1. Startseite
  2. Sport
  3. Handball regional

Trainerin der Wildunger Vipers sieht ihr Team mit nur einem Sieg noch im Soll

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Handballerinnen
In Bedrängnis: Die Wildunger Handballerinnen wissen nach acht Saisonspielen noch nicht, wo sie stehen. In der Bundesliga-Tabelle reicht die bisherige Leistung nur für den vorletzten Platz, aber Trainerin Tessa Bremmer sieht in dieser Mannschaft mehr Potential. Das Bild zeigt eine Szene aus dem verkorksten ersten Spiel gegen Leverkusen und für die Vipers-Neuzugänge Jolina Huhnstock (links) und Annika Hampel ist hier kein Durchkommen. © malafo

Bad Wildungen – Acht Spiele, ein Sieg, sieben Niederlagen. Die bisherige Bundesliga-Saisonbilanz der Handballerinnen der HSG Bad Wildungen Vipers fällt nicht gerade rosig aus, aber die Trainerin Tessa Bremmer liest diese Zahlen anders.

„Wir wissen natürlich, gegen wen wir punkten können, wenn wir unsere Leistung bringen und legt man diese Überlegung bei den acht Spielen zugrunde, dann hätten wir zwei, wenn es ganz gut gelaufen wäre, vier Punkte mehr holen können.“

Ihr Team habe die beiden Fifty-Fifty-Spiele in Halle und gegen Leverkusen verloren, aber gegen Rosengarten, ein direkter Konkurrent um den Klassenerhalt, gewonnen. „Ich mache mir noch keine Sorgen, denn die entscheidenden Spiele kommen alle erst noch“, sagt die Trainerin.

Zum Saisonauftakt eine Niederlage für den Kopf

Für sie war gleich das erste Spiel der Knackpunkt für den weiteren Saisonverlauf. „Das verkorkste Spiel gegen Leverkusen (24:27), hat bei uns so richtig reingehauen.“ Mit so einem Rückschlag, habe niemand gerechnet. Bremmer schwärmt noch von der guten Vorbereitungszeit, ihr Team sei immer besser geworden und habe kurz vor dem Saisonstart mit einer guten Leistung die Testspiele gegen die Ligakonkurrenten aus Oldenburg und Buxtehude gewonnen. „Die Spielerinnen hatten sehr hohe Erwartungen an sich und dann lagen wir zur Pause gegen Leverkusen schon 8:17 zurück.“

Es war vor allem eine Niederlage für den Kopf. „Danach hatten wir mental sehr mit uns zu kämpfen und es dauerte zwei, drei Wochen, bis wir da wieder rausgekommen sind“, erinnert sich die Trainerin. Danach habe sich die Mannschaft sportlich zwar wieder gefangen, aber die Gegner seien zu stark gewesen. So folgten Niederlagen in Metzingen (27:35), Bietigheim (23:41) und gegen Blomberg (22:32).

„Sportlich sind wir auf einem guten Weg, aber ich glaube, dass wir im mentalen Bereich noch viel arbeiten müssen, um zu lernen, wie man mit Leistungsdruck umgeht.“ Das klingt zunächst sehr negativ, aber Bremmer mag diese Mannschaft. In ihr stecke ein extremer Wille und sie sei zur Selbstkritik fähig, lobt die Niederländerin.

Fast schon ein wenig zuviel, bedauert die Trainerin, denn manchmal seien ihre Spielerinnen zu selbstkritisch, erwarteten zu viel von sich und wenn „das nicht eintrifft, wird man unsicher und macht sich zu viele Gedanken. Das ist auch nicht gut“.

Pokal-Runden als Aufbauhilfe

Die Trainerin würde zu gern wissen, wie jede ihrer Spielerinnen tickt, aber das ist für sie und Co-Trainerin Sabine Heusdens nicht zu leisten. „Mit 16 Spielerinnen haben wir nicht die Zeit im Training jede individuell zu betreuen.“ Und man könne im Training noch so viel im mentalen Bereich arbeiten, letztendlich lande man immer wieder bei dieser Goldenen Regel im Sport: Selbstvertrauen und der Spaß kommen nur durch Erfolge zurück.“

Der Pokal baute die Vipers in dieser Saison wieder auf. Erst der Sieg gegen den Drittligisten Kirchhof und dann der 36:28-Erfolg beim Zweitligisten Kurpfalz Bären aus Ketsch. Wenn sie die hohe Hürde in Buxtehude Ende Januar auch noch nehmen würden, ständen die Vipers im Final-4-Finale.

Zwei Handballspielerinnen
Munia Smits ist bisher mit 50 Toren die erfolgreichste Werferin bei den Wildunger Vipers. © Kaliske

Natürlich war auch der bislang einzige Sieg, 29:23 gegen Rosengarten, von Bedeutung, allein schon deshalb, um diese null Punkte aus den Köpfen zu bekommen. Dennoch sagt Bremmer: „Das war eins von unseren schwächeren Spielen in dieser Saison.“

Die beste Saisonleistung ihres Team wurde leider nicht mit einem Sieg belohnt. Trotzdem erinnert sich Bremmer nicht ungern an diese Niederlage in Halle. „Wir hatten das Pech, dass bei Halle an diesem Tag alles geklappt hat. Wir waren gut, aber die immer ein bisschen besser. Leider war unser Torwartleistung nicht besonders, die der Torfrau aus Halle hingegen überragend. Es fehlte in diesem Spiel das Quäntchen Glück, das uns insgesamt in dieser Saison bisher gefehlt hat.“

Eine Mannschaft, die gern bereit ist zu arbeiten

Die Fans der Vipers sehnen sich nach konstanten Leistungen der Mannschaft. Sind die überhaupt möglich bei diesen Leistungsunterschieden in der Liga? „Die Antwort darauf liegt in der jeweiligen Erwartungshaltung“, meint Bremmer. „Was wäre für uns eine konstante Leistung, müssen wir dafür zwei Spiele gewinnen oder zehn?“

Die Trainerin wünscht sich dagegen von jeder Spielerin eine konstantere Leistung. „Uns haben in dieser Saison zwei, drei Spielerinnen gefehlt, die konstant auf einem hohen Level spielen. So etwas kann gerade eine junge Mannschaft unheimlich mitreißen.“ Bremmer möchte hier keine Namen nennen, auch, weil sie viel Vertrauen zu diesem Team hat. „Ich sehe eine unglaubliche Bereitschaft zu arbeiten und bei jeder Spielerin Freude am Tun. Die Trainingsintensität war immer bei den Vipers hoch, weil ich nicht erlaube, dass sie absinkt, aber ich muss jetzt weniger darum kämpfen als in früheren Zeiten.“

Mit den Neuzugängen ist Bremmer weitgehend zufrieden, auch wenn Julie Hafner und Leonie Patorra bereits sehr früh ins Lager der Langzeitverletzten wechseln mussten. Jolina Huhnstock haben am Kreis große Fortschritte gemacht und sie könne sich hinter Annika Ingenpaß gut entwickeln. Verena Osswald kämpfe sich immer näher heran und Annika Hampl habe wegen Einsätzen bei der U19 Nationalmannschaft die Vorbereitung nahezu komplett verpasst. „Dennoch konnte man sehen, was für ein großes Potential in ihr steckt, sie sorgt für viel Druck und Tempo.“

„Wir sind extrem wurfschwach“

Nach den Niederlagen gegen den Thüringer HC (26:31) und Neckarsulm (31:33) folgt die vierwöchige WM-Pause. Die Vipers müssen keine Spielerin für dieses Turnier abstellen. Bremmer hat in dieser spielfreien Zeit aber keinen speziellen Trainingseinheiten geplant. „Ich denke, wir haben uns in der Abwehr verbessert, sind mit drei verschiedenen Systemem sehr flexibel geworden und können mittleweile das Risiko eingehen, auch offensiv zu decken.“ Auch mit der Angriffsleistung ihres Teams ist die Trainerin weitgehend zufrieden. „Wir strahlen gegenüber den letzten Jahren mehr Torgefahr aus, aber wir sind extrem wurfschwach.“

Da ihre Mannschaft im athletischen Bereich gut aufgestellt sei, werde sie viel im mentalen Bereich arbeiten, Gespräche führen und versuchen, das Selbstvertrauen zu fördern. Der Kopf ihrer Spielerinnen sollte spätestens nach Weihnachten wieder frei sein, denn dann treffen die Vipers auf den VfL Oldenburg (29. Dezember) und Zwickau (2. Januar). Zwei wegweisende Spiele. rsm

Auch interessant

Kommentare