Relegation: Traurige Abschiede

Wenn die anderen feiern: SG 09 Kirchhof nach 22:24 in Aldekerk wieder Drittligist

Da half auch kein Beten mehr: Die scheidende Jana Schaffrick ist mit Kirchhof abgestiegen.
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Da half auch kein Beten mehr: Die scheidende Jana Schaffrick ist mit Kirchhof abgestiegen.

Aus, vorbei: Die SG 09 Kirchhof muss nach dem 22:24 (8:13) im Relegations-Rückspiel zur 2. Handball-Bundesliga den bitteren Gang in die 3. Liga antreten.

Aldekerk – Sie trauerten so, wie sie gespielt hatten: vornehmlich allein. Da sank die überragende Torfrau Frederikke Siggaard gen Boden. Da ließ Kreisläuferin Jana Schaffrick ihren Tränen freien Lauf. Da vergrub sich die enttäuschende Rückraumspielerin Greta Kavaliauskaite ebenso in ihrem Trikot wie ein Großteil der Spielerinnen der SG 09 Kirchhof. Nach der bitteren Niederlage im entscheidenden Relegationsspiel beim TV Aldekerk, gleichbedeutend mit dem Abstieg nach vier Jahren in der 2. Bundesliga der Frauen.

Torfrauen Cengiz und Siggaard überragten

Still ließen sie auf und neben der Platte den Tiefpunkt einer verkorksten Saison über sich ergehen. Auch aus der Erfahrung, dass innerhalb nur eines Monats gleich dreimal der Gegner einiges zu feiern hatte. Während im Liga-Alltag der TVB Wuppertal (29:17) und die TG Nürtingen (27:26) mit Siegen bei der SG 09 den Klassenerhalt klar machten, ist der erstmalige Aufstieg Aldekerks in die 2. Liga der größte Vereinserfolg seitdem die Männer des ATV vor 30 Jahren ebenso ins Unterhaus einzogen. Und da die aktuelle Männer-Mannschaft das Frauen-Team derart lautstark unterstützte, spielten sie spontan nach Abpfiff deren Hymne: Den Zillertaler Hochzeitsmarsch der Schürzenjäger. Dem ein Ständchen für Torfrau Tugce Cengiz folgte, die sich an ihrem 25. Geburtstag in Gala-Form präsentierte.

Cengiz gab ihrem Team Halt, als Kirchhof sich nach 6:12-Rückstand und einem 1:8-Lauf (26.) anschickte, der Partie noch eine Wende zu geben. Erst fing sie einen Heber beim Siebenmeter von Diana Sabljak (40.), dann scheiterte die ansonsten treffsichere Linksaußen Zerin Özcelik glockenfrei beim Gegenstoß (46.), ehe sich Cengiz auch noch einen freien Wurf von Mariel Beugels schnappte (47.).

Mussten sich Trost spenden: Kirchhofs Torfrauen (v.l.) Zorana Jurcevic, Nela Zuzic und die erneut starke Frederikke Siggaard.

Demütigend für die emsige Spielmacherin und ihre Kolleginnen. „Immer, wenn wir dran waren, haben wir es wieder verbockt. Wir waren im Angriff zu statisch“, haderte Beugels. Und machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube: „So wollte sich niemand von uns aus Kirchhof verabschieden.“

Den bittersten Ausstand verlebte freilich die Kapitänin. Nach fünf Jahren, 1010 Treffern und drei Torjägerkanonen hatte Diana Sabljak ebenso wie Kreisläuferin Jana Schaffrick einen schweren Stand. Wurde von den flinken Fabienne Huppers, Lena Heimes und dem erst 17-jährigen Kreisläufer-Juwel Julia Albin empfindlich gestört und dahinter von der umsichtigen Abwehrchefin Birga van Neerven bearbeitet. „Sie haben gemerkt, wo wir verwundbar sind. Und wir haben es wie schon im Hinspiel, wo wir unsere Stärken kaum zeigen konnten, nicht gut gelöst“, sagte Sabljak.

Zu viel Druck im „schwersten Spiel der Vereinsgeschichte“

Am Vorabend hatte die Kroatin nach der letzten Trainingseinheit für ihre Gesamtleistung ebenso einen „Oscar“ von der SG erhalten wie Torfrau Siggaard, die Trainer Denk zur „Spielerin der Saison“ nach insgesamt 950 Paraden in fünf Spielzeiten kürte. Garniert in der Vereinsmitteilung mit der Wertigkeit der Partie als „schwerstes Spiel der Vereinsgeschichte.“ Was den Druck auf die Akteure (auch das Trainerteam) zusätzlich steigerte – und sie letztlich daran zerbrachen.

Spätestens nach der fragwürdigen Roten Karte gegen Sabljak – ihrer ersten überhaupt („Das war viel zu hart, maximal Zwei-Minuten“) - war es um das Schicksal Kirchhofs geschehen. „Das Spiel spiegelt leider die Saison wieder. Unsere Blase ist viel zu schnell geplatzt. Mit dieser Mannschaft solltest Du nie absteigen“, sagte Coach Denk, dessen Variante mit Ida Evjen nicht zündete.

Die Norwegerin kam auf die Platte, wenn Zeitspiel drohte. Und beim Versuch mit einer zusätzlichen Feldspielerin, um ihre Wurfgewalt zu nutzen. Doch anstatt im Winkel landeten die Bälle im Block Aldekerks. „Wir haben einfach eine geile Abwehr mit einer überragenden Tugce im Tor gespielt und aus dem Hinspiel gelernt“, frohlockte Aldekerks Aufstiegstrainerin Yvonne Fillgert. (Sebastian Schmidt)

Die Statistik:

TV Aldekerk - SG 09 Kirchhof 24:22 (13:8).

Aldekerk: Kothen, Cengiz (17 P./22 GT), Leuf - Molderings, Verlinden, Kühn 1, Huppers 5/4, Albin 3, Heimes 6, Nebel, van Neerven 1, Rottwinkel 6/2, Weisz 2, Korsten, Strunz.

Kirchhof: Siggaard (17/24), Jurcevic - Özcelik 7, Schaffrick, Harder, Koltschenko, Evjen 3/2, van der Linden, Sabljak 1, Beugels 9, Kavaliauskaite 1, Immelnkäpmer, Prauss, Spatz 1/1.

SR: Linker/Schmidt (Herne). Z: 123.

Siebenmeter: 6/7:3/6.

Strafzeiten: 6:6-Minuten.

Rote Karte: Sabljak (48., Foulspiel).

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