbedingungen (kleiner Etat, lange Anreise) und - im Vergleich zur Konkurrenz - weniger individuelle Klasse aufgefangen.

Komplimente hat er auch für den heutigen Gastgeber: „Kirchhof spielt den attraktivsten Handball der 2. Liga.“ Dafür sei die Mentalität seiner Schützlinge nicht zu übertreffen. Die werden genauso wie ihr Coach die letzten vier Spiele im Gefühl des Klassenerhalts noch mehr genießen. Ehe dann wieder Kärrnerarbeit auf „Shorty“ Linde wartet, um das häufig schwerere zweite Jahr in der 2. Liga zu überstehen. Eine durchaus würdige Aufgabe für sein 52. Trainerjahr.

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