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Münden: „Wir genießen einfach die Situation“

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Von: Manuel Brandenstein

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Die TG mit Trainer Hazim Prezic (oben in der Mitte) tanzen nach einem Sieg im Kreis.
Immer öfter: Die TG mit Trainer Hazim Prezic (oben in der Mitte) tanzen nach einem Sieg im Kreis. © Manuel Brandenstein

Wie verwandelt präsentierten sich die Handballer der TG Münden in der ersten Halbserie der Verbandsliga-Niedersachsen.

Hann. Münden – Jene Mannschaft, die in den vergangenen Jahren stets gegen einen weiteren Abstieg gekämpft hatte, scheint endlich die Wende zu schaffen. Zur Weihnachtspause ist die Mannschaft des neuen Trainergespanns, Hazim Prezic und Udo Traute, nach 70 gemeinsamen Trainingseinheiten und 15 Spielen Tabellenführer. Wir ziehen eine Zwischenbilanz.

War das Abschneiden in irgendeiner Form zu erwarten gewesen?
Ein klares Nein! Zumal es im Sommer nicht gelang, Verstärkungen an Land zu ziehen, die Tore garantieren. Trainer Hazim Prezic sagt: „Als wir uns die Mannschaft in der vergangenen Saison angeschaut haben, wurde klar, dass die Spieler zwar Potenzial haben, dieses aber nicht abrufen konnten. Die Mannschaft war physisch und psychisch in keinem guten Zustand.“ Im Sommer wurde dann gesagt, dass Christian Grambow, der das Mündener Spiel über Jahre geprägt hatte, noch einmal zurückkommen würde. Als sich diese Prognose aufgrund eines Knieschadens in Luft auflöste, war Grambows Karriere-Ende nicht nur für Hazim Prezic ein gehöriger Dämpfer. Deshalb aber die Erwartungen an die Mannschaft gänzlich herunterzuschrauben, wäre nicht des Trainers Art gewesen. Er ergänzt: „Udo und ich wussten, dass wir erst mal an der konditionellen Schraube drehen mussten. Dann würden die Spieler weniger Fehler machen und wenn sie weniger Fehler machen, dann kann auch jeder Verantwortung übernehmen.“ Gerade das war nach Grambows Ausscheiden der Schlüssel zum Erfolg. Denn auszurechnen war die TG nie.

Welche weiteren Dinge wurden verändert?
Der Fokus auf den nächsten Gegner wurde geschärft. Vor allem die Torhüter, Mario Görtler und Patrick Sonne, profitierten und konnten sich enorm steigern. Dank der Sonderbetreuung durch Torwarttrainer Udo Traute, der bei der Auswertung von gegnerischen Wurfbildern als akribischer Arbeiter gilt. Selbst der mittlerweile als Zuschauer auf der Tribüne beeindruckte Christian Grambow meinte: „Früher waren wir über sieben oder acht gehaltene Bälle schon froh, aber das jetzt ist eine andere Dimension.“ Mittlerweile sind deutlich zweistellige Werte an Torhüterparaden an der Tagesordnung. Mehr Konzentration und Detailwissen über die Gegenspieler sollten auch alle anderen TG-Akteure erhalten. Die Spieler haben bei der TG traditionell vor einem Heimspiel zahlreiche Aufgaben zu erfüllen, die vor allem mit dem Hallenaufbau zu tun haben. Nicht gerade eine optimale Vorbereitung auf ein Punktspiel. Der Trainer bittet deshalb sein Team vor jeder Partie zu einem gemeinsamen Spaziergang, um die Gedanken in Richtung Spiel zu lenken. So fokussiert startete die Mannschaft in vielen Fällen wie die Feuerwehr und holte in sieben Anläufen in eigener Halle auch sieben Siege – der beste Wert der gesamten Liga!

Welche Annahme wurde widerlegt?
Nicht wenige im Umfeld der TG befürchteten zunächst, dass Trainer und Mannschaft nicht zusammenpassen könnten. Zuvor herrschte zwischen Übungsleitern und Mannschaft jahrelang ein kumpelhafter Ton. Jetzt sollte ein recht bestimmend daherkommender Coach mehr Leistung herauskitzeln. Die Befürchtung, dass einige Spieler darauf keine Lust haben und eventuell sogar den Dienst quittieren könnten, bestätigte sich nicht. Im Gegenteil. Trotz klarer Worte scheint es große Harmonie in der Mannschaft zu geben. „Uns als Trainer macht es mit den Jungs Spaß und auch die Trainingsbeteiligung ist ausgezeichnet“, sagt Hazim Prezic. Auch die sportliche Leitung mit Jens Wiegräfe und Jann Rentsch sind sich einig: Spieler und Trainer kommen gut miteinander zurecht.

Wie liefen die Test- und Pflichtspiele?
Der Trainer wählte im Sommer starke Kontrahenten aus. Im Duell mit den Sportfreunden Söhre ging es für die TG sogar gegen einen Drittligisten. Nachdem man diesen in den ersten 20 Spielminuten förmlich an die Wand gespielt hatte (am Ende unterlag man dann doch), war jedem Mündener Spieler klar, dass in der Mannschaft viel mehr steckte als angenommen. Die ersten vier Punktspiele wurden gewonnen. Darunter gegen die HSG Heidmark (32:20), die seit Jahren auf den Aufstieg hinarbeitet und auch diesmal oben mitmischen will. Das war schon beeindruckend. Dann gab es den ersten von drei Dämpfern (19:37 in Groß Lafferde). Insgesamt konnten die drei Auswärtspleiten aber die Stimmung nur kurzzeitig trüben. Beim letzten Spiel (23:20-Sieg gegen die HSG Oha) in einer sehr gut gefüllten Gymnasiumshalle fühlte sich Hazim Prezic fast schon genötigt, seine Mannschaft in Schutz zu nehmen: „Angesichts der Kulisse hätten wir gern besseren Handball geboten, aber man hat schon gemerkt, dass die Spieler etwas an Kraft verloren haben.“

Was soll noch verbessert werden?
Jener Handball, den sich die Trainer vorstellen, konnte bislang nur bei Heimspielen gezeigt werden. Schließlich kassierte Tabellenführer TG Münden auch drei „sehr unangenehme Reisen“ in fremden Hallen (Prezic). Man wolle daran arbeiten, auch dort den dominanten Tempohandball durchzuziehen. Prezic will zudem erreichen, dass die Mannschaft in der Deckung flexibler reagieren kann.

Welchen Eindruck hat der Trainer bei seiner ersten Station in einer niedersächsischen Liga?
Hazim Prezic ist voll des Lobes über eine „ausgezeichnete sportliche Leitung“ auch außerhalb des Platzes. Er meint: „Angesichts unseres Gesamtpakets mit Teammanagern, ärztlicher Betreuung und Helfern müsste mir ein Spieler erst mal erklären können, warum er anderswo besser aufgehoben sein sollte!“ Erfreut habe ihn auch die stetig wachsende Zahl an Zuschauern in der Gymnasiumshalle. „Das alles ist ein Paket, das ich auch schon lange nicht mehr erlebt habe, und die gesamte Mannschaft genießt einfach die aktuelle Situation“, so Prezic.

Und wie sieht es mit einem möglichen Wiederaufstieg in die Oberliga aus?
Vom Aufstieg redet bislang keiner, denn auch der TG ist bewusst dass die Liga mit bis zu sieben Topmannschaften so ausgeglichen besetzt ist wie schon lange nicht. „Wir haben jede Woche ein Spiel und sehen dann am Ende, was herauskommt“, sagt Hazim Prezic. Er möchte das Team weiter entwickeln. Vor allem auch durch den Einbau von Linkshändern. Dann sei auch der Sprung nach oben eventuell wieder möglich.

Wie ist der Ausblick auf die kommenden Wochen?
In der Woche vor Weihnachten wird die TG nur noch einmal trainieren, um dann bis zum 1. Januar freie Tage genießen zu können. Ab dem 2. Januar ist Training angesetzt. Und am 8. Januar nimmt die TG erstmals wieder am Silvestercup der HSG Rhumetal teil (Ober-, Verbands- und Landesligisten). Das erste Punktspiel folgt dann am 21. Januar beim härtesten Verfolger, der SG Börde. (Manuel Brandenstein)

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