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Weltmeister Lichtlein hält MT II den Derbysieg fest

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Von: Ralf Ohm

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Eine Halbzeit lang kaum zu halten: Melsungens Spielmacher Jona Rietze (vorn), der sich hier gegen Jona Gruber (ESG) durchsetzt.
Eine Halbzeit lang kaum zu halten: Melsungens Spielmacher Jona Rietze (vorn), der sich hier gegen Jona Gruber (ESG) durchsetzt. © Richard Kasiewicz

In einem hartumkämpften Derby behielt die MT Melsungen II in der Höhle des Löwen die Oberhand. Oberliga-Tabellenführer ESG Gensungen/Felsberg musste sich nach unvollendeter Aufholjagd mit 27:29 beugen und kassierte die erste Saisonniederlage.

Gensungen - Nach 48:35 Minuten war‘s so weit: Der Weltmeister betrat die Derby-Bühne. Richtete sich im Kasten der MT Melsungen II ein, begleitet von einem Pfeifkonzert der meisten der 850 Zuschauer in der ausverkauften Gensunger Kreissporthalle. Das ging Momente später in Jubel über, als Heinrich Wachs, Rückraumspieler der ESG Gensungen/Felsberg, per Siebenmeter auf 23: 24 verkürzen konnte.

Danach machte Carsten Lichtlein die Edertaler Hoffnungen im Spitzenspiel der Handball-Oberliga zumindest auf ein Remis mit zwei wichtigen Paraden doch noch zunichte. Ohne sich deshalb als „Vater“ des schwer erkämpften 29:27 (16:12)-Sieges in der Höhle des Löwen des Nachbarn zu fühlen. „Matchwinner ist die Mannschaft, die mit viel Leidenschaft den Vorsprung verteidigt hat“, lobte der 41-Jährige das mutige kollektive Auftreten der Melsunger.

Das mit eben jenem Vorsprung, der sich letztlich als zu große Hypothek für die Gastgeber entpuppte, in der ersten Hälft belohnt wurde. Als Gensungen fulminant startete (3:2 nach drei Monaten), um dann entzaubert zu werden. Die erste Welle fand nicht mehr statt und die zweite versiegte. „Wir konnten das Tempo nicht bestimmen“, bedauerte ESG-Trainer Frank Eidam.

Der Grund: Der Gegner hatte den Dreh im Positionsangriff immer besser raus, schloss sicher ab und ließ dadurch überhaupt keine Umschaltmomente zu. Die offensiven Halben der Gensunger 6:0-Deckung waren laut Rückraumspieler Waldgenbach „ein gefundenes Fressen“ für den quirligen Spielmacher Jona Rietze, der ständig den Zweikampf suchte - und meist gewann. Oder regelwidrig gestoppt wurde, was schon früh kraftraubende Zeitstrafen für den Spitzenreiter zur Folge hatte. Jan Waldgenbach selbst, der sein bisher bestes Spiel im MT-Trikot machte, war zusammen mit Max Pregler das ordnende Element im Bartenwetzer Angriff. Sorgte, auch mit seinen trockenen Abschlüssen, für die nötige Balance.

Genau die fehlte der Gensunger Deckung, wobei auch Systemwechsel nicht fruchteten. „Wir haben den Schlüssel in der Defensive zu spät gefunden“, bekannte Kreisläufer Hannes Iffert. Da hatte nämlich Melsungens Schlussmann Jannik Büde bereits zehn Bälle abgewehrt und außer Torjäger Wachs alle Edertaler Schützen ausgeguckt. Da war es merklich stiller in der Hölle Nord geworden, als die Gäste mit einer komfortablen Vier-Tore-Führung in die Pause gingen.

Und die auch zunächst souverän verteidigten. Bis zum 21:24 durch Manuel Hörr (46.). Dann geriet die Melsunger Angriffsmaschine „ins Stocken“ (Lichtlein), denn der frühzeitig eingewechselte Lukas Voß machte den Büde, steigerte sich genau wie seine Vorderleute und hielt sogar zwei Siebenmeter. „Ich habe mich reingefuchst“, erklärte der ESG-Torwart.

Allerdings stahl ihm ein prominenter Vertreter seiner Zunft die Show und seiner Mannschaft die weiße Weste. „Wir sind in der Schlussphase cool geblieben“, sagte MT-Trainer Arjan Haenen. Vorrangig gemeint war wohl Max Pregler, der nach Lippolds Ausgleich zum 27:27 (58.) mit zwei Treffern in Humphrey Bogart-Manier den Sieg seine Mannschaft sicher stellte.

Auf der anderen Seite fehlte der Gensunger Aufholjagd trotz stabilerer Deckung die nötige Wucht zur Wende. Was auch Heinrich Wachs zerknirscht anmerkte: „Wir sind einfach nicht in den Flow gekommen und nur mitgelaufen.“ 57 Minuten lang. Zu lange.

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