Viele offene Fragen

Handball-WM: DHB sichert sich Public-Viewing-Rechte

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Übertragungsrechte Handball-WM: Bund sichert sich Public-Viewing-Rechte

Berlin - Noch nie ist eine Sport-Großveranstaltung ausschließlich über die Internetseite eines Sponsors gezeigt worden. Dieses Novum sorgt für Kritik und wirft viele Fragen auf.

Update vom 31. Dezember 2017: Die deutschen Handballer wollen vor heimischer Kulisse ihren Titel verteidigen. Wir haben bereits zusammengefasst, wie Sie die Handball-EM 2018 live im TV und im Live-Stream sehen können.

Update vom 14. Dezember 2017: Hier finden Sie den Spielplan für die Handball EM 2018 in Kroatien.

Nach der Notlösung bei der Übertragung von Livebildern der WM in Frankreich hat sich der Deutsche Handballbund (DHB) die Public-Viewing-Rechte für das Turnier gesichert. Die Rechte für die deutschen Spiele sollen kostenfrei an die Vereine und Verbände weitergegeben werden, wie der DHB am Freitag mitteilte. „Wir rufen alle Handball-Fans in Deutschland zum Public Viewing auf“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

In Deutschland werden bewegte Bilder von dem am Mittwoch beginnenden Turnier über die Internetseite des Sponsors DKB zu sehen sein. Zuvor drohte lange ein kompletter Blackout, im TV werden die Partien nicht zu sehen sein. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF sollen einem Bericht des RedaktionsNetzwerks Deutschland zufolge noch nicht einmal die Zweitverwertungsrechte bekommen. Demnach verhandelt darüber die ProSiebenSat.1-Gruppe mit dem Rechteinhaber beIN.

Sponsort überträgt

Für die Fans ist das Sponsoren-TV von der Handball-WM besser als nichts - für Fernsehsender und andere Medien-Unternehmen eine Bedrohung der freien Berichterstattung. Die exklusiven Live-Übertragungen über die Internetseite des Handball-Sponsors DKB sind eine Notlösung und zeigen zugleich die rasanten Änderungen auf dem Medienmarkt. Klassische TV-Anbieter sehen das ebenso kritisch wie der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS).

„Wehret den Anfängen. Wenn nicht Journalisten das Geschehen filtern, sondern PR-Leute, dann hat das nichts mit objektiver Berichterstattung zu tun“, sagte VDS-Präsident Erich Laaser am Freitag der Deutschen Presse-Agentur: „Das ist ein Präzedenzfall.“

Viele Details ungeklärt

Viele Details der geplanten Übertragungen sind fünf Tage vor Beginn der Handball-WM aber noch gar nicht geklärt. Wer kommentiert? Reicht die Bandbreite deutschlandweit für den Empfang? Können die Fans ihren Stream auf einen klassischen Fernseher abspielen? Die DKB hatte am Freitag noch keine Antworten und will „in den nächsten Tagen weitere Details bekanntgeben“.

Erstmals werden bewegte Bilder von einer Sport-Großveranstaltung nur auf der Homepage eines Sponsoren zu sehen sein. Der Deutsche Handballbund (DHB) ist der DKB für ihr kurzfristiges Eingreifen logischerweise dankbar, hätte sich aber am liebsten eine Übertragung im öffentlich-rechtlichen TV gewünscht.

„Wir haben die Situation, dass wir als Europameister nach Frankreich fahren und wir haben keine Bilder in ARD und ZDF“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann der Deutschen Presse-Agentur. Er frage sich, wie die Politik reagiert hätte, wenn es etwa von der Fußball-EM im vergangenen Sommer absehbar keine TV-Bilder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gegeben hätte. Trotzdem sei er sehr froh, dass die DKB eingesprungen sei. Michelmann sagte, dass der DHB dabei sei, professionelle Sport-Kommentatoren für die Übertragung der Spiele zu gewinnen.

DHB sichert sich Public-Viewing-Rechte

Der DHB sicherte sich zudem immerhin die Public-Viewing-Rechte für die deutsche Spiele. Diese sollten kostenlos an Vereine und Verbände weitergegeben werden, teilte der DHB mit. Die Zweitverwertungsrechte könnten unterdessen an die ProSiebenSat.1-Gruppe gehen. Sie verhandelt einem Bericht des RedaktionsNetzwerks Deutschland zufolge mit dem Rechteinhaber beIN, ARD und ZDF dürften erneut leer ausgehen.

„Gerade in der heutigen Zeit braucht man Journalisten zum Einordnen“, sagte Laaser. Man müsse die WM-Berichterstattung durch die Bank „genau beobachten, ob sie tendenziös ist“. Der VDS-Präsident sieht die „schreibenden Journalisten“ in Frankreich als „Korrektiv“.

Den Vorwurf mangelnder Neutralität bei den Übertragungen weist Stefan Felsing von der Agentur Lagardère zurück. „Da fehlt mir die Fantasie“, sagte der Vize-Präsident des Sportvermarkters, der den Deal eingefädelt hat. „Wer auch immer die Spiele kommentieren wird, wird ja nicht sagen, dass der Siebenmeter deshalb verwandelt wurde, weil der Spieler einen Kreditvertrag bei der DKB hatte.“

Der katarische Rechteinhaber beIN Media hatte die Angebote mehrerer Medien-Unternehmen abgelehnt und der DKB über Lagardère Sports den Zuschlag erteilt. „Ein neues Kapitel Sportgeschichte“, lautete der wenig bescheidene Kommentar von Jung-von-Matt-Geschäftsführer Robert Zitzmann, dessen Agentur beratend tätig war.

Klassische Unternehmen kamen nicht zum Zug

Klassische Medien-Unternehmen kamen nicht zum Zug, lange drohte ein kompletter Blackout. Dass es überhaupt bewegte Bilder gebe, sei für die Fans erfreulich, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Doch die Berichterstattung durch ein werbetreibendes Unternehmen werfe viele Fragen auf. Als „sehr missliche Situation“ bezeichnete das ZDF die ausschließliche TV-Berichterstattung über die DKB-Homepage.

„Interessant ist, dass hier ein Sponsor mit klaren Sponsoringinteressen offenbar als Rundfunkveranstalter mit einer Sendelizenz auftreten möchte.“ Balkausky hält Sponsoren-TV für „keine Alternative zum frei empfangbaren Fernsehen mit dessen journalistisch-qualitativer Herangehensweise, mit dessen Reichweite und dessen Zuschauerakzeptanz“.

Die Gesellschaft in Deutschland müsse „entscheiden, welche Sportereignisse auch in Zukunft in frei empfangbaren, linearen Angeboten zu sehen und geschützt sein sollen“, sagte Balkausky. Die Erfahrung beim Thema Handball-WM zeige sehr deutlich. „Hier wurden konsequent alle deutschen Free-TV-Sender von der Teilnahme an Rechteverhandlungen ausgeschlossen, zum Schutz von Pay-Angeboten in anderen europäischen oder nordafrikanischen Ländern.“

dpa

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