2. Bundesliga:

SG 09 Kirchhof versagt gegen TVB Wuppertal auf ganzer Linie

Blicke ins Leere: Die Kirchhoferinnen (von links) Paulina Harder, Emilia Prauss, Zerin Özcelik, Mariel Beugels und Ida Evjen erlebten beim 17:29 im Kellerduell mit dem TVB Wuppertal ein Desaster und müssen sich auf zwei schwere Relegationsspiele im Juni einstellen.
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Blicke ins Leere: Die Kirchhoferinnen (von links) Paulina Harder, Emilia Prauss, Zerin Özcelik, Mariel Beugels und Ida Evjen erlebten beim 17:29 im Kellerduell mit dem TVB Wuppertal ein Desaster und müssen sich auf zwei schwere Relegationsspiele im Juni einstellen.

Wenn Handballerinnen noch während des Spiels erste Tränchen vergießen. Wenn die Ersatzspielerinnen den sportlichen Untergang ihres Teams regungslos weil merklich geschockt verfolgen. Wenn ein Trainer nicht mehr hinschauen möchte. Dann ist ein Tiefpunkt erreicht. Zweitligist SG 09 Kirchhof ergab sich dem TVB Wuppertal beim 17:29 (10:13) im zweiten Durchgang des Kellerduells kampflos.

Melsungen – Damit sind die Schicksalsspiele in der Relegation fast nicht mehr zu vermeiden. „Wir waren viel zu hektisch, hatten keine Linie in unserem Spiel. Dazu kommt, dass Wuppertal voll im Flow ist. Das hat uns nach der Pause getötet“, analysierte SG-Kapitänin Diana Sabljak. Und sprach von einem „Chaos, das nicht mehr zu stoppen war.“ Sie selbst wurde von Ramona Ruthenbeck an die kurze Leine gelegt. Da Klara Schlegel zeitgleich bei ihrem Stammverein Thüringer HC gebraucht wurde und Greta Kavaliauskaite eine harte, aber vertretbare Rote Karte für ein Foulspiel an Anna Lena Bergmann sah (18.), waren die beiden treffsichersten Kirchhoferinnen sowie die zuletzt im Angriff formverbesserte Litauerin außen vor.

Vor allem die beiden Niederländerinnen Mariel Beugels und Iva van der Linden wirkten völlig verunsichert und leisteten sich viel zu leichte Ballverluste im Aufbau (Beugels) sowie technische Fehler und Unkonzentriertheiten (van der Linden). Da konnten einem die zweitliga-unerfahrenen Deborah Spatz und Katharina Koltschenko leidtun, weil sie zumindest noch versuchten, Widerstand zu leisten. Und da waren die Gäste überrascht, wie leicht und schnell sie sich nach dem 12:10 (27.) absetzen konnten.

Wuppertal nach fünftem Sieg in Serie gerettet

„Wir sind über 60 Minuten als Mannschaft fokussiert geblieben. In der Deckung waren wir aggressiv und konnten uns auf zwei starke Torhüterinnen verlassen“, betonte TVB-Coach Dominik Schlechter, dessen Team mit dem fünften Sieg in Serie sensationell noch den vorzeitigen Klassenerhalt schaffte. Auch dank Mut des Trainers, der die gut aufgelegte Dana Centini zur Halbzeit aus dem Tor nahm, um der emsigen Katja Grewe eine Bewährungschance zu geben. Die nutzte sie mit Bravour. Zur Krönung gelang der 22-Jährigen mit einem Geistesblitz der Treffer zum 18:10 (39.) ins verwaiste Tor. Mit diesem 6:0-Lauf war die Vorentscheidung zugunsten der Gäste bereits perfekt.

Einhergehend mit einer gespenstischen Stille in der Stadtsporthalle, als die Spielerinnen so sehr wie nie in dieser Saison Zuspruch von den Rängen gebraucht hätten. Stattdessen ergötzte sich lediglich die siebenköpfige Delegation aus Wuppertal am Spielfeldrand am Geschehen auf der Platte. „Bis zur Roten Karte war noch alles okay, dann ist alles wie ein Kartenhaus zusammen gebrochen. So darf man sich in solch einem wichtigen Spiel nicht präsentieren und wir müssen uns daher alle hinterfragen“, betonte SG-Coach Martin Denk.

Denk muss Spielerinnen wieder aufbauen

Die Rechnung für Kirchhof ist nun ebenso einfach (mathematisch) wie kompliziert (sportlich). Denn nur zwei Siege über die TG Nürtingen am kommenden Donnerstag (16 Uhr in Melsungen) sowie am 22. Mai bei den Baden-Württembergerinnen und drei weitere Niederlagen der TG (die u.a. noch gegen den jetzt feststehenden Absteiger HC Rödertal spielt) würden der SG 09 die Relegation (wohl am 6. und 9. Juni) ersparen.

Somit regiert in Kirchhof das Prinzip Hoffnung. „Wir müssen diesen nach der Pause emotionslosen und grausamen Auftritt schnell aus unseren Köpfen streichen. Natürlich wollen wir gegen Nürtingen unsere allerletzte Chance suchen, aber wenn es die Relegation wird, sind wir stark genug besetzt, um einen Drittligisten zu schlagen“, sagt Denk, der seine Aufgabe in den kommenden Tagen vor allem darin sieht, „unsere geplätteten Spielerinnen wieder aufzubauen.“ (Sebastian Schmidt)

Die Statistik:

Kirchhof: Siggaard (5 P./24 GT), Jurcevic (4/5) - Özcelik 4, Schaffrick 1, Harder, Immelnkämper, Evjen 1, van der Linden 2, Koltschenko 1, Sabljak 4/1, Beugels 1, Kavaliauskaite, Prauss, Spatz 3.

Wuppertal: Grewe (11/7) 1 Tor, Centini (8/10) - Schmitz 1, Ruthenbeck 9/5, Wagner 4, Matavs 5/2, Bergmann 4, Stens 3, Weisz, Havel, Krogh, Hovenjürgen 2.

SR: Eckert/Hartmann (Leipzig).

Siebenmeter: 1/2:7/9

Zeitstrafen: 6:8-Minuten

Rote Karte: Kavaliauskaite (18, Foulspiel).

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