Handball-Geschichte

Vor 25 Jahren: TG Münden erstmals Regionalligist

Niedersachsenmeister 1996: Die TG Münden.
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Niedersachsenmeister 1996: Die TG mit Azis Hodzic (hinten von links), Betreuer Herbert Wieland, Frank Janotta, Michael Motz, Olaf Henkel, Rüdiger Wartenberg, Markus Andreassen, Mathias Wenzel, Martin Rüger, Betreuer Hans-Henning Möller, (vorne von links) Arne Schmidt, Markus Piszczan, Tristan Pfurr, Hauke Schuler, Markus Conrad und Trainer Reiner Schmitz. Es fehlen: Axel Randolph und Marc Wieland. Archiv: Barth

Nur wenige Vereine in Niedersachsen feierten derart große Erfolge wie die TG Münden Mitte der 1990er Jahre. Die Handballer schafften unter Trainer Reiner Schmitz den Durchmarsch von der Bezirks- in die Regionalliga. Vor genau 25 Jahren konnte darauf in der damaligen Brauereischenke angestoßen werden.

Hann. Münden – Nach ihrem Treffen vor fünf Jahren wollte die erfolgreiche Mannschaft von damals auch das 25-jährige Jubiläum gemeinsam begehen, doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Mannschaftskapitän Frank Janotta war darüber natürlich alles andere als froh. Beim Blick zurück weiß der damals 29-jährige Kreisläufer noch ganz genau, dass sich nach dem Sprung in die Oberliga im Frühjahr 1995 niemand vorstellen konnte, dass es noch eine Etage höher gehen könnte. Auch Rechtsaußen Markus Conrad bestätigt: „Wir Spieler hatten uns eigentlich auf den Kampf um den Klassenerhalt eingerichtet. Im Endeffekt stellte sich aber heraus, dass wir die spielstärkste Mannschaft der Liga besaßen.“

Es waren andere Zeiten. Zeiten, in denen Erfolge noch möglich waren, ohne dass Geld an jeden einzelnen Spieler floss. Und man konnte talentierte Eigengewächse noch länger in seinen Reihen halten – eine intensive Nachwuchsarbeit wurde belohnt. Trainer Reiner Schmitz kam bei den Spielern gut an. „Er hat mit dem Training und seiner lockeren Art viel dazu beigetragen, dass wir ganz entspannt auflaufen konnten“, sagt Janotta. Und der Coach selbst möchte nicht vergessen zu erwähnen, dass seine Truppe enorm an sich arbeitete: „Man hat damals gemerkt, dass wir oft in der Schlussphase eines Spiels mehr zuzusetzen hatten.“

Die TG hatte besonders ihr Konterspiel perfektioniert. Dafür stellte Torhüter Azis Hodzic mit seinen Paraden die Basis. Als Flüchtling war er aus Bosnien nach Münden gekommen und blieb den Südniedersachsen auch nach dem Aufstieg in die Regionalliga erhalten. Auf ihn konnte sich Reiner Schmitz verlassen. Der damals 39-jährige Coach, der heute dem Vereinsvorstand angehört, sagt: „In der Mannschaft herrschte nach zwei Aufstiegen Euphorie und sie kam dann auch in der Oberliga in einen derartigen Flow, dass sie nicht zu stoppen war.“ Als beste Torschützen zeichneten sich die Rückraumspieler Olaf Henkel (117 Treffer) und Martin Rüger (102) sowie Linksaußen Markus Andreassen (89) aus. „Insgesamt hat aber jeder seine Leistung gebracht, und eine solch gute Chemie innerhalb einer Mannschaft findet man nur ganz selten“, betont Schmitz den Zusammenhalt.

Was sie im April 1996 erreicht hatten, war Trainer und Spielern offensichtlich nicht sofort klar gewesen. Relativ brav stellte sich das Team nach dem entscheidenden 21:18-Sieg gegen den heutigen Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf zum Meisterfoto auf und Reiner Schmitz brachte laut HNA-Artikel lediglich die Worte „einfach nur schön“ heraus. Auch der Umfang der Berichterstattung in der Tagespresse schien einem solchen Ereignis nicht ganz gerecht zu werden. Jedenfalls fiel der Artikel über die verpasste Meisterschaft der Mündener A-Jugend auf derselben Zeitungsseite größer aus. Auch in diesem Punkt waren es halt andere Zeiten.

Bereits am drittletzten Spieltag hatte sich die TG die Niedersachsenmeisterschaft und den Aufstieg in die Regionalliga gesichert. Am Ende hatte die Mannschaft mit 46:6 Zählern stattliche sieben Punkte Vorsprung vor Vizemeister VfL Bad Nenndorf.

Nach dem erstmaligen Sprung in die Drittklassigkeit, so erinnert sich Reiner Schmitz, gab es verlockende Angebote für die Mündener Eigengewächse. Doch nicht nur Martin Rüger, der als Herz der Mannschaft galt, blieb der TG erhalten. Auf die hoffnungsfroh erwarteten Derbys gegen die 1996 aus der 2. Liga abgestiegenen Spieler von Göttingen 05 musste die TG verzichten – die 05er meldeten sich aus der Regionalliga ab. Dafür kamen aus ihrem Kader die Mündener Stefan Choi und Torhüter Reinhard Schmidt zurück. Reiner Schmitz gab nach dem ersten Regionalligajahr sein Traineramt an Thomas Damm ab, ehe er noch einmal für zwei weitere Saisons zurückkehrte. (Manuel Brandenstein)

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